Kampf der digitalen Zeitverschwendung.

Wenn man sich die Kommentare zu diesem Patentrezept ansieht, könnte man zum Schluss kommen, dass es nicht besonders gut angekommen ist:

Und um diese Zeiterfassungen auszuwerten vertrödelt man zusätzliche und unproduktive Stunden …

Die totale Überwachung im Büro, danke für den Artickel.

vielen Dank Herr Schüssler
ich bin 82 Jahre alt und zum Glück kein Bedarf.

Wer «Artickel» schreibt, sollte sich wenigstens durch eine Rechtschreibsoftware überwachen lassen. Aber das nur nebenbei. Was die Kritik der Überwachung angeht, habe ich mit dem Einwand gerechnet. Aber es macht doch einen entscheidenden Unterschied, ob man selbst Daten über sich sammelt oder ob das andere (mit einer mehr oder weniger überzeugenden Datenschutzregelung) tun. Wenn Arbeitgeber ihre Angestellten auf diese Weise überwachen, dann ist das höchst fragwürdig. Allerdings ist das hierzulande wahrscheinlich auch illegal.

Und nebenbei: Manic Time speichert die Daten lokal, ohne Cloud (was ich deutlich hätte schreiben sollen). Geofency braucht ebenfalls keine fremden Server. Man kann diese Instrumente auch als Cloudskeptiker benutzen. Aber man muss natürlich nicht.

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Der Zei°-Würfel, der die obenstehende Aktivität automatisch trackt. (Und nein, es ist nicht so, dass ich meine Artikel mit dem Pinsel schreibe…)

Dass die Auswertung zusätzlich Zeit braucht, ist hingegen nicht von der Hand zu weisen. Aber im Idealfall rechtfertigen die Erkenntnisse diesen Aufwand. Wie das bei jeglichen Formen der Selbstreflexion der Fall ist. Wenn man das Video schaut, hört man mich übrigens genau das sagen. Natürlich glaube ich nicht, dass jedermann solche Werkzeuge nutzen muss oder sollte. Wer seine Zeit aber einigermassen effektiv einsetzen will, für den sind die Resultate wahrscheinlich aufschlussreich: Wenn man die «toten» Stunden reduzieren kann, dann rechnet sich das entweder in Geld oder in mehr Freizeit.

Die letzte Aussage, man brauche eine solche Software mit 82 nicht, ist ein bisschen ageist. Ob man mit Time Rescue, Geofency oder dem lustigen Zei°-Würfel etwas anfangen kann, hängt nicht vom Alter ab, sondern von der Art und Weise, was man tut und was für Ansprüche man an sich selbst hat, während man es tut. Ich könnte mir vorstellen, dass ich als 120-jähriger Rentner finde, dass ich höchstens noch zwei Stunden pro Tag vor dem Computer verbringen will und während der übrigen Zeit im Kaffee sitzen, mit meinen Urenkeln spielen oder VR-Porn konsumieren möchte

… äh, vergesst das letzte Beispiel, das möchte ich nicht von irgend einer Trackingsoftware getrackt wissen.

Nein, ernsthaft: Ich bin bei den Patentrezepten nicht der Meinung, dass jedermann allen meinen Empfehlungen sofort und vorbehaltlos folgen müsste. Das wäre allein deswegen verquer, weil ich der festen Überzeugung bin, dass auch jeder am Computer nach seiner Façon glücklich werden muss: Meine Tipps sollen daher auf Möglichkeiten hinweisen. Was und wie davon umgesetzt wird, muss jeder selbst entscheiden.