Mein Büro ist zu 99,9 Prozent papierlos. Leider ist das eine Promill sehr schwer wegzubekommen. Ab und zu gilt es, ein Brieflein auszudrucken oder für ein Amt, eine Versicherung oder sonst ein administrativ im Physischen verwurzelten Unternehmen einen fassbaren Beleg zu fabrizieren. Da mein treuer Netzwerkdrucker, der Brother HL2070n nach fast zwölf Jahren an plötzlichem Fuser-Unit-Versagen gestorben ist, war nun, allen inneren Widerständen zum Trotz, ein Ersatz notwendig.

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Ungeliebt, aber nötig.

Dass es wieder ein Schwarzweiss-Laserdrucker sein würde, stand ausser Frage. Einen Tintenspritzer fasse ich nicht mit der Kneifzange an: Zu schlecht sind meine Erfahrungen mit massiv überteuerten Ersatzmaterialien, verhockten Düsen, durch die automatische Druckkopfreinigung geleerte Tintentanks und Farbklecksen, die überall zu finden sind, nur auf dem Papier nicht. Tintenstrahldrucker sind eine Schande für die IT-Branche und der Grund, warum ich HP, Epson und Canon noch heute mit Misstrauen begegne. (Nebenbei bemerkt: Das wäre ein interessantes Feld für eine Studie z.B. für Christian Fichter: Wie verhindert man marketingmässig, dass dubiose Geschäftspraktiken wie die verheimlichte, per Counter begrenzte Lebensdauer der Drucker bei Canon auch bei den zweifellos guten Produkten z.B. in der Fotografie einen Reputationsschaden bewirken?)

Zurück zum Druckkauf. Die Anforderungen für den Neuen präsentieren sich wie folgt:

  • Dreckbillig Günstig
  • Kompakt und wegräumbar
  • Drahtlos zu benutzen
  • Falls möglich (manueller) Duplex

Nach etwas Stöbern bin ich beim Ricoh SP213w gelandet, der trotz des günstigen Preises alle Kriterien erfüllt. Er kostet 83 Franken bei Digitec bzw. 59 Euro bei Amazon. Nach den ersten Tests bin ich zufrieden mit dem Gerät: Es druckt auch anständig und macht einen so soliden Eindruck, wie man es für den Preis erwarten kann.

Nicht begeistert war ich allerdings über das Einrichtungsprozedere. Den Drucker ins WLAN zu bringen, war äusserst umständlich – was mir schon beim Studium des Handbuchs schwante. Bei meinem Modell muss man mit WPS operieren. Die Idee des Wi-Fi Protected Setup ist eigentlich einleuchtend: Man drückt einen Knopf und dann kann sich während einer kurzen Dauer ein Gerät ins WLAN einklinken – das manuelle Eintragen der Zugangsdaten entfällt. In der Praxis ist WPS ein Flop: Sicherheitsmängel sind das eine Problem, die ungenügende Implementation das andere. Auch mit der (zu recht viel geschmähten) Horizon-Box als Router funktioniert WPS nicht. Der Drucker druckt nach Aktivierung des WPS-Modus einen Pin-Code aus, den man in der Konfigurationsumgebung dann aber leider nirgendwo eingeben kann. facepalm

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Und wo, liebe UPC, gebe ich hier meinen WPS-Pin-Code ein?

Wie es einfacher ginge, weiss man inzwischen von den vielen WLAN-Gadgets, die wir sonst so benutzen: Bei Kameras, Lautsprechern und anderen Gadgets funktioniert es jeweils so, dass im Konfigurationsmodus das Gerät den WLAN-Router spielt. Man loggt sich per Browser auf dem Gadget ein, trägt die WLAN-Zugangsdaten ein, und fertig ist die Laube.

In der vorliegenden Kombo von Horizon-Box und Ricoh-Drucker kam ich leider um die Verwendung eines USB-Kabels nicht herum. Was nun wiederum eine neue Hürde darstellte: Der Drucker will nämlich einen Stecker des Typs B. Wie man diese bescheuerte Buchse heute noch in einem Gerät verbauen kann, entzieht sich meinem Verständnis. Er ist nämlich inzwischen so selten, dass viele Leute kein passendes Kabel mehr griffbereit haben – und beim Drucker wird auch keines mitgeliefert. Ich sah mich also schon nur für die Konfiguration in einen Elektronikladen laufen und für die übliche Strafgebühr von 19.90 Franken (=¼ des Druckerpreises) eines kaufen. Dem Tobsuchtsanfall bin ich nur entgangen, weil ich in meinem Fundus dann doch noch das passende Kabel gefunden habe. Trotzdem: Uncoole experience!

Über das Kabel ging auch die Installation des Druckers vonstatten. Für die Einstellung der WLAN-Features greift man auf ein Programm mit dem schönen Namen Smart Organizing Monitor zurück. Damit kann man dann auch die Zugangsdaten hinterlegen und dem Drucker eine fixe IP-Adresse zuweisen, wozu ich raten würde.

Bei Windows kommt man um die Installation der (auf CD ausgelieferten) Druckertreiber nicht herum – was mir, ehrlich gesagt, schon auch sehr zu denken gibt. Da haben wir das Jahr 2016 und Windows 10, und noch immer nichts besseres zu tun, als be💩te Druckertreiber zu installieren? Wtf!

Der Mac kommt diesbezüglich besser weg: Es gibt für ihn keinen Druckertreiber, weswegen man einen Standard-Drucker einrichtet, die fixe IP-Adresse einträgt und angibt, dass es sich um einen PCL-Modell handelt. Wenigstens das ist unkompliziert.

PS: tutorialsformyparents.com ist echt lustich, schaut euch das mal an!