Ohne ein allzu grosses Geheimnis zu verraten: Der Titel im S-town-Podcast steht für «Shitty town». Die Scheissstadt ist Woodstock, Alabama, wo John B. McLemore wohnt. Er ist ein Eigenbrödler, der mit seiner dementen Mutter auf einer Farm wohnt, einen Irrgarten angelegt hat, den man sogar auf Google Earth sieht, der als Uhren-Nerd auch knifflige antike Zeitmesser wieder zum Laufen bringt und ansonsten dem Leben nicht viel abgewinnen kann: Er wettert über sein Kaff und sein Unvermögen, etwas aus seinem Leben zu machen – und er leidet an der ganzen Welt. Klimakatastrophe, Putin, die Ungerechtigkeit des Lebens an sich.

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Hier fehlt eindeutig dieses Emoji hier: 💩

Der Podcast beginnt wie ein typischer Serial-Podcast (Definition hier): Mit einem vermeintlichen Skandal: Ein unaufgeklärter Mord. Vertuschte Polizeiübergriffe. Brian Reed, der Autor der Geschichte, telefoniert oft und lange mit McLemore, um der Sache auf die Spur zu kommen und reist dann nach Woodstock. Dort ist alles etwas anders… der vermeintliche Mörder spricht offen über seine Tat und auch sein Vater sagt, dass er so eine fiese Angelegenheit niemals gedeckt hätte. Auch die Polizei hat ermittelt, und das Geheimnis löst sich in Luft auf.

Eine Story, DOA. Doch nicht ganz. Den ganzen Beitrag lesen »


Ich habe neulich im SRF-Medientalk den feinen Herrn Semak gehört, der sich dort sehr seriös gab, als er über sein Podcastlabel Viertausendhertz.de sprach. Ich wusste schon aus dem Podcast Elementarfragen – den ich vor Urzeiten im Tagi vorgestellt hatte und der jetzt nach einer mehrjährigen Pause wieder an den Start ging, unter anderem mit einer Folge mit Sascha Lobo – dass der feine Herr Semak seriös kann.

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Die feinen Herren Langisch, Semak und Schmidt.

Doch man würde ihm keine Gerechtigkeit widerfahren lassen, wenn man nicht auch seine unseriöse Seite beschreiben würde. Die lebt er mit zwei anderen Herren, Gero Langisch und Phil Schmidt, im Podcast Mikrodilettanten aus. Das ist ein sympathischer Laberpodcast. Ich weiss nicht genau, wer diese Genrebezeichnung geprägt hat. Sie ist jedenfalls sehr passend für jene Sorte der Podcasts, in denen zwei oder mehr Leute thematisch offen und ohne Gesprächsführung plaudern. Man kann sich das wie ein Gespräch unter Freunden vorstellen, von dem man Ohrenzeuge wird. Das ist sehr unterhaltsam und auch leicht voyeuristisch. Respektive auditeuristisch, da man ja nur mit den Ohren bei einer Runde mit dabei ist, zu der man nicht explizit eingeladen wurde.
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Ich habe mich neulich schon mal darüber aufgeregt, was heute so als Podcast bezeichnet wird. Die Definition meines Erachtens ist einfach: Wenn man es in einem Podcatcher (wie dem hier) abonnieren kann, ist es ein Podcast. Wenn man es nur auf einer Website oder in einer App wie der von Spotify oder Audible hören kann, ist es kein Podcast.

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Nein, das inmitten des MDR-Fernsehballetts ist nicht Stefan Niggemeier. (Bild: Manfred Werner - Tsui/Wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Und nun muss ich den Punkt noch einmal belabern (falls man die englische Redewendung belabor the point so übersetzen kann). Schuld daran ist der «Podcast» mit dem Titel Das kleine Fernsehballett, vom «Tagesspiegel» eindeutig als Podcast tituliert (Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier starten Podcast), aber irgendwie nur auf Deezer zu hören.

