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Trifft meine Stimmung perfekt. (Bild: Anger, Isengardt/Flickr.com, CC BY 2.0)

Ich habe, wie viele andere auch, von Youtube letzte Woche ein Mail bekommen. In netten Worten wird hier gesagt, dass ich des Youtubens unwürdig bin. Nein, genauer: Dass ich zwar meine Videos weiterhin hochladen soll, aber kein Geld mehr verdienen darf:

Da dein YouTube-Kanal Matthias Schüssler die neuen Mindestanforderungen von 4000 Stunden Wiedergabezeit in den vergangenen 12 Monaten und 1000 Abonnenten nicht erreicht hat, ist er aufgrund der neuen Voraussetzungen leider nicht mehr für die Monetarisierung zugelassen.

Die Begründung:

Unser Ziel ist, dass das YouTube-Partnerprogramm (YPP) von möglichst vielen Kanälen genutzt werden kann. Gleichzeitig müssen wir für mehr Sicherheit sorgen, um den Umsatz der YouTuber auf unserer Plattform zu schützen.

Das ist schon auf den ersten Blick blanker Unsinn – weil es den Umsatz der Youtuber mit kleinerem Umsatz eben nicht schützt. Spiegel.de hat eine konkrete Vermutung, worum es hier geht:

Dass YouTube seine Regeln verschärft, zeichnete sich ab: Google hat seit geraumer Zeit Ärger mit zahlreichen grossen Anzeigenkunden, weil deren Werbeclips immer mal wieder zum Beispiel vor terrorverherrlichen Videos ausgespielt wurden. Einige namhafte Firmen zogen ihre Buchungen nach solchen Ereignissen zurück, YouTube versprach Besserung. Die Einführung der bisherigen 10’000-Klicks-Marke war eine erste Reaktion auf das Problem.

Das macht es allerdings nicht besser: Weil Youtube nicht in der Lage ist, Terror-Videos von seiner Plattform fernzuhalten, müssen die kleinen Youtuber es ausbaden? Dazu habe ich einen Kommentar, den ich an dieser Stelle nicht als Journalist und nicht als wohlerzogener Blogger, sondern als erzürnter Youtuber mache: 🖕

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So wird man abserviert.

Ich habe ein einziges Video, das bei Youtube gut läuft. Ich habe es schon mehrfach (hier, hier und hier) erwähnt und wollte es nicht mehr erwähnen, weil es recht eingebildet wirkt, wenn man als One-Hit-Wonder noch Jahre später mit seinem einzigen Erfolg prahlt. Aber es zeigt das die Ungerechtigkeit sehr deutlich auf:

Dank des erwähnten Video hatte mein Kanal in den letzten 365 Tagen 1’358’469 Minuten Wiedergabezeit. Das sind 22’641 Stunden, und somit mehr als fünfmal das geforderte Limit. Doch mein Kanal hat eben nur 117 Abonnenten, und erfüllt die zweite Bedingung daher nicht. Da mein Kanal mehr ein Sammelsurium an unterschiedlichen Dingen als ein konsistentes Angebot ist, muss das auch nicht wundern. Nicht alle Youtube-Angebote eignen sich für den Aufbau einer Community, und meines gehört definitiv in diese Kategorie. Das heisst aber nicht, dass ich Terror-Videos verbreiten und Youtube-Werbekunden verschrecken würde.

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Viele Plays, aber wenige Abonnenten: Mein Pech.

Nein, Youtube lässt die eigene Unfähigkeit zur Moderation der eigenen Plattform an den Nutzern aus. Das kann sich nur ein arroganter Betreiber leisten, der viel zu gross und zu mächtig geworden ist und völlig vergessen zu haben scheint, dass er das nicht nur grossartigen Kanälen wie BibisBeautyPalace, sondern auch vielen kleinen Youtubern verdankt, deren Videos das Angebot so vielfältig und schillernd macht.

Klar, man kann zu Recht darauf hinweisen, dass die Monetarisierung eigentlich nichts bringt, wenn man kein massentaugliches Angebot hat. Das ist so, und ich habe diesen Umstand im Beitrag Die grosse Youtube-Illusion ausführlich analysiert. Andererseits macht eben auch Kleinvieh Mist: Besagtes Video mir im letzten Jahr etwa 200 Franken eingebracht. Das ist immerhin ein kleiner Zustupf an eine Videoproduktion und ein bisschen Taschengeld, das sich zum Beispiel in neues Equipment investieren liesse. Aber was mich am meisten stört, sind nicht die 200 Franken. Es ist die Ignoranz und das «Wir scheissen auf dich», das im zitierten Mail zwischen den Zeilen steht.

Fazit: Ich fürchte, dass Youtube diese Aktion nicht so schaden wird, wie sie Youtube schaden sollte. Die «kleinen» Youtuber haben keine Lobby, und auch wenn sie sich aus dem Staub machen sollten, wir das über alles gesehen nichts an der Vormachtsstellung ändern. Doch es zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass wir nicht nur auf die grossen Plattformen setzen, sondern auch den Herausforderern und den Alternativen eine Chance geben.

Darum: Hegt und pflegt eure Google-Skepsis