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Potenzierter Software-Aberglaube. (Bild: WerbeFabrik/pixabay.com, CC0)

Neulich hat mir mal wieder einer das Hohelied von CCleaner gesungen. Das ist eine beliebte Software, die Windows schneller, schöner und besser machen soll. Viele versprechen sich eigentliche Wundertaten, was die Performance und Stabilität angeht.

Nun habe ich eine dezidierte Meinung, was solche Programme angeht. Sie sind IMHO die Globuli der Softwarewelt: Für die einen haben sie Zauberkräfte, die sich aber nicht so richtig nachweisen lassen, weil niemand weiss, wie es herausgekommen wäre, hätte man die Globuli nicht genommen. Und für die anderen – mich eingeschlossen – sind sie Schlangenöl.

Trotzdem wollte ich nun nicht so sein, und mir mal wieder selbst ein Bild machen. Zumal der Chip-Experte Michael Humpa des Lobes voll ist:

Der CCleaner macht Ihren lahmenden Rechner mit einfachen Mitteln wieder flott.

… dass im gleichen Atemzug die am Ende des Absatzes zu findende Warnung ausgesprochen wird, hätte mir an seiner Stelle allerdings ziemlich zu denken gegeben. Denn ein Programm, das Systemprobleme lösen und den Rechner schneller machen soll, aber gleichzeitig die Gefahr von Greyware mit sich bringt, geht gar nicht. Für mich ein völliges K.o.-Kriterium – selbst wenn ich verstehe, dass Softwarehersteller von irgend etwas leben müssen. Das ist übrigends die Warnung, mit der der untadelige Ruf schon dahin ist:

Wir empfehlen Ihnen unbedingt den Download der angebotenen Slim-Variante, die ohne nervige Werbe-Bundelings wie etwa Toolbars kommt. Alternativ bietet der Hersteller eine werbefinanzierte Version von CCleaner und eine portable Version zum Download an, die möglicherweise etwas aktueller sind.

Aber, wie gesagt, darüber soll hier mal hinweggesehen werden.

CCleaner sieht noch genauso aus, wie ich das Programm in Erinnerung habe. Es gibt die zwei Hauptbereiche Cleaner und Registry. Bei Cleaner löscht man temporäre Dateien und Caches diverser Programme. Man findet typischerweise die Browser vor, also Microsoft Edge und Internet Explorer, Firefox und Chrome.

In der Rubrik Windows kann man auch den Explorer und das System bereinigen. Viele Optionen sind standardmässig eingeschaltet. Andere kann man selbst aktivieren, wobei in gewissen Fällen dann eine Warnung erfolgt.

Mir ist standardmässig zu viel eingeschaltet. Ich fände, was die Voreinstellungen angeht, es sinnvoll, wenn man verschiedene Voreinstellungen zur Verfügung hat. Denn jemand, der zum Beispiel vor allem seine Privatsphäre schützen will, möchte andere Dinge löschen als einer, der ein Internetproblem zu lösen hat. Und wenn man hofft, einen gravierenden Systemärger zu beseitigen, dann wird man weitergehen wollen, als wenn das System problemlos funktioniert.

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Viel Zeug, das man löschen könnte. Dabei stört das meiste davon überhaupt nicht.

Im Reiter Applications finden sich auch diverse Drittprogramme, namentlich Adobe Programme wie Air und Flash, Filezilla, VLC, 7-Zip, CD Burner XP, Teamviewer, aber auch der Windows Media Player, der Windows Store und Defender. Das kann bei der Behebung eines konkreten Problems in einer Anwendung helfen. Denn kaputte Voreinstellungen oder Caches machen oft ärgerliche Probleme. Und auch wenn man die betroffenen Dateien auch manuell löschen kann, ist es schwer, die erst einmal zu finden. Da kann ein Programm helfen, dass für viele Programme die Übersicht hat. Ob die Bereinigung für alle aufgeführten Programme und das System denn auch zuverlässig und vollständig erfolgt, kann ich allerdings nicht beurteilen.

