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Dieses Bild hat entfernt mit dem Thema zu tun, weil es Verbindungen zwischen Leuten darstellt. (Bild: rawpixel/Pixabay, CC0)

Ich habe von mehreren Leuten eine Einladung zu dock.io bekommen. Das ist eine Website, die, während ich diesen Blogbeitrag verfasse, noch nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag hat. Das liegt vielleicht daran, dass die Wikipedia-Autoren das Funktionsprinzip nicht verstanden haben – und das meine ich jetzt nicht überheblich, denn mir ist auch nicht ganz klar, wie Dock ganz konkret funktionieren sollte.

Bei How It Works heisst es zur Funktionsweise:

Dock.io is a decentralized data exchange protocol that lets people connect their profiles, reputations and experiences across the web with privacy and security.

Das erinnert natürlich sofort an Diaspora, einem sozialen Netzwerk mit hochfliegenden Plänen, das grandios gescheitert ist. Aber natürlich: Das schafft keinen Präzedenzfall und heisst nicht, dass die Idee der dezentralen Datensammlungen ein für alle mal gescheitert wäre. Im Gegenteil: Ich hoffe, dass die Zeit dieser Idee noch kommen wird. Da solche Dienste in Sachen Nutzerfreundlichkeit deutlich hinter Facebook zurückliegen, muss der Schmerz mit Facebook wahrscheinlich noch grösser werden. Oder es braucht noch einen Entwicklungsschritt mehr – zum Beispiel einen wirklich sicheren digitalen Speicher, der die Kontrollmöglichkeiten der privaten Datenhaltung mit dem Komfort der Cloud verbindet. Dock.io jedenfalls kann mit einem echten Trumpf aufwarten: Es verwendet nämlich die Blockchain bzw. genauer, das verteilte System Ethereum auch dezentrale Apps, die so genannten «DApps» ermöglicht. Wenn da nicht die Zukunft anklopft!

Was nun dock.io angeht, kann ich bislang nicht viel darüber sagen, weil ich beim Testen mit Login-Problemen zu kämpfen hatte: Mein Passwort wurde nicht akzeptiert und das Zurücksetzen klappte wegen einer dubiosen Fehlermeldung nicht. Ich habe es schliesslich mit einem zweiten Konto versucht, war aber nach den Erfahrungen etwas zurückhaltend – denn die Sache riecht noch ziemlich nach Beta. Und sowohl dieser Blogpost von Nick Macario, einem der Gründer, als auch das Whitepaper liest sich mehr als Absichtserklärung, denn als konkrete Handlungsanleitung.

Mit einem zweiten Account hat das Login geklappt, und mit dem wird die Sache etwas klarer: Persönliche Informationen, zum Beispiel Jobbeschreibung, aber sicher auch Adresse und Telefonnummer, werden von Dock.io für andere Webdienste zur Verfügung gestellt. Wenn man sie ändert, werden sie überall aktualisiert. Und das lässt auch den Schluss zu, dass man seine Daten jederzeit zurückziehen kann, worauf sie aus den angedockten Diensten verschwinden. Das klingt logisch, und ich wundere mich, dass das nicht längstens so funktioniert: Es würde auf einen Schlag das Problem mit den veralteten Adressen im Adressbuch lösen. Und es würde einem die mühselige Arbeit ersparen, die Einträge manuell führen und zu aktualisieren.

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Hier geändert, überall aktualisiert.

In einem zweiten Schritt kann man seine Linkedin-Daten als Archiv herunterladen und bei Dock.io importieren. Analog lässt sich Gmail, Facebook und Twitter anbinden. Man pflegt seine Kondaktdaten – und stösst dann auch auf eine Erklärung, weswegen es so viele Einladungen zu Dock.io gab: Man bekommt für erfolgreiche Vermittlung neuer Mitglieder nämlich 11.25 DOCK. Das ist die zu Dock.io gehörende Kryptowährung, die, während ich diesen Beitrag schreibe, einen Kurs von 0.12440 US-Dollar aufweist.

Im Profil trägt man Linkedin-bzw. Xing-mässig seine Ausbildung, Fähigkeiten und Expertisen ein. Unter Apps gibt es die Möglichkeit, Anwendungen anzubinden, die dann (wenn ich das richtig verstanden habe), die Daten nutzen könnten. Es gibt bisher erst den virtuellen Marktplatz Remote.com. Andere, nämlich fundrequest.io und smartrecruiters.com sind angekündigt.

Es scheint sich hier eine Alternative zu Linkedin anzubahnen – mit vielen guten Vorsätzen, aber noch wenig konkreten Möglichkeiten. Nick Macario beschreibt auch, wie verheerend es war, als Linkedin die öffentliche API 2015 kappte: 30’000 verbundene Apps hätten damals auf einen Schlag nicht mehr funktioniert. Diese Abhängigkeit ist ein riesiges Problem, und es ist sinnvoll, wenn es hier grundsätzlich angegangen wird: Die partnerschaftliche Beziehung zwischen den Diensten, die Daten nutzen, soll nicht proklamiert, sondern ins System implementiert werden.

Ob Dock.io nun eine Zeitenwende darstellt oder eine Luftnummer ist, kann ich nicht abschätzen. Es ist auch schwer zu sagen, ob die eingebaute Kryptowährung das Vertrauen nun fördert oder die Frage aufwirft, ob mit DOCK nicht eine weitere Unbekannte eingebaut wurde, die dieses Projekt noch schwerer fassbar macht. Ich werde es jedenfalls weiter verfolgen. Ich halte es aber für verfrüht, in Euphorie auszubrechen.

Update 8.6.18

Auf Twitter schreibt Thomas Elmiger folgendes (hier und hier):

Potenzial zur Werbeschleuder ist gemäss Datenschutzerklärung vorhanden: “Provide you with further information and offers […], such as newsletters, marketing or promotional materials On behalf of and according to instructions of a third party.” Dazu dürfen sie anonymisierte Daten mit persönlichen kombinieren (?!) => Profiling. (Steht etwas weiter unter dem zitierten Text.)

Das passt nicht so ganz zum Saubermann-Image, das hier aufgebaut werden soll. Aber wie er auch meint: