Ich habe mich neulich über die mangelnden Profi-Eigenschaften des iPads ausgelassen. Daraufhin hat Sascha Erni eine Replik geschrieben, die Affinity Photo empfiehlt: Mit der App lassen sich Bilder skalieren, optimiert exportieren und wunschgemäss benennen. Das ist schon mal was, zumal ich Affinity Photo ja auch ganz gut finde.

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Links: Am iPhone, ohne Drag&Drop, verwendet man den «Teilen»-Befehl.
Rechts: Gladys sammelt diverse Datentypen und organisiert sie mit Labels (Tags).

Ein Problem erwähnt Sascha aber gleich selbst: Affinity Photo existiert nur für das iPad. Und auch wenn ich vom iPad spreche, stammen die Screenshots in meinem Blogpost vom iPhone. Das ist ein bisschen inkonsequent meinerseits, hat aber damit zu tun, dass ich einen Workflow gerne auf dem grossen und dem kleinen iOS-Gerät praktizieren würde. (Und der Hauptgrund war, dass ich beim Bebildern des Blogposts das iPad nicht griffbereit hatte, da das gerade als Fernseher in Benutzung war.)

Ich erwähne nebenbei auch, dass mich nervt, dass Screenshots standardmässig in der Foto-Mediathek gespeichert werden und zwischen den Familienfotos auftauchen. Dazu Saschas Tipp:

An dieser Stelle möchte ich auch eine Lanze für Gladys brechen – unter den Shelf-Apps für iOS mein Liebling. Die Screenshots in diesem Beitrag landeten nicht in der Fotomediathek und sahen die Dateien.app nur beim Hochladen in die Blog-Software (WordPress). Ich verwende Gladys auch auf dem iPhone, um etwaige Screenshots fürs Verbloggen aufs iPad (und damit die Möglichkeiten von Affinity) zu bekommen.

Für mich Grund genug, Gladys anzusehen. Die App gibt es kostenlos fürs iPhone und iPad. Sascha nennt sie eine «Shelf-App», was bei mir eine Bildungslücke offenbart. Ich weiss nämlich nicht, was Shelf-Apps sind. Mac Stories beschreibt die Idee dahinter:

The need for a shelf springs from the addition of drag and drop to iOS 11. It’s not always practical to drag content directly from one app to another; sometimes you know you’ll need that content soon, but you’re not ready to drop it elsewhere yet. Additionally, in some situations you may wish to drop the same data into multiple places over a short period of time, and it can be cumbersome to re-open the data’s source app to pull it out multiple times. A shelf can solve these problems: it serves as a temporary resting place for anything you know you’ll need quick access to soon. In this way it can serve a role similar to the macOS desktop, which is commonly used as a temporary holding zone.

Diese «Bücherregal-Apps» sind also durch die (mit iOS 11 eingeführte und hier vorgestellte) Drag&Drop-Funktionalität beim iPad entstanden. Man will oft Dinge nicht direkt von einer App in die nächste ziehen und ablegen, sondern irgendwo zwischenlagern. Gladys und andere Shelf-Apps helfen dabei. Ähnlich wie der Desktop beim PC und Mac legt man dort Dinge für die spätere Verwendung ab. (Ich verwende dafür übrigens nicht den Desktop, weil ich diesbezüglich etwas eigen bin, sondern einen Dokumentenordner, der bei mir seit Jahr und Tag «Temp» heisst.)

Man kann die App auch am iPhone verwenden, wo sie nicht mit Drag&Drop benutzt wird, weil Apple aus völlig verqueren Gründen diese Bedienform dem Tablet vorbehält. Man kann aber über den Teilen-Knopf Dinge an Gladys weiterreichen. In der Unteren Reihe des Sharesheets kann man den Knopf Keept it in Gladys aktivieren.

Ist der eingeblendet, funktioniert die Sache wie folgt: Man macht einen Screenshot und tippt die kleine Vorschau an, die seit iOS 11 in der linken unteren Bildschirmecke erscheint. Falls sinnvoll, kann man ihn gleich beschneiden oder mit Kritzeleien oder Markierungen versehen. Dann tippt man links unten auf das Teilen-Symbol und auf Keep it in Gladys. Schliesslich betätigt man links oben den Fertig-Knopf und Bildschirmfoto löschen.

