Gestern Bildbearbeitung, heute Bildbearbeitung – und zwar schon wieder ganz ohne Adobe. Heute geht es um Landscape Pro. Das ist ein Programm, mit dem man seinen Landschaftsfotos auf die Pixel rückt. Es gibt die Software in zwei Varianten. Die normale kostet 79.95 Euro und ist meines Erachtens völllig ausreichend. Die Pro-Variante beherrscht zusätzlich Batch-Verarbeitung, enthält ein Histogramm und kostet 149.95 Euro.

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Per Mausklick geht die Sonne unter und die Mondsichel auf.

Sinn und Zweck dieser Software ist es, Landschaftsbilder aufzupeppen. Erfahrene Photoshopper werden nun einwenden, dass sie dafür kein Extrawerkzeug benötigen: Die gängigen Programme haben alle Werkzeuge, die dafür nötig sind, einen schönen Landschaftsschuss noch schöner zu machen.

Stimmt, aber Landscape Pro ist trotzdem ein spannendes kleines Softwareprojekt. Es führt nämlich vor Augen, welche Dinge möglich sind, wenn eine Bildbearbeitung nicht auf x-beliebige Pixelansammlungen losgelassen wird, sondern auf Motive, auf die sie spezialisiert ist. Beim Start muss man spezifizieren, was genau abgebildet ist. Man platziert Labels im Bild, die Himmel, Wasserflächen, Berge, Boden, Wiese, Sand, Eis oder Schnee, Wasserfall, Bäume bzw. Wälder oder Pflanzen bezeichnen. Die Software versucht dann in einem zweiten Schritt automatisch zu bestimmen, wo die Grenzen zwischen den so benannten Bereichen verlaufen. Diese algorithmische Bestimmung funktioniert ganz gut, und da, wo sie daneben liegt, kann man per Maus einfach nachkorrigieren.

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Die Originalaufnahme (von Avel Chuklanov) moderat angepasst.

Nun bietet einem die Software massgeschneiderte Bildbearbeitungsbefehle an. Für massvolle Anpassungen verwendet man die Sliders (Schieberegler), die bei Bergen zum Beispiel den Kontrast erhöhen und Fülllicht einbringen. Erdige Gebiete kann man dunkler oder heller gestalten, sättigen oder entsättigen oder mit einem noch etwas brauneren Farbton ausstatten. Desgleichen beim Himmel, wo man mehr oder weniger Blau dazumischt.

Spannender sind allerdings die Presets, die viele vorgegebene Entwicklungsvarianten bereithalten: Den Boden kann man so karger, wärmer, feuchter oder kühler gestalten. Berge werden blauer oder kühler. Mit der Einstellung far werden sie optisch in die Ferne gerückt und wirken dadurch auch etwas grösser. Den Himmel kann man über die Presets auch ganz austauschen und spektakulärer gestalten – der Fachbegriff dafür ist Cloudporn. Die Auswahl an Presets beim Himmel ist beachtlich: Ob Wolkenformationen wie Altocumulus oder Cirrostratus, ob Sonnenuntergangshimmel oder früher Morgen, ob dramatische, stürmische Wolkengebirge oder friedliche, puffige Baumwollflöckchen – es gibt die ganze Palette an Tages- und Jahreszeiten und emotionalen Himmelsausprägungen. Sogar einen Vollmond kann man in die Aufnahme zaubern und aus einer Tagesaufnahme ein Nachtfoto machen.

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Hier hat die Software gelernt, Himmel, Berge und Boden zu unterscheiden.

Der Clou dabei: Die Software passt die Aufnahme als ganzes an und verändert nicht nur den Himmel, sondern auch die Lichtstimmung im ganzen Bild. Natürlich, je radikaler die Veränderung von Tages- und Jahreszeit und äusseren Bedingungen, desto weniger glaubwürdig ist das Resultat. Trotzdem sind auch radikale Veränderungen möglich, wenn man sie mit Fingerspitzengefühl ausführt – und Widersprüche vermeidet. Eine tropische Landschaft mit dem für eine Region im hohen Norden vorgesehene Look zu behandeln, ergibt ein Resultat, dass einem womöglich wegen seiner irritierenden, expressionistischen Wirkung gefällt – aber sicher kein schönes, ansprechendes Landschaftsbild.

Natürlich: An dieser Stelle kommt man um eine Diskussion um Sinn und Unsinn von derartigen Bildmanipulationen nicht herum. Wenn man eine Landschaft bei Vollmond zeigen möchte, dann muss man wohl oder übel in den Kalender schauen, wann es so weit ist, sich im richtigen Moment auf die Socken machen und auf schönes Wetter hoffen. Einfach eine beliebige Aufnahme durch die Software zu jagen, um dann so zu tun als ob, ist zu einfach. Von nichts kommt nichts, würden alle unsere Grossmütter an dieser Stelle einwerfen – und natürlich haben sie recht. Das Ziel von Landschaftsfotografie ist, die real existierende Schönheit unseres Planeten abzubilden. Da verträgt es ein bisschen Retusche und Detailkorrekturen. Doch eben innerhalb der engen Grenzen, die für die dokumentarische Fotografie gelten.

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Die Presets – bei denen auch die Gefahr besteht, in Extreme zu verfallen.

Aber klar – es gibt auch Leute, die nicht an der Realität interessiert sind, sondern die Fiktion pflegen. Für sie ist es kein Kriterium, wie gross die Realitätsnähe ist. Und wenn man die Software einsetzt, um Landschaftsfantasien zu erschaffen, dann ist das völlig okay. Wichtig ist, sie als das zu deklarieren, was sie sind – und vor den allzu schlimmsten Kitsch-Exzessen vielleicht doch zurückzuschrecken.

Fazit: Eine kleine Softwareperle, mit der ich gerne experimentiere – und die man wie gesagt auch für moderate, sinnvolle Nachbearbeitung einsetzen kann. Wer selbst mit ihr spielen möchte, sollte sich unbedingt auch die Kategorie Lightning und Lightning Brushes ansehen: Mit ihr kann man die Lichtverteilung im Bild verändern und zum Beispiel auch Lichtquellen ins Bild malen. Wie die Algorithmen dabei die Struktur berücksichtigen und so die Dreidimensionalität einer flachen Aufnahme zu einem gewissen Grad rekonstruieren, ist recht beachtlich.