Neulich wollte ich Fotos unserer Tochter als Postkarte versenden. Ich habe für den Versand von echten Postkarten ab Smartphone schon erfolgreich Touchnote verwendet (Android und iPhone/iPad). Doch warum nicht einmal etwas Neues ausprobieren? Ich habe also einen Versuch mit Postcard Creator der Schweizer Post (Android und iPhone) unternommen – um dann wieder bei Touchnote zu landen.

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Eine App macht noch keine Postkartenidylle. (Bild: A Postcard from the Edge, Abby Lanes/Flickr.com, CC BY 2.0)

Leider ist diese App nicht ausgereift. Und zwar aus mehreren Gründen:

Erstens hatte ich Login-Probleme. Ein Konto mit meiner Clickomania-Mailadresse zu erstellen, hat nicht geklappt. Hinweis: Die Adresse ist schon registriert. Das stimmt, ich habe vor zweieinhalb Jahren einen Nachsendeauftrag online eingerichtet und dafür die Adresse verwendet. Mit dem damals gewählten Passwort konnte ich mich allerdings auch nicht anmelden. Einzige Lösung: Ein neues Konto mit einer anderen Mailadresse.

Zweitens ist sie funktional nicht gerade ein Überflieger. Man kann bei der Erstellung einer Postkarte nur gerade ein Bild platzieren – anders als bei Touchnote, wo man vielerlei Collagemöglichkeiten hat. Egal, dafür gibt es ja Apps, zum Beispiel Fuzel (siehe Fotocollagen vom Feinsten), bzw. der Nachfolger Fuzel Collage (Android und iPhone/iPad). Man muss sich allerdings im Klaren sein, welches Seitenverhältnis eine Postkarte hat, damit das richtige herauskommt. Ich glaube, ich habe es mit 3:2 probiert. Etwas ärgerlich ist allerdings, dass man für den Text auf der Rückseite grad gar keine Formatierungsmöglichkeiten zur Verfügung hat. Die «Arial» auf einer Postkarte (oder was immer die Post da braucht) ist eine etwas traurige Sache.

Drittens ist die Benutzerfreundlichkeit stark verbesserungswürdig. Man kann mit der App eine Postkarte pro Tag gratis versenden – was grundsätzlich ja toll ist. Doch dazu muss man sich entscheiden, ganz am Anfang die Rubrik Gratis-Postkarte erstellen auszuwählen. Da ich am gleichen Tag die gleiche Postkarte an mehrere Leute versenden wollte, habe ich das nicht gemacht, sondern stattdessen Postkarte erstellen gewählt. Nun hat man am Ende des Erstellungsprozesses keine Möglichkeit, diese Karte an den ersten Empfänger kostenlos und an alle nachfolgenden für den Preis von 2 Franken pro Stück zu versenden. Wenn man das Bild ausgewählt und ein bisschen Text eingegeben hat, kann man zurückgehen und die Kategorie zwischen kostenloser und kostenpflichtiger Postkarte wechseln. Trotzdem wäre es einfacher, einen Erstellungsprozess zu haben und erst vor dem Versand entscheiden zu müssen, ob man gratis oder für 2 Franken verschickt.

Viertens wäre es praktisch, wenn man gestaltete Postkarten abspeichern könnte – um mehrere Sujets zu verwalten.

Fünftens ist auch der Bezahlvorgang unpraktisch. Im Hauptmenü gibt es den Punkt Guthaben laden. Wenn man hingegen seine Postkarte erstellt hat und verschicken möchte, dann gibt es nur die Möglichkeit, für diesen einen Versand zu bezahlen. Es wäre jedoch an dieser Stelle praktisch, Guthaben aufladen zu können, um dann gleich mehrere Karten zu verschicken.

Sechstens fehlt bei Postcard Creator eine Adressverwaltung, wie man sie bei Touchnote findet. Man kann zwar Kontakte aus dem Adressbuch importieren. Oft möchte man diese aber noch etwas anpassen und zum Beispiel alle Familienmitglieder aufzählen, für die die Karte bestimmt ist. Manche Leute verwenden gerne auch Spitznamen in der Adresse, obwohl das wahrscheinlich nach einem Postgesetz verboten ist.

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Wissen die Nürnberger, dass sie keine gültige Postleitzahl haben?

Siebtens – und das ist nun das KO-Kriterium für diese App – kann man Postkarten nur an Adressaten in der Schweiz, nicht aber im Ausland schicken. Das ist natürlich grober Unfug und hat dazu geführt, dass ich meinen Versuch mit Postcard Creator abbrechen und reumütig zu Touchnote zurückkehren musste. Denn die Möglichkeit, eine Postkarte auch wirklich abzuschicken, ist nun einmal ein Kriterium, über das sich nicht verhandeln lässt.

