Ja, selbst ein Riese wie Amazon ist machtlos, wenn es um die hegemonialen Ansprüche der so genannten Rechteinhaber geht. Die machen, wir wissen es, unsinnige territoriale Ansprüche geltend. Die führen dazu, dass Inhalte nicht überall zur Verfügung stehen, sondern nur in ausgewählten, handverlesenen Ländern. Manchmal kann man diese Diskriminierung mittels VPN beenden. Manchmal auch nicht.

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Da sträuben sich dem Kapitalisten die Haare. (Bild: Money! von Thomas Galvez/Flickr.com, CC BY 2.0)

Einen solchen Fall habe ich im Beitrag Audible macht gar keine gute Figur diskutiert. Es ging darum, dass ich bei Audible.com, wo ich mein Hörbuch-Abo habe, die von Stephen Fry gelesene Fassung der Harry-Potter-Bücher nicht kaufen kann, weil in den USA eine andere Variante im Angebot ist.

Ich habe geltend gemacht, dass ich in der Schweiz wohne und, wenn ich mich bei Audible.de einlogge, die Bücher angeboten bekomme. Da mir der Support auseinandersetzt hat, dass die Verfügbarkeit einzelner Titel von der Kreditkarte abhängt – respektive vom Domizil der ausstellenden Bank – fand ich es nicht schlüssig, die Bücher nicht auch bei Audible.com kaufen zu können. Ich habe darum wie empfohlen, bei content-requests@audible.com interveniert und verlangt, man möge mir die Bücher doch gnädigerweise verkaufen.

… ich meine, an dieser Stelle müsste jeder, der den Kapitalismus nicht sofort abschaffen will, innehalten und darüber nachdenken, dass es nicht im Sinn des Kapitalismus sein kann, wenn ein zahlungswilliger Kunde ein Produkt auf Biegen und Brechen nicht erwerben kann.

Man hat mir bei Audible dann eine Antwort innert nützlicher Frist in Aussicht gestellt. Da die aber ausgeblieben ist, habe ich nachgefragt. Daraufhin kam folgende Antwort (die meines Erachtens grammatikalisch nicht über alle Zweifel erhaben ist, hier aber gerade deswegen im Original-Wortlaut wiedergegeben wird):

Upon reviewing your account, we have checked found that since we are unable to determine when this content will be available on your origin.

Wenn ich darf, paraphrasiere ich das gerne wie folgt: «Wir haben leider den Durchblick auch nicht mehr und wollen darum lieber kein Risiko eingehen. Und deswegen kriegen Sie die Bücher nicht.»

Immerhin, der Audible-Support ist erfahrungsgemäss um Lösungen bemüht und hat Folgendes vorgeschlagen:

In this case, we would like to suggest you that we can issue refund of Audible.com membership and you can have a subscription at Audible.de to purchase this audiobook.

Please write us back for membership refund so that we will process the refund for you.

Ich habe zurückgeschrieben, dass ich auf das Angebot verzichte, weil ich bei Audible.de wiederum vieles von dem nicht finde, was ich gerne lesen möchte. Und – was ich nicht geschrieben habe – auch deswegen, weil ich mir die Bücher schon längst aus einer Quelle besorgt habe, die nicht Amazon gehört.

Ja, ich weiss, ich wiederhole mich. Aber: Das ergibt keinen Sinn.

Meine Lösung wäre simpel: Die Audible-Credits müssten frei zwischen Nutzerkonten von Audible.de, -.com, -.co.uk, -.fr etc. transferierbar sein. Dann könnte man als Nutzer in Unsinns-Fällen wie diesem ausweichen. Gleichzeitig sollte Audible damit aufhören, auf das Ausstellerland der Kreditkarte bezug zu nehmen. Wenn ich in der Welt herumreise und mit Bargeld bezahle, kann schliesslich auch keiner mir ein Buch verwehren, nur weil ich mein Bargeld in einem Land erworben habe, in dem das fragliche Buch nicht verkauft werden darf.

Bleibt die Frage, ob Apple Pay in Zukunft eine Lösung ermöglichen wird. Beim Zahlen auf diesem Weg wird die Kreditkartennummer nicht übermittelt und auch persönliche Daten bleiben ausgespart. So, wie ich die Sache verstanden habe, wäre es nicht möglich, die Herkunft des Zahlenden zu eruieren. Da bliebe dem Verkäufer nicht anderes übrig, als das Herkunfsland zu ignorieren.