Muss ich als eidgen. diplomierter, offiziell vereidigter und gemeinhin anerkannter Endless-Runner-Spezialist eigentlich Chameleon Run besprechen?

160516-chameleon-run-02.jpg
Mit vollem Karacho auf die Wippe zu.

Die Antwort ist ein unmissverständliches Jein. Einerseits handelt es sich bei diesem Spiel (Android für 1.93 Franken, iPhone für 2 Franken) um ein Game mit einem automatisch rennenden Protagonisten. Daher fällt es in die Kategorie von Temple Run, Minion Rush und Relic Run. Andererseits rennt man hier nicht endlos. Im Gegenteil: Die einzelnen Levels sind wenigen Sekunden zu meistern – 20 oder weniger können es sein. Doch weil sie so verflixt schwierig sind, schafft man das selten auf Anhieb. Und da das Spiel nach der Kollision des Chamäleons mit einem Hindernis gleich wieder von vorn startet, kann man ganz einfach eine lange Zeit am Stück spielen – man muss einfach davon Abstand nehmen, den Level zu meistern.

Was ziemlich einfach ist. Denn das Spiel ist schon nach wenigen Levels enorm knifflig. Das liegt an der rasanten Spielweise. Und an dem kleinen Kniff, dem «Chameleon Run» seinen Namen verdankt: Das rennende Männchen sieht zwar nicht aus wie ein Chamäleon – die haben zwar die weltschnellste Zunge, sind aber sonst nicht gerade die Sprinter der Tierwelt – kann seine Farbe aber trotzdem ändern. Und das muss es auch: Denn wenn es auf einer Fläche landet, die eine andere Farbe hat als es selbst, zerspringt es in tausend Stücke. Das heisst: Man muss nicht nur im richtigen Moment hüpfen, sondern auch immer die passende Farbe wählen.

Und das ist bei dem affenartigen Tempo des Spiels alles andere als einfach. Trotz der supereinfachen Steuerung: Wenn man in der linken Hälfte des Bildschirms irgendwohin tippt, dann wechselt das Männchen von Gelb zu Pink oder umgekehrt. Tippt man rechts, setzt es zu einem Sprung an. Und das wars auch schon, was man wissen muss.

160516-chameleon-run-03.jpg
Die scharzen Plattformen sind zu meiden – auf denen ist der Chamäleonmann nicht überlebensfähig.

Allerdings haben es die Sprünge in sich: Man kann so genannte Doppelsprünge ausführen: Man tippt rechts, erhebt sich, lässt los, sinkt wieder etwas ab und tippt noch einmal, um sich wieder nach oben zu hangeln. Auf diese Weise schafft man auch über scheinbar unüberwindliche Abgründe. Und man schafft es unter tief hängenden Hindernissen hindurch. Bei einem normalen Sprung würde man, aufgrund der parabelförmigen Sprungbahn, gegen ein Hindernis klatschen. Wenn man sich erst fallen lässt und dann in der Luft auffängt, kann man die Sprungbahn nach unten verlagern und auch diese Falle meistern.

Hat man ein Level gemeistert, gibt einem das Spiel zusätzliche Herausforderungen. Denn wie für die Endless Runner typisch gibt es Gegenstände aufzusammeln, hier bei «Chameleon Run» sind es Murmeln und Rauchkristalle. Ausserdem kann man die Level meist auch meistern, ohne die Farbe zu wechseln. Dazu muss man die verdeckten Wege finden, die entweder oberhalb oder unterhalb des Trampfelpfades entlangführen. Als zusätzliche Hindernisse gibt es auch Wippen, sowie schwarze Immobilien, die man generell meiden muss.

Fazit: Ein temporeiches, kleines, fieses Spiel, das Crossy Road wie das einfachste Spiel der Welt erscheinen lässt.