«Crossy Road» (Android/iPhone und iPad) ist ein Endless-Runner-, bzw. vielmehr ein Endless-Hopper-Game.

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Links: Ida aus «Monument Valley».
Rechts: Der Sänger Psy aus Südkorea: Wenn er im Takt tanzt, gibt es Extrapunkte.

Wie bei «Minion Rush» (Wir In-App-Purchase-Lakaien) oder «Temple Run» (Jogging für Gehfaule) geht es bei diesem Spiel darum, möglichst lang am Leben zu bleiben. Die Hindernisse in diesem Spiel sind querlaufende Verkehrswege: Strassen, Eisenbahnen und Wasserwege, auf denen das Risiko des Überfahrenwerdens und Ertrinkens herrscht.

Anders als die erwähnten Titel des Gernes bewegt man sich bei «Crossy Road» nicht mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit vorwärts, sondern kann anhalten, umkehren und sich seitlich bewegen, um eine Lücke zwischen den Autos zu finden, bzw. bei den Flüssen eine dahintreibende Überquerungshilfe in Form von Baumstämmen oder Krokodilen zu erwischen. Allerdings kann man nicht ewig prokrastinieren: Das Spiel scrollt unbeirrbar weiter, sodass die Spielfigur verloren geht, wenn man zu lange wartet. Und es gibt einen Adler, der sich Spielfiguren holt, die zu lange an Ort und Stelle verharren.

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Links: Die Promidame wird von Paparazzi bedrängt. Wenn Sie überfahren wird, fliegen die Geldscheine.
Rechts: Das Huhn kommt flach heraus…

Die Steuerung ist simpel: Für einen Hüpfer vorwärts tippt man irgendwo aufs Spielfeld. Bewegungen seitlich oder nach hinten führt man mittels Wischgesten aus. Das funktioniert am Smartphone und Tablet gut. Am Apple-TV 4 mit der Touch-Fernbedienung (siehe Apple-TV – was nun trotzdem fehlt) funktioniert die Steuerung einigermassen – ein besserer Controller würde womöglich helfen. Ein Problem ist die Perspektive: Da die isometrische Darstellung einen leichten Winkel aufweist, neige ich dazu, meine Wischbewegungen mit einem gewissen Winkel auszuführen. Das kann zur Folge haben, dass die Bewegung nach links als Bewegung nach vorn gewertet wird und zum Tode führt. Das ist ärgerlich, kann «Crossy Road» aber verziehen werden.

Apropos Perspektive: Die Grafik ist wie erwähnt isometrisch und so klotzig wie bei «Minecraft» (In die Klotzwelt abtauchen). Das ist wunderbar retro-futuristisch und perfekt umgesetzt – genauso, wie die akustische Untermalung und das Drumherum: Zu diesem gehört vor allem die riesige Auswahl an Spielfiguren: Zur Parade gehören Baseballer, Gespenst, Schnecke, Zombie, Fuchs, Kiwi, Kakadu, Känguru, Kobold, der HUnd Jindo, die Shooty-Katze, eine Giraffe, die schlotterkatze, ein Grablin – und das sind nur die Figuren, die ich freigespielt habe. Was es sonst noch so gibt, verrät übrigens das Wiki.

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Links: Die Schnecke zieht unbeirrt ihre Schleimspur.
Rechts: Das Gespenst erhellt seinen eigenen Weg.

Man kann das Spiel so einstellen, dass es die Spielfiguren, die «Maskottchen» automatisch durchwechselt. Je nach Figur variiert auch die Spielumgebung mehr oder weniger stark: Beim Gespenst ist es tiefste Nacht und nur das Glühen der Figur erhellt die Szene. (Interessanterweise kann das Gespenst, ebenso wie der Zombie, aber genauso wie die lebenden Figuren überfahren werden.) Die Schnecke hüpft nicht, sondern kriecht, wobei sie eine Schleimspur hinterlässt. Beim Lama hüpft der eigenen Spielfigur eine zweite Spielfigur hintendrein, sodass man beide am Leben erhalten möchte. (Es gibt aber leider keine Extrapunkte für Sprünge, die das Schlepptau-Lama ausführt.

Am eindrücklichsten ist die Verwandlung der Spielumgebung, wenn man Ida, die Heldin aus «Monument Valley» (Android/iPhone und iPad) wählt: Dann taucht man ein in eine Welt mit geometrischen Skulpturen ein, in der es auch die farbigen Flächen auf dem Boden gibt. Allerdings bleibt man auf dem Boden der isometrischen Grafik und bekommt es nicht mit Escher-haften optischen Illusionen zu tun, so wie in «Monument Valley». Trotzdem ein Fall von gelungener Cross-Promotion!

Ein zauberhaftes und verflixt schwieriges Spiel, das abwechslungsreich genug ist, um oft gespielt zu werden. Es gibt am Apple TV sogar einen Multiplayer-Modus, den ich aber noch nicht ausprobiert habe. Die Maskottchen kann man kaufen oder erspielen, wobei es einige gibt, die nur käuflich erwerbbar sind – was völlig okay ist, weil das Spiel auch dann Spass macht, wenn man kein Geld ausgibt. Ich habe, weil es mir so viel Spass macht, mir einige Figuren gekauft. Man kann übrigens auch Merchandising erwerben, namentlich Plüschfiguren.

«Crossy Road» ist ein schönes Beispiel, wie hoch heute die Latte für Smartphone-Spiele liegt…