Aus unerfindlichen Gründen haben gleich beide meine Aufnahme-Apps den Geist aufgegeben. Røde Rec, hier vorgestellt, nimmt nicht mehr auf, ohne dafür einen Grund zu nennen. Rekorder seinerseits nimmt auch nicht auf, sagt aber wenigstens, weshalb. Er findet nämlich, es gebe keinen freien Speicherplatz mehr. Was eine falsche Begründung ist, weil noch 181 GB frei sind. Aber das Resultat ist das gleiche.

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Links: Die Editierfunktion der Diktiergerät-App.
Rechts: Zeitgesteuerte Aufnahmen, speziell geeignet für Spionagezwecke.

Da ich nur mit Aufnahme-Apps etwas anfangen kann, die auch aufnehmen, habe ich mich nach Alternativen umgesehen. Wichtig ist mir eine simple Aufzeichnungsfunktion. Eine Hüllkurve ist zur Kontrolle nötig. Und schön ist auch eine einfache Möglichkeit, eine Aufnahme vom Gerät zu kriegen, beispielsweise übers WLAN:

Diktiergerät (Voice Recorder) ist gratis und macht eigentlich einen guten Eindruck. Das grösste Manko ist der Name: Diktafon klingt nach grässlicher Minikassetten-Qualität, die Chefsekretärinnen in den 1960er-Jahren erdulden mussten, die man heute aber niemandem zumuten will – weder Frau noch Mann.

Das ist natürlich Quatsch, denn die Rekorder-Apps nehmen in der Qualität auf, in der das Signal bei ihnen ankommt. Allerdings speichert die App hier standardmässig als MP3. Das ist für viele Zwecke natürlich okay, aber für professionelle Ansprüche hätte man lieber ein verlustfreies Format, also WAV oder noch besser Flac. In den Einstellungen kann man Format, Abtastrate, Zahl der Kanäle und Datenrate wählen. Als Formate stehen nebst MP3, M4A, AIFC und WAV zur Verfügung, nicht aber Flac.

Ansonsten ist an der App nichts auszusetzen: Es gibt die Wi-Fi-Datenfreigabe, bei der man die IP-Adresse des iPhones in seinen Browser eingibt und die Dateien dann herunterladen kann. So greift man auf seine Aufnahmen zu, ohne dass man iTunes benötigen würde oder sich mit Mails abmühen müsste (wo die zu grossen Dateien dann eh bloss irgend auf einem Server hängen bleiben). Doch Dateien können nicht nur per WLAN, sondern auch in die iCloud geschoben und in anderen Apps geöffnet werden.

Es ist möglich, während der Aufnahme Marker zu setzen, was hinterher die Bearbeitung vereinfacht. In die Bearbeitungsfunktionen habe ich mich noch nicht vertieft. Man scheint Aufnahmen beschneiden zu können – und viel mehr muss ich am iPhone auch gar nicht tun. Wenn ich ernsthafte Audiobearbeitung betreiben will, dann mache ich das am Computer mit Audacity oder Audition.

Es gibt die App auch als in einer Pro-Variante für vier Franken, mit einigen netten Zusatzfunktionen wie zu einer bestimmten Uhrzeit vorgeplante Aufnehmen (ideal, um Leute auszuspionieren), Aufnahmen nur wenn gesprochen wird (auch das ideal für Belauschungsaktionen) und Aufnahme mit Wiedergabe (das nannte man früher wohl Hinterbandkontrolle). Ich bin aber auch mit den kostenlosen Funktionen ganz zufrieden, aber um die Werbung loszuwerden, habe ich trotzdem die 4 Franken eingeworfen.

Dictaphone von Alon Software gibt es in einer mit 9.20 Franken recht teuren Variante für Android. Für iOS ist eine Pro-Variante für 5 Franken und eine kostenlose Variante erhältlich. Die App ist sehr vielseitig und kann Aufnahmen an unzählige Dienste schicken (SoundCloud, Google Drive, Evernote), per WLAN übermitteln und sogar auf FTP-Server hochladen. Beachtenswert sind auch die sehr umfangreichen Bearbeitungsfunktionen: Man kann Aufnahmen verschmelzen, Ausschnitte separat speichern und vieles mehr. Die Aufnahmen können mit Tags versehen und nach Kategorien sortiert werden und es gibt Unterstützung für die Apple Watch. Ich muss zugeben, dass ich sie bislang aus oberflächlichen Gründen nicht getestet habe: Mir gefällt das Interface nicht sonderlich.

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Links: Just Press Record transkribiert Aufnahmen automatisch.
Rechts: Die Aufnahme kann über ein Widget oder per Force-Touch aufs Icon gestartet werden.

Just Press Record ist auch für den Mac erhältlich und kostet jeweils fünf Franken. Das besondere Merkmal dieser App ist, dass man übers Widget sehr spontan aufnehmen kann. Die App synchronisiert Aufnahmen via iCloud, sodass man noch nicht mal einen Upload veranlassen muss. Ausprobiert habe ich die App wegen der Speech to text-Funktion. Sie transkribiert Aufnahmen automatisch – eine Funktion, die bekanntlich von Journalisten heiss ersehnt ist. Ich habe hier mal diesen Absatz eingesprochen, und das ist das Resultat:

Just Press Frechheit ist auch für den Mac erhältlich und kostet jeweils fünf Franken das besondere Merkmal dieser (…) ist dass man über switched sehr spontan aufnehmen kann die App synchronisiert Aufnahmen hier iCloud so dass man noch nicht einmal einen Upload veranlassen muss ausprobiert habe ich die App wegen der speech to TEXT Funktion sie transkribiert Aufnahmen automatisch eine Funktion die bekanntlich von Journalisten heiss ersehnte ist ich hab jemand diesen Absatz eingesprochen und das ist das Resultat

Die Transkription wird von der Diktierfunktion von iOS vorgenommen. Sie ist gar nicht so schlecht, auch wenn doch einige Fehler zu korrigieren wären und man vor allem auch sämtliche Satzzeichen von Hand eintragen müsste.

Trotzdem: Just Press Record ist weniger eine Aufnahme-App für Journalisten, Interviewer oder Spione, sondern vielmehr eine Notiz-App für Leute, die lieber sprechen als schreiben. Ich habe sie daher in meiner kürzlich erschienen Übersicht von digitalen Notizblöcken aufgeführt.