Warum es gut ist, dass Apple kleinere Brötchen bäckt.

Der Titel wirft die Frage auf, warum man für ein neues Betriebssystem den Vorhang schliessen und nicht aufreissen sollte. Die Antwort hängt mit dem neuen dunklen Anzeigemodus zusammen: Er macht weisse Fenster schwarz und die schwarze Schrift weiss. Viele nutzen ihn gerne bei dunklen Umgebungsverhältnissen. Um dafür die Bedingungen zu schaffen ziehe ich im Video die Jalousien zu.

Was mich angeht, nutze ich den dunklen Modus auch gerne tagsüber: Keine Frage, dass er bei mir zur Standardeinstellung werden wird. Ich finde ihn angenehm, weil ich die hellen Fenster oftmals tatsächlich als anstrengend empfinde. Ich drehe routinemässig bei meinen Bildschirmen die Helligkeit zurück. Das schmälert jedoch auch den Kontrast und macht das Lesen nicht unbedingt angenehmer. Die invertierte Darstellung ist angenehmer, auch wenn sie ungewohnt ist. Man braucht auch eine etwas höhere Schriftgrösse fürs entspannte Lesen. Aber einer der unbestrittenen Vorteile vom Web ist, dass man sich die Schriftgrösse so hindrehen kann, wie man es gerne möchte. Und nebenbei: Ein Hoch auf den Lesemodus im Browser.

Ich weiss, dass manche Leute nicht so gerne mit invertierter Schrift lesen. Ich denke aber, dass das eine Frage der Gewöhnung ist und es sich lohnt, den Versucht zu wagen. Bei den professionellen Anwendungen wie Lightroom, Photoshop und Final Cut sind die schwarzen Programmfenster schon seit Längerem üblich. Ich habe es erst für eine Marotte gehalten, und das wars ursprünglich wohl auch: Ein marketingmässiges Unterscheidungsmerkmal. Doch es zeigt sich, dass die dunklen Fenster helfen, sich auf die Inhalte zu konzentrieren. Jedenfalls hätte ich einen ernsthaften Dark Mode auch gerne bei Windows. Randbemerkung: Es gibt bei Windows 10 eine dunkle Option in den Einstellungen bei Personalisierung und dann links bei Farben beim Punkt App-Modus auswählen. Die wirkt sich aber nur auf wenige Dinge aus, nämlich auf die neuen Universal-Apps, die die Vorgabe auch berücksichtigen. In klassischen Desktop-Programmen wie Firefox hat man nichts davon.

Eine Frage bleibt: Wieso gibt es bei Apple nicht wie bei vielen iPhone-Apps die Möglichkeit, je nach Umgebungshelligkeit automatisch zwischen dem hellen und dem dunklen Modus zu wechseln? Man könnte den Wechsel auch wie bei Night Shift an die Tageszeit koppeln. Denkbar ist, dass der Wechsel am Desktop-Computer abrupt erscheinen würde und zu Verwirrungen beim Nutzer führen könnte. Allerdings wäre auch das bloss eine Frage der Gewöhnung und nach ein paar Tagen oder Wochen kein Ding mehr. Die Option sollte man auf alle Fälle zur Verfügung stellen. Vielleicht gibt es auch eine versteckt Option, die man via Terminal setzen kann und die bloss noch einer ausgraben muss.

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Charmant, aber nicht weltbewegend: Hintergrundbilder, die sich der Tageszeit anpassen.

Fazit: Wie im Tagi-Beitrag ausgeführt finde ich es gut, dass Apple das Tempo etwas zurückfährt und (hoffentlich) mehr Qualität liefert. Völlig unverständlich ist allerdings, dass Mojave anscheinend überhaupt keine neuen Funktionen für die Touchbar liefert. Hier ist von Touch-Bar-Unterstützung im DVD-Player die Rede, was irgendwie absurd wäre, weil das typische Touch-Bar-Macbook keinerlei DVD-Laufwerk eingebaut hat. Wenn das auch in der finalen Version von Mojave so bleiben sollte, ist das ein starkes Anzeichen dafür, dass die Touchbar eine Totgeburt war. Es ist nämlich nicht so, dass die vom Fleck weg perfekt wäre. Im Gegenteil, sie hat noch eklatante Mängel und da sie nach wie vor kaum von Dritt-Apps unterstützt wird, würde es dringend eine Möglichkeit brauchen, wie man für beliebige Apps Befehle auf die Touchbar legen kann. Da das nicht passiert, wird mein aktuelles Macbook wohl mein erster und mein letzter Computer mit Touchbar gewesen sein…