In der Rubrik Registry gibt es eine Registry-Bereinigung. Die schadet wahrscheinlich nichts, bringt aber auch nichts. (Und ich bin nicht der einzige mit dieser Meinung.) Aus zwei Gründen: Erstens ist die Registry dafür gemacht, auch mit vielen obsoleten Einträgen weiterhin gut zu funktionieren. Und zweitens ist ihre Architektur so, dass sich viele echte Probleme automatisiert gar nicht feststellen lassen.

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Die Registry aufräumen? Nützt nichts, aber womöglich gibt es wenigstens ein gutes Gefühl.

Nebst den beiden Hauptrubriken gibt es auch die Tools. Da finden sich einige nützliche Werkzeuge. Von Startup ist weiter unten noch die Rede. Bei Uninstall entfernt man Programme, was genauso gut über die Systemsteuerung geht.

Bei Browser Plugins deaktiviert man Drittmodule in den Surfprogrammen. Das kann man genauso gut in den Browsern selbst tun. Es ist CCleaner aber anzurechnen, dass das Programm mit seiner zentralen Aufräummöglichkeit es einem erspart, in den Browsern nach dem passenden Konfigurationsdialog suchen zu müssen.

Der Duplicate Finder fördert doppelte Dateien zutage, wobei ich von wilden Löschaktionen abrate: Windows ist so gestrickt, dass manche Dateien aus guten Grund mehrfach vorhanden sind (zum Beispiel zur Vermeidung der «DLL Hell»). Und es ist oft schwer abzuschätzen, welches denn von mehreren Duplikaten die Datei ist, die man behalten möchte. System Restore zeigt die vorhandenen Systemwiederherstellungspunkte an – nicht revolutionär, aber auch nicht verkehrt.

Und bei Drive Wiper kann man den freien Speicher so überschreiben, dass keine gelöschten Daten mehr wiederherstellbar sind. Das ist, wie ich weiter unten nochmals erwähne, sinnvoll, wenn man einen Computer verkaufen oder verschenken will.

Also, bevor ich aufs Fazit einschwenke, ist noch dieser Hinweis notwendig – bevor jemand die Texte ausgräbt und sie mir um die Ohren haut: Ja, ich habe CCleaner selbst vorgestellt und empfohlen. Zum letzten Mal am 4. Januar 2010 im Beitrag «So vermeidet man Computerfiaskos» im Tagesanzeiger:

Optimierungsprogramme: Unzählige Programme kontrollieren, korrigieren, optimieren und defragmentieren. All die Tuning-Programme bringen nur graduelle Verbesserungen und haben auch unerwünschte Risiken und Nebenwirkungen. Die meisten User kommen mit den Werkzeugen über die Runden, die im Betriebssystem enthalten sind. Hilfsprogramme können sinnvoll sein, wenn es konkrete Probleme zu beheben gilt: CCleaner (kostenlos unter www.ccleaner.de) schützt die Privatsphäre, indem es Protokolldateien löscht. Die ebenfalls gratis erhältlichen Glary Utilities finden überflüssige Dateien und obsolete Programme (www.glaryutilities.com). Und PC Decrapifier (www.pcdecrapifier.com) erleichtert brandneue Computer von überflüssigen Programmen, die der Hersteller auf die Maschine gepackt hat.

Also, Fazit: CCleaner ist nützlicher als ein Globuli, aber sicher nicht das Wunderprogramm, für das es viele halten. Ich halte an der oben zitierten Einschätzung fest:

Das Löschen der Caches von Browsern, Mailprogrammen, Utilities und Betriebssystem kann sinnvoll sein, wenn irgendwo etwas klemmt. Das Problem ist allerdings überhaupt zu merken, ob ein Problem nun durch einen fehlerhaften Eintrag in einem Cache ausgelöst wird – darum ist es letztlich schwierig abzuschätzen, wann CCleaner eine Besserung herbeiführen könnte und wann nicht. Aus diesem Grund setzen viele Nutzer CCleaner und andere Tools prophylaktisch ein. Was wiederum nicht a priori sinnvoll ist, weil die Caches sind ja nicht deswegen da sind, um Windows schwer und behäbig zu machen. Nein, im Gegenteil, sie beschleunigen Vorgänge und machen System im Schnitt schneller und komfortabler.

