… oder auch nicht. Neulich ist mir mein iPhone 4 (MC605FD/A) in die Finger geraten. Ich gehöre nämlich zu den Leuten, die alte Geräte nicht zum Recycling geben, sondern in einer Schublade verstauen. Der prähistorische Sammeltrieb hat sich offensichtlich in die Moderne gerettet.

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Wie ein SUV neben einem Fiat Cinquecento.

Das iPhone 4 ist 2010 auf den Markt gekommen. Es zeichnet sich durch eine rückseitige Glasscheibe aus, die genauso kaputtgehen kann wie die Front, wenn man das Telefon unglücklich fallen lässt. Immerhin: Eine gesplitterte Rückseite stört nicht sosehr wie das Spinnenmuster auf dem Display. Im Gegenteil; man kann ihr sogar attestieren, dass sie einem Telefon Charakter und Individualität verleiht. Die Splitter bei meinem Gerät stammen von unseren Azoren-Ferien 2011, wo ich das Telefon im Hotel aus zwanzig Zentimetern Höhe auf die Steinplatten habe fallen lassen. Damals hat auch meine Spiegelreflexkamera, die D70s bei einem Walbeobachtungstrip zu viel Wasser abbekommen und das mit Aussetzern quittiert. Es war, aus Sicht des Equipments, keine glückliche Reise. Anderweitig aber schon.

Wie auch immer. Bemerkenswert an diesem Fund sind zwei Dinge. Erstens: Nach mehreren Anläufen hat sich das Telefon problemlos aufladen lassen. Es funktioniert noch einwandfrei und würde seinen Zweck noch einwandfrei erfüllen, wenn die Ansprüche inzwischen nicht derartig gewachsen wäre.

Zweitens: Inzwischen sind sieben Modelle ins Land gezogen, und die haben Verbesserungen gebracht, die sich aufsummieren. Offensichtlich ist die Grösse. Im Vergleich zum iPhone 8 Plus wirkt das iPhone 4 wie ein Spielzeug. Es passt bestens in die Hand, während das 8 Plus mit etwa der Hälfte seiner Länge übersteht. Wie ein Fiat Cinquecento neben einem SUV – und wer weiss, was ich von überdimensionierten Autos halte, dem ist sofort klar, welcher Formfaktor mir rein äusserlich besser gefällt. Aber natürlich, da ist das bessere, grössere, schärfere Display, das mich dazu bringt, mich mit diesen Abmessungen abzufinden. Und da sind auch der schnellere Prozessor, der vergrösserte Speicher und Arbeitsspeicher, das temporeichere WLAN. Und die grössere Tastatur, auf der es sich viel komfortabler tippen lässt. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, wie ich auf diesem winzigen virtuellen Keyboard überhaupt ein SMS hinbekommen habe.

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Die Betriebssystem-Kandidaten und ihre Erfolgsaussichten 2010.

Ich konnte somit der Versuchung widerstehen, einen Erlebnisbericht à la «eine Woche mit dem iPhone 4» anzufangen. Ich meine, das Fazit steht von vornherein fest: Es ginge, wäre aber kein Vergnügen. Und: Lieber ein iPhone 4 als gar kein Smartphone. Aber die Zeit läuft halt nicht rückwärts.

Mir ist noch etwas anderes aufgefallen: 2010 war das Rennen bei den Smartphone-Betriebssystemen offen: Nebst iOS und Android gab es damals auch das Blackberry OS, Web OS von Palm bzw. HP und Windows Phone 7. Ich habe im Artikel mit dem Titel «Das grosse Smartphone-Rennen ist eröffnet» am 29. November 2010 im Tagesanzeiger und «Bund» eine Prognose zu den Zukunftsaussichten gewagt:

Doch längst nicht alle Aspiranten haben in der Ausmarchung die gleichen Erfolgsaussichten. Gut aufgestellt sind die technologisch breit abgestützten Unternehmen, die auf viele Schlüsseltechnologien zurückgreifen oder viele Entwicklerreserven mobilisieren können: Microsoft, Apple und Google. RIM zählt trotz guter Verkaufszahlen zu den Aussenseitern, weil in diesem Rennen die Erfahrung in der Geschäftswelt sowie die Sicherheit wenig zählen. Nokia hat eine zu diffuse Strategie, indem die Finnen neben Symbian auch das auf Linux basierende MeeGo-Betriebssystem pflegen. Und Apples grösster Trumpf, sämtliche Rädchen perfekt aufeinander abzustimmen, wird weiterhin stechen.

Wie akkurat die war, darf jeder gerne selbst beurteilen. Ich gebe zu, mich in Sachen Windows geirrt zu haben. Das Scheitern Microsofts (und damit auch meine Fehleinschätzung) habe ich im Beitrag Warum es für Microsoft Zeit ist, das Handtuch zu werfen ausführlich analysiert.