An dieser Stelle war ich dann schon recht stinkig auf die Post, weil ich diesen Umstand erst festgestellt hatte, nachdem ich dann 20 Franken für den Versand an 10 Leute als Guthaben aufgeladen hatte. Klar, es steht in der Beschreibung der App, allerdings erst weit hinten. Aber da die Post an ihren Schaltern auch Briefmarken für Sendungen ins Ausland verkauft, bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass das nicht gehen könnte.

Immerhin, die Post hat mir das Guthaben anstandslos zurückbezahlt. Sonst hätte ich diesen Blogpost auf 10 Postkarten verteilt und an die Generaldirektion geschickt. Wäre vielleicht auch ganz lustig gewesen.

Fazit: Lieber keine App als so eine!

Übrigens: Via Twitter teilt mir die Post mit, dass über das Webportal ein Versand ins Ausland möglich ist.

Update vom 22. März 2017

Hier die Stellungnahme der Post, die mich heute erreicht hat:

Punkt 1/Login Problem: In der Bestrebung ein einheitliches Login für alle Post-Dienste anzubieten, wurde der PostCard Creator im Jahr 2015 an das Kundenlogin Post angebunden. Dies hatte zur Folge, dass sich alle Postcard Creator Kunden einmalig neu registrieren mussten mit ihren Login-Daten. Da das Kundenlogin Post einen zweistufigen Verifizierungsprozess vorschreibt, musste anschliessend die Adresse durch einen per Post verschickten Brief bestätigt werden. Wer die Adresse nicht bestätigt, verliert nach 90 Tagen seinen Zugriff auf das Kundenlogin Post. Alle PostCard Creator-Kunden wurden per Email über diese Änderung informiert und hatten die Möglichkeit, ihr bestehendes mit dem neuen Konto zu verknüpfen.

Punkt 2/Funktionalität der App: Die App ist bewusst einfach gehalten, mit dem Ziel, dass jede und jeder in der Lage ist, schnell und unkompliziert eine individuelle Postkarte zu gestalten und verschicken zu lassen. Aus diesem Grund hat man auf zusätzliche Optionen wie das Einfügen eines Textes auf der Kartenvorderseite verzichtet. Wenn die Ansprüche der Kundinnen und Kunden weiter gehen, haben sie die Möglichkeit, die zahlreichen Kreativmöglichkeiten der Onlineapplikation von PostCard Creator unter www.post.ch/postcardcreator zu nutzen.

Punkt 3: Ihre Kritik, dass die Benutzerfreundlichkeit der App aufgrund den zwei genannten Menü-Punkten stark verbesserungsfähig ist, können wir nicht ganz teilen. Der User hat die Möglichkeit, ohne Datenverlust zwischen den beiden Menü-Punkten hin und her zu wechseln. Unter dem Menüpunkt «Hilfe», sowie in der App Beschreibung ist der Unterschied der beiden Funktionen/Karten ausführlich erklärt. Zudem wird der User nach Abschluss der Bestellung (Gratis oder kostenpflichtig) gefragt, ob er/sie die Karte noch an weitere Empfänger senden möchte, was zur Folge hat, dass Bild und Text erhalten bleiben.

Punkt 4/Speicherung der Postkarten: Wie bereits bei Punkt 2 erwähnt, wurde die App bewusst einfach gehalten, damit schnell und unkompliziert Momentaufnahmen via Postkarte verschickt werden können. Die Möglichkeit, Karten zu speichern, gibt es jedoch auch auf der Webapplikation www.post.ch/postcardcreator.

Punkt 5/Bezahlvorgang: Um dem User den Zahlprozess möglichst einfach zu machen, wurde die Funktion «Guthaben aufladen» integriert. Damit können Sie einmalig ein Guthaben via Kreditkarte oder den gelben Zahlungsmitteln aufladen, um die Karten danach mit einem Klick zu bezahlen, damit nicht jede Karte einzeln mit Kreditkarte oder den gelben Zahlungsmitteln bezahlt werden muss. Zudem können Sie das geladene Guthaben auch für andere Post-Dienstleistungen einsetzen (z.B. einen Nachsendeauftrag bestellen)

Punkt 6/Adressverwaltung: Bei der Adressverwaltung sind Sie frei bezüglich der Gestaltung. Sollte der Empfänger jedoch zu ungenau angegeben werden (z.B. Spitznamen), kann eine Zustellung der Postkarte nicht garantiert werden.

Punkt 7/Auslandversand: Bei der App handelt es sich um ein Angebot, das ursprünglich nur für den Versand in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein konzipiert wurde. Darauf weisen wir einerseits im App Store, in der Rubrik «Hilfe» und in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen hin. Wir prüfen zur Zeit jedoch eine Integration des Auslandversands bei der bezahlten Karten.