Mit End of Watch (Amazon) ist die Trilogie von Stephen King um den pensionierten Polizeiermittler Bill Hodges zu so etwas wie einem Happy End gelangt. (Teil eins und Teil zwei habe ich ebenfalls besprochen.)

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Spielen eine nicht unerhebliche Nebenrolle. (Bild: tanakawho/Flickr.com, CC BY 2.0)

Kurz zum Inhalt – Achtung, Spoiler! –: Der in der Hirnklinik vor sich hin dämmernde Brady Hartsfield, Antagonist des ersten Bandes und Auslöser der Geschehnisse des zweiten Teils, will seinen erzwungenen Ruhestand nicht hinnehmen, sondern entwickelt übersinnliche Fähigkeiten. Erst beherrscht er das telekinetische Türrücken. Dann schafft er es, mit seinem Geist in Teile des Pflegepersonals einzudringen. Mit Hilfe von Library Al, der in der Klinik den Bücherwagen stösst, weitet Brady seinen Einfluss aus und bringt den zwielichtigen Arzt Dr. Babineau unter seine Kontrolle – ob dessen experimentelle Medikamente etwas mit diesen erstaunlichen Fähigkeiten zu tun haben oder nicht, wird nicht restlos geklärt.

Brady gibt sich damit nicht zufrieden. Obwohl physisch nahezu komplett immobil, schafft er es, mit Hilfe seiner ehemaligen Arbeitskollegin Freddi Linklatter von Discount Electronix eine ausrangierte Spielkonsole namens Zapit (die ein reales Vorbild hat) so zu modifizieren, dass mittels einer Fischer-Demo zu einer Hypnosemaschine wird und Brady den «Einstieg» in den Geist seiner Opfer ermöglicht. Nun sieht Brady eine Chance, die entschlüpften Opfer seines letzten Plans nun doch noch zu ereilen: Der Anschlag während des Konzerts der Boyband Round Here wurde im ersten Band durch Holly Gibney, Jerome Robinson und Bill Hodges verhindert und der Einsatz des «Happy Slappers» durch Holly hat Brady die körperliche Handlungsfähigkeit gekostet. Die Besucher des Konzerts erhalten einen manipulierten Zapit, geraten in den telepathischen Wirkungsbereich von Brady und sollen in den Selbstmord getrieben werden.

Das Buch ist, zu meinem Bedauern, der schwächste der drei Teile. Es ist zwar durchaus interessant, wie der immobile Bösewicht seine Fäden spinnt und der inzwischen an Magenkrebs erkrankte Bill Hodges, genau wie die Opfer Bradys, um sein Leben bangt. Es gibt einige nerdverträgliche Details wie die Ddos-Attacke auf Bradys Website, die als Multiplikator seiner Selbstmordbotschaft dient. Und die Geschichte ist solide konstruiert und im Hörbuch von Will Patton toll erzählt.

Trotzdem. Die paranormalen Elemente in Kings Bücher gefallen mir nicht immer – die Zeitreise in 11/22/63 oder Pennywise, der Gruselclown aus It sind natürlich ganz grosse Ausnahmen. Im Fall von «End of Watch» koppeln sie die Trilogie von der Realitätsnähe ab, die den ersten Teil, «Mr Mercedes», so gut gemacht haben: Der war verwurzelt im heutigen Amerika, das noch immer unter den Folgen der Wirtschaftskrise leidet und in dem mit jedem Amoklauf etwas mehr des sozialen Zusammenhalts verloren geht. Wie spannend wäre es gewesen, wenn King einen Kommentar zu Trump und seinen Allüren gemacht hätte! Stattdessen gibt es lange Passagen, in denen Brady seine Netze spinnt. Klar, man kann die Zapit-Hypnosemaschine als Kritik an unserer immerzu auf ihre Handydisplays starrende Gesellschaft interpretieren. Das ändert aber nichts daran, dass die Passagen aus Brady-Sicht doch etwas zäh geraten sind.

Der zweite Teil lebte seinerseits von den starken Aussagen zum Verhältnis eines Schriftstellers zu seiner Kunst. Die Geschichte selbst war nur lose mit dem ersten Teil verknüpft. Die Hauptverbindung entstand über die Protagonisten. Und es kam auch die Hoffnung auf, aus Holly Gibney, Jerome Robinson und Bill Hodges würde ein Trio werden, das noch viele Fälle aufklären würde… doch im letzten Teil sind sie nicht mehr das eingeschworene Team, sondern wegen Bill Hodges’ Krankheit vor allem eine Schicksalsgemeinschaft.

Kurz: Mehr Bill, Holly und Jerome und weniger Brady – das wärs gewesen!