Darum meine Empfehlung: Einmal im Jahr reicht völlig, und wenn das System (für Windows-Verhältnisse) rundläuft, kann man es auch ganz bleiben lassen. Vernünftige Verhaltensweisen – Softwaretests und -spielereien beispielsweise nur in der virtuellen Maschine oder mit diesem Patentrezept hier – bringen mehr für die Windows-Stabilität und -Geschwindigkeit.

Auch der Privatsphärenschutz ist am lokalen Rechner im Schnitt irrelevant: Wenn der Computer ausreichend geschützt ist, dann kommen die lokal gespeicherten Daten nicht in falsche Hände. Wenn mehrere Leute mit dem gleichen Computer arbeiten und es ein Anliegen ist, dass die anderen Mitbenutzer nicht sehen, was man mit der Maschine so treibt, dann lässt sich das über separate Benutzerkonten einfacher und besser bewerkstelligen.

Und wenn man den Computer säubern möchte, bevor man ihn verkauft oder verschenkt, dann sollte man das Betriebssytem neu installieren oder zumindest ein neues Benutzerkonto anlegen, das alte entfernen und den so freigewordenen Speicherplatz so löschen, dass keine Daten mehr wiederhergestellt werden können.

Fazit: CCleaner ist nicht komplett nutzlos, doch auf gar keinen Fall das Wunderding, für das es manche halten. Die zentrale Funktion, das Löschen der Caches, ist auch in den einzelnen Programmen, namentlich in den Browsern möglich. Es ist aber ein gewisser Komfortgewinn, das bei Bedarf aus einer vergleichsweise übersichtlichen Oberfläche heraus für mehrere Programme tun zu können. Das System Monitoring (zu finden in den Options unter Monitoring > Enable system monitoring würde ich abschalten.

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Die «Scheduled Tasks» findet man in Windows selbst tatsächlich kaum, und ein zugemülltes Explorer-Kontextmenü aufzuräumen, erfordert ohne CCleaner ausgereifte Regedit-Kenntnisse.

Die beste Funktion findet sich unter Tools bei Startup: Man kann hier unter Windows die automatisch startenden Programme bereinigen. Das ist die Massnahme, die in Sachen Performance wirklich zu empfehlen ist. Und meistens die einzige, die überhaupt etwas bringt. Man kann diese Bereinigung auch problemlos mit Windows-Bordmitteln vornehmen.

Immerhin: Es gibt auch die Rubrik Scheduled Tasks, wo die zeitlich terminierten Programme sich eintragen. Diese Liste in Windows zu finden, ist extrem schwierig. Und bei Context Menu kann man das Kontextmenü im Explorer aufräumen. Und das entspricht, wie hier beschrieben, einem echten Bedürfnis.

Update vom 18. September 2017

Wie man heute lesen konnte – etwa im Beitrag CCleaner was hacked to spread malware to millions of users for a month – war CCleaner just im Moment des Tests Opfer einer Hackerattacke. Die Angreifer haben das Programm verwendet, um Schadsoftware zu verbreiten. Ich werde abklären müssen, ob auch mein Computer betroffen ist. Da der Beitrag hier aber relativ lange auf Halde lag, stehen die Chancen gut, dass ich den Download schon getätigt hatte, bevor die verseuchte Version in Umlauf geriet.

So oder so zeigt der Fall, dass populäre Sicherheitsprogramme auch Risiken bergen. Man sollte sie somit tatsächlich nur aus gutem Grund und nicht «auf Vorrat» nutzen.