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Komplexe Datentypen werden in ihre Komponenten aufgedröselt.

Das ist umständlich – was aber nicht Gladys Schuld ist, sondern an iOS liegt. (Womit ich wieder bei der mangelnden Praxistauglichkeit wäre.) Und es ist auch unlogisch: Der Löschen-Befehl löscht den Screenshot nicht, da er ja bei Gladys gespeichert ist. Er sorgt nur dafür, dass er nicht in der Fotomediathek landet.

Gladys zeigt die zwischengespeicherten Elemente chronologisch an. Nicht nur Bilder, sondern auch Textelemente und viele weitere Datentypen wie Links, Ortsangaben, Kontakte, Mails und Nachrichten lassen sich ablegen. Man kann die zwischengespeicherten Objekte mit Labels versehen, um Ordnung in eine grössere Ablage zu bringen. Tippt man ein Element an, sieht man die Eigenschaften, zum Beispiel Datum und Uhrzeit des Hinzufügens. Man kann sich Notizen machen und einen Namen vergeben. (Dieser Name wird aber leider nicht als Dateiname verwendet, wenn man ein Element z.B. in die Dateien-App weiterreicht.)

Interessant ist auch, dass Gladys in der Detailansicht die einzelnen Komponenten aufführt, die zu einem abgelegten Objekt gehören. Ein Screenshot beispielsweise scheint als zwei Teilen zu bestehen: Einem JPG und einer Image-Komponente – letzteres ist wahrscheinlich das PNG, als das Screenshots typischerweise gesichert werden. Andere Dateitypen bestehen aus noch mehr Elementen. Eine Ortsangabe beispielsweise aus einem Text, nämlich «Markierter Standort», aus einer Electronic Business Card, aus einem Map Item und einer URL, die die Koordinaten auf maps.apple.com aufruft. Man kann nun diese Elemente separat speichern und verwenden, was dann hilfreich ist, wenn die Ziel-App nicht das richtige mit dem Objekt anstellt.

In den Einstellungen ermöglicht Gladys den Sync der Elemente via iCloud. Er ist entweder nur via WLAN oder auch per Mobilfunknetz möglich. Man kann seine Sammlung als ZIP-Archiv exportieren und einige Einstellungen zum Verhalten beim Drag&Drop machen – zum Beispiel, dass Elemente automatisch gelöscht werden, wenn man sie wegzieht, oder dass man die Wahl erhält, ob man sie kopieren oder verschieben möchte.

Fazit: Das macht einen durchdachten Eindruck. Gladys ist eine App, für die ich einen Nutzen sehe und die sich vielleicht auf die eine oder andere Weise in meinen iOS-Alltag integrieren lässt. Nicht ganz klar ist mir, warum Gladys seinen Ordner in der Dateien-App unsichtbar macht. Den direkt im Zugriff zu haben, wäre sicherlich praktisch.

Mein eigentliches Problem löst Gladys nicht. Ich kann die Screenshots in der App leider nicht fürs Blog bearbeiten und optimieren. Und es macht auch den Umgang mit den Screenshots nicht einfacher. Denn anstelle Keep it in Gladys zu betätigen, kann ich im Teilen-Menü auch den Befehl In Dateien sichern, um ihn wie beschrieben ins Dateisystem zu verlagern. Eine weitere Möglichkeit wäre, ihn über In Dropbox speichern in die Cloud zu verfrachten. Via Dropbox erhalte ich sogar die Möglichkeit, den passenden Dateinamen zu vergeben.

Die Schuld dafür liegt bei Apple. Die Ursprungsidee bei iOS war, das Dateisystem zu verstecken und andere Wege der Interaktion zu finden. Das führt heute zu Einschränkungen, die man mit seltsamen Verrenkungen umgehen muss. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es, wenn man Standard-Aktionen fürs Teilen definieren könnte. Statt sie als Standard-Aktion in der Fotomediathek abzulegen, könnte man sie so beispielsweise automatisch an Gladys weiterreichen oder in einem Ordner in der Dateien-App speichern lassen.

So bleibe ich dabei: Mein Windows-PC und mein Mac sind iOS um Meilen voraus, was die professionelle Arbeitsweise angeht: Beide kann ich so einrichten, dass Screenshots automatisch in einem bestimmten Ordner landen und z.B. in der Dropbox platziert werden. Und so muss es sein.