Gelegentlich trauere ich Wakoopa nach. Das war ein Dienst, den ich seinerzeit gerne genutzt habe: Er hat festgehalten, welche Apps man nutzt und daraus eine private Rangliste gemacht. Und nicht nur das: Es gab auch globale Nutzungs-Charts. In denen konnte man sehen, wie viele User ein Programm hatte und auch Vergleiche anstellen. Das war sehr nützlich, um die Verbreitung eines Programms abzuschätzen.

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Heute wurde nur wenig getrödelt…

Leider hat Wakoopa den Dienst eingestellt und bislang nicht wieder aus der Asche auferstanden. Und es gibt auch keine echte Alternative. Am nächsten scheint dem Dienst rescuetime.com zu kommen. Er installiert sich als App im Betriebssystem (Windows, Mac und Android) und sammelt die Daten, die im Webaccount zusammenlaufen – man erhält eine konsolidierte Übersicht auch wenn man mit mehreren Computern arbeitet.

Beim Einrichten seines Accounts wird man aufgefordert, seine Haupt-Aktivitäten anzugeben und mitzuteilen, welche Dinge einen denn am meisten ablenken. Die App macht dann daraus eine Analyse, in der sie aufzeigt, wie viel Zeit man mit richtiger Arbeit verbracht hat – und mit welchen Arbeiten man seine Zeit verbracht hat. Man erfährt auch, wie viel Zeit man mit Quatsch vertrödelt hat. Es geht somit nicht nur ums Tracking, sondern auch um die Selbstdisziplinierung.

Die Anwendung nimmt diese Einteilung vor, indem sie mit vielen Kategorien operiert. Websites im Browser und lokale Anwendungen werden dann einer Kategorie zugeordnet, die dann entweder als gut, d.h. produktiv oder als «böse», d.h. ablenkend gewertet wird. Beim Einrichten seines Kontos muss man je drei Kategorien angeben: Drei «gute» Kategorien, mit denen man sinnvolle Arbeit verrichtet, und drei «böse» Kategorien, wo man sich ablenken lässt.

Die angebotenen Kategorien waren auf mich nichtssagend. Ich habe darum aus Verlegenheit heraus angegeben, dass ich Communication & Scheduling, Design & Composition und Business als sinnvolle Tätigkeiten betreiben will, und das Social Networking, Entertainment und Shopping ablenkend sind. Doch was heisst zum Beispiel «Business»? Man findet das heraus, wenn man sich zu den Kategorien bemüht: «Business» umfasst Customer Relations
, Accounting, Intelligence und Project Management. Also alles Dinge, die ich nie tue. Aber egal.

Communication & Scheduling umfasst Dinge wie Kalender und Mail, die zweifellos sehr oft produktiv eingesetzt werden. Allerdings gibt es auch die Kategorie Instant Message, wo man hingegen sehr gut Zeit vertrödeln kann. Social Networking hingegen gilt als sehr ablenkend, was es meistens natürlich auch ist. Allerdings – manchmal ist es eben auch Recherche oder Marketing, und damit wichtig.

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Die Aufschlüsselung nach der Kategorie «Design & Composition».

In den Kategorien darf man auch die Unterkategorien als positiv oder negativ bewerten, wenn man möchte. Beispiel: Ich habe in der Rubrik News & Opinion den Eintrag Science & Technology auf Very productive gesetzt. Sports und Entertainment gelten bei mir als Distracting. Es gibt jeweils fünf Klassifizierungen (Very productive, productive, neutral, distracting und very distracting).

In welcher Kategorie und mit welcher Bewertung Websites und Apps getrackt werden, lässt sich abändern, wenn einem die Standardeinstellung nicht gefällt. Dropbox beispielsweise wird standardmässig unter File Sharing gehandelt und gilt daher als Very distracting. Die Daten-Organisation ist für mich aber unverzichtbar, daher steht ausser Frage, dass die Arbeit mit Dropbox als productive gelten muss.

Sites und Anwendungen, die standardmässig nicht erfasst sind, tauchen bei Uncategorized auf. Man kann sie selbst einer Kategorie zuordnen. Falls sinnvoll, darf man auch eigene Unterkategorien erfassen und Websites und Apps dem zuordnen. Ich habe den guten alten Notepad sowie Clickomania.ch der Kategorie Writing zugeschlagen, da ich meine Texte fürs Blog entweder im Editor oder direkt im Backend schreibe. Und bevor ihr fragt: Ja, es gibt die Einstellung Ignore Aduld Websites.

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Zu welcher Kategorie eine Website oder App zählt, kann man selbst anpassen.

Die Erkenntnisse der App werden im Dashboard grafisch aufbereitet. Man sieht dort pro Tag, Woche, Monat und Jahr, womit man seine Zeit verbringt. Das kann aufschlussreich sein. Vielleicht fällt einem auf, dass man überproportional viel Zeit mit administrativen Dingen verbrät. Dann kommt man wahrscheinlich zum Schluss, Arbeitsweisen zu überdenken und sich zu überlegen, welche Tätigkeiten man delegieren, aufgeben oder effizienter gestalten könnte.

In meinem Fall befriedigt Rescue Time vor allem die Neugierde. Da ich aus Recherchegründen sehr viele Websites aufsuche, müsste ich einen nicht unbeträchtlichen Aufwand betreiben, um all die unkategorisierten Websites als Recherche abzulegen. Da besteht natürlich die Gefahr, dass der Verwaltungsaufwand so gross wird, dass der allenfalls positive Effekt zunichte gemacht oder sogar überkompensiert wird.

Die Einteilung in «gute» und «böse» Tätigkeiten ist aus meiner Sicht nur mässig sinnvoll. Bei mir kann man die Unterscheidung nicht mit der nötigen Trennschärfe vornehmen, da ich Facebook mal zur Recherche, mal zum Zeitvertrödeln besuche. Die Ziele, die Rescue Time daraus ableitet, würde ich daher getrost ignorieren. Die beiden bei mir standardmässig eingerichteten Ziele lauten zum Beispiel: Weniger als zwei Stunden Zeit mit bösen Dingen verbraten – und mindestens 2 Stunden Recherche bei «News & Opinion». Die kann man auch löschen und abändern. Aber da ich so viele unterschiedliche Dinge am Computer mache, bringen mir diese statischen Ziele nichts.

Fazit: Kein wirklicher Ersatz für Wakoopa und nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber auch nicht der dümmste Dienst, den man mal ausprobieren könnte. Der Lite-Preisplan ist kostenlos. Er ist bezüglich Analysen aber einigermassen eingeschränkt. Der grösste Nachteil: Die Analysen gehen nur drei Monate in die Vergangenheit zurück. Premium (für 6.75 US-Dollar pro Monat oder 54 US-Dollar pro Jahr) liefert mehr Details, eine unbegrenzte History und die Möglichkeit, ablenkende Websites zu blockieren.