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Hardware und Programme haben ganz unterschiedliche Lebenszyklen. PCs werden nach drei bis fünf Jahren rausgeworfen (oder anderen Familienmitgliedern übergeben, wo sie dann noch Jahrzehnte vor sich hin rattern und knattern). Betriebssysteme ersetzt man inzwischen im Jahrestakt. Und bei den Anwendungsprogrammen ist die Spannweite riesig: Von Kurz bis sehr lang. Denn wenn man sich in einem Programm heimisch und wohl fühlt – weil es alle Funktionen hat, die man braucht und man sich blind auskennt –, dann ist es vernünftig, den Sirenenrufen der Marketingabteilungen zu widersagen und nicht zu updaten. Denn was nützen einem viele neue Funktionen, die man nicht braucht? Eben.

Die Softwarehersteller haben daher Gefallen am Mietmodell gefunden: Es nimmt dem Anwender die Möglichkeit, sich den Updates zu verweigern. Eine gemietete Software wird automatisch aktualisiert1 und aktuell gehalten. Anwender werden quasi zu ihrem Glück gezwungen.

Nun hat dieses Problem tatsächlich zwei Seiten. Sicherheitslücken bei alten Programmen sind eine echte Gefahr, und in einer vernetzten Welt sind die Updateverweigerer ein echtes Problem. Sie werden oft zu Helfershelfern der Botnetzbetreiber und Malwareverbreitern. Und ich verstehe bis zu einem gewissen Grad, dass die Softwarehersteller keine Lust haben, alte Produkte zu pflegen, die seit Jahren keinen Umsatz mehr generieren.

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Das ist eine Ausprägung des Phänomens. Häufiger – und lästiger – ist die Variante, dass ein Programm zwar startet, dann aber nicht richtig funktioniert.

Es ist also ein echtes Dilemma. Es ist grundsätzlich sinnvoll, seine Hard- und Softwarelandschaft aktuell zu halten. Aber es gibt viele Gründe für Ausnahmen. Ein sehr guter Grund ist, dass es für einen Softwareoldie kein Nachfolgeprodukt gibt. Ein anderer Grund ist die Inkompatiblität von alten Dateiformaten und neuen Programmen – eine echte Sünde der Softwarehersteller! Auch abrupte Strategiewechsel bei den Programmen können zu einer Updateverweigerung führen. Apple zum Beispiel baut Programme gelegentlich so radikal um, dass man sie überhaupt nicht mehr für den ursprünglichen Zweck benutzen kann (siehe Warum ich keine Apple-Apps mehr nutze).

Wer sich schon länger mit Computern beschäftigt, wird früher oder später in das Problem hineinlaufen, das ich die temporale Inkompatiblitäts-Kalamität nennen würde. Immerhin: Es gibt Auswege, und die schildere ich im Video. Das Patentrezept ist natürlich eine virtuelle Maschine. Auch wenn, zugegebermassen, es etwas ambitioniert war, diese Materie in zweieinhalb Minuten zu vermitteln. Aber ich hätte es schlechter machen können, finde ich. ;-)

Footnotes

  1. Bekanntlich hat man bei Adobe CC die Möglichkeit, auch ältere Versionen der Creative Cloud-Apps zu betreiben. Dieses Recht räumt Adobe IMHO den Nutzern aber vor allem wegen den Sachzwängen ein: InDesign wird z.B. oft mit einem Redaktionssystem benutzt, was wiederum Kompatibilitätszwickmühlen auftut. ^top