Immerhin kann man Deezer zu Gute halten, dass man den «Podcast» auch auf der Website konsumieren kann, ohne dass man eine App oder eine Anmeldung benötigen würde. Bei anderen «Podcasts» ist das zumindest offiziell nötig (inoffiziell auch nicht). Allerdings ist der Webplayer etwas vom Grässlichsten, was die Welt je gesehen hat: Den ganzen Beitrag lesen »


Der «Serial»-Podcast hat nicht nur mediale Wellen geworfen, sondern ein eigenes Genre geschaffen. Die serial-artigen Produktionen sind eine persönlich gefärbte Erzählung des Autors, wie er sich an ein Geheimnis heranwagt. Es geht natürlich um das Geheimnis selbst, aber auch darum, wie die Nachforschungen Fortschritte machen oder in Sackgassen enden. Der Autor ist eine Figur in seiner Geschichte, wie der Ich-Erzähler in einem Roman. Die serial-artigen Podcasts sind somit ein Mittelding zwischen Journalismus und Literatur. Sie thematisieren auch Zweifel und Widersprüche, und sie nehmen es in Kauf, dass das Rätsel am Ende womöglich nicht gelöst wird. Denn sie werden episodisch veröffentlicht, wobei die ersten Folgen schon erscheinen, bevor die Recherche abgeschlossen ist.

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Losgezogen, um irgendwo hier zu enden. (Bild: Syrian Desert, yeowatzup/Flickr.com, CC BY 2.0)

Formal sind die serial-artigen Produktionen vom Radiofeature beeinflusst. Sie bauen Soundbites von Protagonisten, O-Tone und atmosphärische Elemente zu einer dichten Collage, und es kommen auch Töne zum Einsatz, die man in einer klassischen Reportage niemals verwenden würde: Aufnahmen vom Telefonbeantworter, Youtube-Clips und ähnliches zum Beispiel. Und wichtig ist die Musik, die in aller Regel für die Produktion selbst komponiert wurde und dramaturgisch gezielt eingesetzt wird.

Es gibt inzwischen diverse solche Geschichten. Den ganzen Beitrag lesen »


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Wo bleibt die Facebook-Kategorie für uns lockige Menschen? (Bild: Enredada, Silvia Viñuales/Flickr.com, CC BY-ND 2.0)

Vor einiger Zeit bin ich auf Facebook in eine Diskussion geraten1, in der es um diesem Beitrag hier ging. Der besagt, dass Facebook es neuerdings möglich macht, Werbekampagnen nach Ethnien zu «targeten». Man kann seine Kampagne auf Afroamerikaner beschränken oder nur Hispanoamerikaner ansprechen. Genauso, wie man nach Alter, Geschlecht, Hobbies und diversen Vorlieben selektieren kann.

Ist das diskriminierend oder nicht? Eine interessante Frage, bei der ich unschlüssig bin (war). Einerseits ist die Gefahr von Ungleichbehandlung tatsächlich gegeben. Ein Restaurant könnte seine Werbekampagnen nur auf Weisse ausrichten, um farbige Besucher fernzuhalten. Andererseits ist das Targeting bei Frauen erlaubt, obwohl bei diesem Geschlecht die Benachteiligung längst nicht ausgerottet ist. Auch nach Alter darf man seine Kampagne ausrichten. Ist es okay, wenn ein Restaurantbesitzer Frauen und Alte fernhält, aber wenn er Aufroamerikaner ausgrenzt, wird es zum Problem? Ist die Schutzbedürftigkeit bei der Rasse grösser als bei den anderen Faktoren?

Mir ist klar – mit dieser Frage läuft man sehr schnell Gefahr, Zuspruch von der falschen Seite zu bekommen. Den ganzen Beitrag lesen »



Matthias Schüssler

Matthias Stadtfilter kleinIn diesem semiprivaten Blog geht es um Tech, Medien, Podcast, Radio und Off-Topic wird zum Topic erklärt.




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