Ich bin ein Fan von Flightradar24, besonders von der Smartphone-App (für iPhone/iPad und für Android). Sie stillt die Neugierde, die einen erfasst, wenn man an den Himmel schaut: Wohin fliegt dieses Flugzeug da oben? Woher kommt es? Wer sitzt an Bord?

… naja, die letzte Frage bleibt bislang unbeantwortet. Auch wenn Flugdaten bekanntlich im grossen Stil gesammelt und gespeichert werden, finden sie ihren Weg nicht in die entsprechenden Apps. Eigentlich schade, denn es würde die Sensibilität der Öffentlichkeit für Fragen des Datenschutzes massiv befördern, wenn man sehen könnte, dass im Flugzeug da oben Frau Müller auf Platz 23a sitzt. (Und neben ihr Herr Huber, der nicht ihr Ehemann ist.)

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Links: Der Schiffsverkehr am Strand von Julianadorp.
Rechts: Das Schiff, das gerade vorbeifährt.

Aber das nur nebenbei. mich ist diese App ein Vorbote einer Zukunft, in der wir dank Augmented Reality unsere Umgebung auf eine Art und Weise durchdringen werden, wie das heute erst schwer vorstellbar ist. Sie wird die Welt um uns aufschlüsseln und mit Informationen anreichern. Den Menschen in Zukunft wird unsere Sicht eingeschränkt und beängstigend erscheinen – ohne die virtuellen Labels an jedem Gegenstand wirkt die Umgebung undurchdringlich und fremd.

Natürlich ist es letztlich eine philosophische Frage, ob diese Informationsbröckchen unseren Durchblick wirklich verbessern und uns für den Alltag etwas bringen. In Sachen Flightradar24 ist das Verdikt eindeutig: Es bringt unmittelbar überhaupt keinen Nutzen zu erfahren, dass das Flugzeug über einem Flug LX2905 von Lugano nach Zürich ist.

Doch wir interessieren uns für sehr viele Dinge, die uns unmittelbar nichts angehen und uns nicht direkt betreffen – die Sportberichterstattung in den Medien ist ein gutes Beispiel dafür. Umgekehrt ignorieren wir wahrscheinlich sehr viele Informationen, die für uns wichtig wären, die aber wenig interessant und überhaupt nicht prickelnd sind. Die Angabe zum Flugzeug geht uns immerhin direkt an, indem wir es mit eigenen Augen sehen. Wenn es abstürzen und uns auf den Kopf fallen würde, hätten wir einen sehr direkten Bezug dazu. Und eben: Die App gibt das Gefühl, dass die (eh viel zu komplexe) Welt dank Smartphone ein bisschen besser durchschauen.

Darum war es nun völlig naheliegend, dass ich mir für unsere Ferien in Holland die App Ship Finder (5 Franken für iPhone und iPad und 2.40 Franken für Android) besorgt habe. Sie zeigt in einer Kartenansicht die Schiffe als kleine Stecknadeln an. Tippt man ein Schiff an, sieht man den Namen, die Gattung (zum Beispiel Tanker) und den Zielhafen. Tippt man das Label an, sieht man weitere Informationen. (Die einem in der kostenlosen Lite-Version der App, die es für für iPhone/iPad und für Android gibt, vorenthalten werden.)

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Die Labels in der Live-Ansicht sind zwar ein bisschen nach rechts versetzt. Aber man weiss trotzdem, was Sache ist.

In dieser Ansicht sieht man die Rufnummer (Maritime Mobile Service Identity), die IMO-Schiffsnummer, Geschwindigkeit und Kurs, den Status (also zum Beispiel «in Fahrt»), unefährer Ankunfszeitpunkt, Länge, Breite und Tiefgang. Leider fehlt die Angabe der Registertonne. Die ist laut Wikipedia zwar veraltet, für Landratten wie mich aber trotzdem eindrücklich.

Die App zeigt übrigens auch Schiffe auf dem Rhein an. Man kann die Anzeige nach Schiffstyp und Status filtern, Lieblingsschiffe bestimmen und mittels AR-Overlay auch ins Live-Kamerabild einfügen.

Fazit: Eine App ohne direkten Nutzen, die mir in Holland aber viel Spass gemacht hat.