Wir waren neulich mit Freunden am Albanifest. Die Freunde haben sich zwischendurch abgesetzt, um auf die schlimme Terrorbahn zu gehen, bei der man kopfüber an den Füssen durch die Luft gewirbelt wird. Wir haben in dieser Zeit lieber eine gemütliche Runde auf dem Riesenrad gedreht. Wenn man sich hinterher wieder treffen möchte, dann zieht das typischerweise wildes Whatsappen oder Telefonieren nach sich. Man muss aushandeln, wo man sich trifft und wann man das ist. Besonders mühsam ist diese Abstimmerei, wenn nicht alle Beteiligten ortskundig sind.

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Kann man nicht einmal in Ruhe hier sitzen, ohne dass einer angedackelt kommt? (Bild: Helena Lopes/Pexels, CC0)

Man kann das aber mit technischen Mitteln, konkret mittels Smartphone vereinfachen. Es gibt diverse Möglichkeiten, seinen Standort für andere freizugeben: Mit iOS 8 wurde die Freunde suchen-App eingeführt. Sie funktioniert via iCloud und ist für die innerfamiliäre Ortung auch in die Familienfreigabe integriert.

In WhatsApp gibt es seit Oktober letzten Jahres Live-Standortfreigabe. Man gibt seinen Standort frei und während die Position gesendet wird, kann der Gesprächspartner oder die zu einer Whatsapp-Gruppe gehörenden Leute sehen, wo man sich gerade befindet. Wir haben das neulich ausprobiert und es funktioniert gut genug, dass man sich spontan und ohne viel Wartezeit an einem Ort in die Arme läuft.

Schliesslich gibt es Apps wie Glympse-App (für Android und iPhone/iPad). Sie funktioniert wie WhatsApp plattformübergreifend auch mit Android-Telefonen.

Typischerweise wird der Standort bei allen Methoden für eine beschränkte Zeit freigegeben. Man kann es allerdings auch unbeschränkt bzw. kontinuierlich tun. Das hat den Vorteil, dass man sich spontan treffen kann, wenn man sieht, dass jemand in der Nähe ist.

… wobei ich mich frage, ob Leute das in der Praxis wirklich tun und ob es auf Anklang stösst. Ich stelle mir das so vor, wie ich mich in einen Spunten setze, weil mir im Büro die Decke auf den Kopf gefallen ist und ich nun dringend Arbeit erledigen möchte. Etwas Luftveränderung wirkt in solchen Fällen bekanntlich oft Wunder, selbst wenn die Luft hinterher das Attribut «lärmerfüllt» aufweist. Wenn ich nun fünf Minuten da sitze und dann den Bogen raus habe, taucht die erste Gestalt auf, die mich via Handy im Spunten geortet hat und jetzt denkt, ich hätte Zeit für ein Pläuschchen. Und vorbei ist es mit der Produktivität.

Bei diesen Apps kollidiert, so scheint es mir, Anspruch und Wirklichkeit. Der Anspruch ist, gemäss dem Trugbild des modernen digitalen Nomaden überall zu Hause zu sein und spontan in jedem Hipsterladen seine Arbeit erledigt zu bekommen – und dabei noch Spass mit den Freunden zu haben. Die Wirklichkeit ist, dass man dann doch ganz gerne allein gelassen wird, wenn einem eine Frist im Nacken sitzt und man mal wieder nicht so kreativ und ideensprühend ist, wie man es gerne hätte.

Bei Glympse kann man seinen Standort an jemanden freigeben oder jemanden um eine Standortfreigabe bitten. Man kann auch Gruppen erstellen und die Weitergabe des Standorts automatisch beenden, wenn man am vorgegebenen Ziel angekommen ist.

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Standort senden oder anfragen: Links Glympse, rechts WhatsApp.

Es gibt auch Apps, mit denen man Leute in der Nähe suchen kann, die man noch nicht kennt. Der Klassiker ist natürlich Tinder (fürs iPhone/iPad und Android), bei dem es dann doch ziemlich offensichtlich um One-Night-Stands geht. Spontacts (für iPhone/iPad und Android) scheint diesbezüglich etwas ergebnisoffener zu sein. Diese App grenzt nach dem Was, Wo und Wann ein. Man kann Leute für Ausflüge, Sport, kürzere oder längere Trips, Gesellschaftsspiele, Workshops und fürs Grillieren suchen – und natürlich gibt es auch Single-Treffs.

Und schliesslich die Happn-App (für iPhone/iPad und Android): Die zeigt einem, wem man vor Kurzem tatsächlich begegnet ist – damit man sich nie wieder aufs «Schatzchäschtli» verlassen muss, um eine Zufallsbegegnung, von der man weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse weiss, wieder aufzuspüren. Klingt romantisch … aber ich wette, dass die Person, die einen dann wirklich beeindruckt hat, die App garantiert nicht nutzt.