Ich gehöre jetzt nicht zu den Leuten, die vor lauter Hörbuch-Euphorie die Fähigkeit des Lesens aufgeben. Ich fühlen mich dem gedruckten Wort verpflichtet. Aber bei manchen Titeln und Gelegenheiten höre ich gern Hörbuch. Und diese per Internet zu beziehen, ist eine nahe liegende Idee.
Allerdings gibt es einige Aspekte, die mich in vielen Fällen zur Entscheidung bringen, das Hörbuch auf CD zu kaufen und mit Audiobook Builder zu rippen. Das sind die Gründe für diesen Entscheid – und eine Aufforderung an Audible, doch bitte ihre Audiobooks etwas liebevoller und sorgfältiger zu produzieren:

  • Das Audioformat: MP3 mit einem seltsamen Wrapper – mag sein, dass das die beste Kompatibilität bietet, aber die Qualität ist nicht grandios. Ein Format wie AAC wäre x-mal besser geeignet. Es ermöglicht bei ungefähr gleicher Qualität sehr viel kleinere Dateien. Und es unterstützt Kapitel von Haus aus.
  • Das DRM: ich verstehe, dass die Verleger auf dem Digital Rights Management (vulgo: Kopierschutz) bestehen. Aber die Audible-Variante mit seltsamen Dateien ist mir nicht sympathisch. Es ist mir zwar kein Anliegen, Steve Jobs Horn zu blasen, aber in diesem Fall wäre das Apple-Format (m4b) schlicht die bessere Wahl.
  • Metadaten und -tags: Wie Audible mit den Hörbüchern umgeht, ist einfach nur lieblos. Titel und Autoren erscheinen mit seltsamen Sonderzeichen, als ob die Welt noch nie etwas von Unicode gehört hätte. Es hat zwar nicht jeder eine isländische Computertastatur, aber den Herrn Indriðason kriegt man trotzdem richtig angeschrieben. In den Metadaten erscheinen weder Sprecher noch Erscheinungsdatum. Und einige Informationen im Kommentarfeld, eine kurze inhaltliche Zusammenfassung etwa oder spezielle Hinweise auf die Hörbuchfassung sind ein reiner Wunschtraum von mir.
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  • Kapitel: Jedes Buch hat Kapitel. Sogar die Hörbücher von Audible. Nur dass die willkürlich gesetzt sind und rein gar nichts mit den Kapiteln des Buches zu tun haben. Was soll dieser Unfug?
    Beispiel «Confessions of an Economic Hit Man» von John Perkins, das ich eben fertig gehört habe. Das ist in vier Teile gegliedert, wobei diese Einteilung nichts mit der Einteilung im Buch zu tun hat – obwohl das Buch auch vier Teile hat. Ich hätte gerne die gleiche Einteilung wie im Buch, das 35 Kapitel, sowie Einleitung, Prolog und Epilog hat.
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  • Zusatzinfos: Im erwähnten Buch gibt es auch einen Index, die «Personal History» des Autors, und, für ein Sachbuch äusserst wichtig, einen Anhang mit Quellenangaben, Literaturhinweisen und Links. Diese vorzulesen, wäre witzlos, aber man sollte sie dem Hörbuchhörer auch nicht vorenthalten. Wieso diese Informationen nicht als PDF zum Hörbuch mitliefern?

Vielleicht setzt das iPad bei digitalen Büchern einen neuen, solideren Standard?