iCab Mobile hat all die Funktionen, die wir bei Mobile Safari vermissen!

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Der Zwillingsbrowser mit zwei Seiten nebeneinander.

Bei der Recherche für dieses digitale Patentrezept habe ich Gefallen an iCab Mobile gefunden. Das ist ein Browser (2 Franken für iPhone und iPad), der mit diversen Nerdfunktionen aufwartet.

Nerdfunktionen sind Dinge, die Normalanwender wahrscheinlich nicht vermissen werden, die aber Leuten wie dir und mir das Leben erleichtern. Zum Beispiel die eine Funktion, die allein den Kauf dieses Browsers rechtfertigt: Nämlich der Zwillingsmodus.

Bei dem stehen zwei Fenster nebeneinander. Das hilft ungemein, wenn man einerseits im Web recherchieren und andererseits die gefundenen Informationen auch gleich verwerten möchte. Man hält in einen Fenster sein Blog, das CMS oder eine Notiz-App offen und googelt im anderen Fenster, was das Zeug hält. (Bzw. duckduckgo-t, was das Zeug hält. Die Standardsuchmaschine von iCab ist Duck Duck Go, wobei man das natürlich ändern darf. Das geht mit Safari nicht, noch nicht einmal über die neue Multitasking-Funktion. Mit der nutzt man nämlich nur zwei unterschiedliche Apps nebeneinander, nicht aber zwei Fenster der gleichen App.

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Lesemodus mit Readability und den vielen Modulen.

Der Zwillingsmodus findet sich im Aktionsmenü (das so aussieht wie in den anderen Apps das Teilen-Menü) beim Befehl Zwillings-Browser aktivieren.

Weitere Nerdfunktionen des Nerdbrowsers sind:

  • Profile. Man darf den Browser für mehrere Benutzer konfigurieren, was allein deswegen sinnvoll ist, weil iOS noch immer keine Mehrbenutzerunterstützung bietet (selbst mit iOS 9.3 nicht). Standardmässig vorhanden ist der Gast-Modus.
  • Schnellstarter-Modus. Hier werden häufig gebrauchte Websites angepinnt.
  • Umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten. Wie der Browser mit Tabs umgeht, wie restriktiv oder freigiebig er mit persönlichen Informationen ist, ob Bilder angezeigt werden und Googles Seitenkompressionsfunktion benutzt wird, welche Webdienste integriert sind, und vieles mehr, darf man selbst einstellen. Besonders gut: Die Inhaltsfilter, die Dinge wie Facebook-Buttons, Werbung oder Appstore-Links eliminieren. Man definiert auch seine Suchmaschinen selbst, synchronisiert mit Firefox, etc.
  • Module. Sie integrieren Dienste wie Readability, Pocket, Instapaper, Evernote, Google+, Google Cache, Buffer, Facebook, Evernote, Pinterest, Tumblr und viele mehr. Man wandelt über dieses Menü Seiten in PDFs um, zeigt sie als Quellcode an oder lädt sie im vorgegebenen Intervall neu. Es gibt eine Integration von Lastpass. Die Module sind nicht ganz so gut wie Browser-Erweiterungen. Aber fast.
  • Passwort-Manager. Er speichert die Eingaben in ein Formular und stellt die Angaben bei Bedarf wieder her.
  • Gestensteuerung. Mit ihr hat man die Möglichkeit, per Wischen zu navigieren: Links geht zur vorherigen Seite, rechts zur nächsten, nach oben scrollt an den Anfang, nach unten ans Ende. Es gibt auch Gesten zum Schreiben eines neuen Mails, zum Hinzufügen von Lesezeichen und zum Öffnen von Google, Facebook, Tumblr und Ebay. Man definiert hier auch eigene Gesten: Um bestimmte Sites zu öffnen, durch die Tabs zu blättern, Seiten neu zu laden, den Privatmodus zu aktivieren und vieles mehr.
  • Kiosk-Modus. Er blendet die Bedienelemente aus und zeigt Webseiten als Vollbild.
  • Viele Funktionen für Links. Tippt man lange auf einen Link, erscheint ein Kontextmenü mit vielen nützlichen Funktionen. Es gibt die Möglichkeit, den Link in einem neuen Tab zu öffnen und diesen Tab gleich anzuzeigen oder den Tab im Hintergrund zu öffnen. Die Seite herunterzuladen, gleich im Lesemodus zu öffnen, an Safari weiterzuleiten, den Link zu kopieren und einen QR-Code zu erzeugen, der jemanden auf die URL verweist. Was den QR-Code anbelangt: Jemandem das Handy mit dem Code zum Scannen hinzuhalten, ist praktischer, als die URL zu diktieren.
  • Download-Manager. Gespeicherte Dateien können an andere Apps (Notizen, OneNote, Evernote, iBooks, Kindle, Dropbox) weitergereicht werden. Übers Aktions-Menü ist es möglich, die aktuell geöffnete Seite zum Offline-Gebrauch im Download-Manager zu speichern.
  • Screenshots. Die aktuelle Seite speichert man über einen Befehl als Screenshot in der Zwischenablage, in der Filmrolle oder im Downloadmanager.
  • Lesemodus. Er wird von Readability zur Verfügung gestellt und zeigt Texte ohne Werbung, Navigation und anderen Ballast.

Es gibt sicherlich noch viele Funktionen, die ich bis jetzt nicht entdeckt habe. Aber ich glaube, obige Liste reicht zur Untermauerung meiner Behauptung aus: iCab ist ein Browser, der
vor Funktionen strotzt und viele Dinge beherrscht, die man sich bei Safari vergeblich wünscht. Ich verwende Safari trotzdem als mein Hauptbrowser. Für viele spezielle Belange weiche ich aber gerne auf iCab aus.

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Schnellauswahl.

Kritisierbar ist die altbackene Optik. Sie erinnert an die Browser vom Desktop und wirkt auf dem Tablet daher antiquiert. Die Symbole sind nicht immer schlüssig – dass das Aktions-Menü hinter dem Symbol steckt, dass ich mit der Teilen-Funktion assoziiere, ist nicht optimal, aber auch nicht tragisch. Nutzt man den Zwillingsbrowser, dann gibt es recht häufig Abstürze, was ein Ressourcenproblem sein könnte. Eventuell hilft es, in den Einstellungen bei Sonstiges den Speicher-Sparmodus abzuschalten – das werde ich noch ausprobieren.

So oder so: iCab verdient eine hundertprozentige Nerd-Empfehlung!

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Konfigurationsmöglichkeiten en masse – hier die Möglichkeiten der Multitouch-Steuerung.