Pixelmator ist ein Bildbearbeitungsprogramm, das bei mir auf dem Mac bereits Unverzichtbarkeitsstatus erlangt hat (siehe Bildbearbeitung abseits von Adobe). Seit einiger Zeit gibt es die App nun auch für iOS, weswegen es höchste Zeit ist, die Tablet-Variante hier zu besprechen – und ein bisschen zu loben.

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Wer nach der Gradationskurve sucht, wird fündig.

Die App kostet 5 Franken und ist ihren Preis mehr als wert – das lässt sich hier schon einmal vorwegnehmen. Es handelt sich bei Pixelmator um ein Bildbearbeitungsprogramm, das mit Ebenen arbeitet und auch Projekten der komplexeren Art gewachsen ist. Es lassen sich beispielsweise Collagen erstellen, Bilder mit Rahmen oder Texten ausstatten und optisch durch grafische Elemente aufwerten. Es versteht sich von selbst, dass die App auch Standardaufgaben wie die Bildkorrektur und das Hinzufügen von Effekten beherrscht.

Man kann in Pixelmator mit einer Aufnahme ab Kamera, aus der Fotorolle oder vom iCloud Drive starten. Oder man wählt via Bild erstellen eine der vielen Vorlagen, die in den Kategorien Standard (mit leeren und eigenen Vorlagen), Collage, Rahmen, Karte, Poster, Fotografie und Klassisch zur Auswahl stehen. «Klassisch» ist in diesem Kontext wohl am wenigsten einleuchtend: Es handelt sich hier um die Möglichkeit, Bilder mit Effekten auf retro oder hip zu trimmen. Sodass wir an dieser Stelle festhalten dürfen, dass der Instagram-Look heute also bereits als «klassisch» gelten darf.

Die Ebenen
Die Vorlage gibt einem eine solide Ausgangslage, schränkt einen bei den Funktionen jedoch nicht ein. Bei der Collage erhält man eine Anordnung von mehreren streng oder lässig geschnittenen Bildbereichen, die man ganz einfach mit eigenen Aufnahmen befüllen kann. Diese Rahmen sind – das merkt man, sobald man vom linken Rand die Leiste mit den Ebenen hereinzieht – einfach um separate Bildebenen. Sie lassen sich denn auch einfach per Finger in der Grösse ändern, verschieben, durch lang Antippen anders anordnen, mit zwei Fingern drehen, in der Deckkraft verändern oder mit Ebeneneffekten versehen. Dazu tippt man die Ebenenminiatur links in der Leiste an und wählt Format aus dem Kontextmenü.

Und was diese Ebeneneffekte angeht, muss man auf wenig verzichten: Es gibt die Füllmodi, die den Mischmodi von Photoshop entsprechen und wo man die üblichen Verdächtigen wie Nachbelichten, Mulitiplizeren, Abwedeln, etc. vorfindet. Mit Zeichnen fügt man einen Rahmen um die Bildebene herum, was so in etwa der Kontur bei Photoshop entspricht. Man kann Breite und die Neigung eingeben: Die Neigung ist so eine Art Kontureneffekt, mit dem man diese mit einem Verlauf ausstatten kann. Weitere Ebeneneffekte sind Füllen, was eine Farbüberlagerung auf die Ebene legt, Schatten für den klassischen Schlagschatten und Reflexion. Diese Reflexion spiegelt die Ebene automatisch unterhalb der unteren Kante. Damit lässt sich der von Apple popularisierte Effekt reproduzieren, der einen Gegenstand auf einer spiegelnden Unterlage präsentiert.

In der Menüleiste links gibt es den Befehl Widerruf, der die letzten Befehle zurücknimmt. Rechts finden die fünf Befehle Werkzeuge, Hinzufügen, Einstellungen und Teilen. Diese stellen die Befehle zur Verfügung, die man von einer mobilen Bildbearbeitungs-App erwartet:

Werkzeuge.

  • Bei Malen und Löschen findet Werkzeuge zum Auftragen und Entfernen von Farbe. Die App stellt diverse Pinsel, Stifte und Marker, sowie Radiergummi, Spray- und Wasserfarbe zur Verfügung und erlaubt es einem, Pixel zu verschmieren.
  • Über Retuschieren findet man Werkzeuge für die Bereichsreparatur, Aufhellen, Verdunkeln, Klonen, Scharfzeichnen, Abschwächen, Sättigen und Entsättigen.
  • Störungen kann Bildteile verformen. Krümmen verzerrt die Bereiche, Bump bläht sie auf, Drücken macht sie schmaler, Verwirbeln verstrudelt die Pixel im Uhr- und Gegenuhrzeigersinn. Mit Wiederherstellen kann man die Veränderungen gezielt wieder zurücknehmen. Diese Befehle werden in der Bildbearbeitung klassischerweise dazu genutzt, die Proportionen von einzelnen Bildelementen zu verändern. Man kann Augen grösser und Nasen kleiner machen, wenn man es auf die Beauty-Retusche abgesehen hat.
  • Mittels Farbe anpassen verändert man Helligkeit, Kontrast, Sättigung, Farbbalance, Weissabgleich und Temperatur. Es gibt vorgefertigte Farbprofile, ein Histogramm und eine Gradationskurve.
  • Bei Effekte hinzufügen findet acht dynamische Effekte, die Lichtleaks simulieren. Dynamisch bedeutet, dass man per Finger Position, Grösse und Ausrichtung festlegt.
  • Mit Wählen greift man auf Selektionswerkzeuge zu, um rechteckige, elliptische oder freie Bildauswahlen zu treffen. Auch der magische Zauberstab und die Selektion nach Farbbereichen findet sich hier.
  • Über Beschneiden macht man die Arbeitsfläche kleiner oder grösser.

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Wer gern den Pinsel schwingt, kann das mit diversen Pinselspitzen tun.

Hinzufügen. Dieses Menü erlaubt es, weitere Bilder als Ebenen zu laden, leere Ebenen hinzuzufügen, Textelemente einzufügen und Symbole und Formen platzieren. Textelemente werden als Ebenen hinzugefügt. Wenn man den Text formatieren will, tippt man links in der Ebenenleiste die Textebene an und arbeitet dann mit dem Befehl Format. Auch Schriften und Formen lassen sich mit den Ebeneneffekten ausstatten.

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Nicht, dass ich solche Schrifteffekte propagieren würde. Aber möglich sind sie.

Einstellungen. Bei Bildformat gibt man die Grösse des Dokuments vor. Über Hilfslinien blendet man die Lineale ein und aktiviert oder deaktiviert die dynamischen Hilfslinien, die eine gleichmässige Ausrichtung der Elemente ermöglichen. Und über Geräte bindet man Hilfsmittel wie einen Stift in die App ein.

Teilen. Über dieses Menü sendet man eine Kopie in den Formaten von Pixelmator oder Photoshop oder als JPG oder PNG. Man kann hier das Bild auch in einer anderen App öffnen, auf dem iCloud-Drive speichern, kopieren oder in der Fotorolle sichern.

Fazit: Pixelmator stellt zwar nicht ganz so viele Befehle wie der ausgewachsene Photoshop zur Verfügung, ist aber nicht nur den Standardaufgaben, sondern auch anspruchsvollen Aufgaben wie der Beauty-Retusche gewachsen. Die Anordnung der Befehle ist im Vergleich zu Desktop-Programmen zwar ungewohnt, aber einleuchtend und damit schnell zu erlernen. Die Arbeit mit dieser App macht Spass. Bemängeln würde ich, dass nur iCloud, nicht aber Dropbox oder OneDrive direkt zugänglich sind (sondern nur über den Umweg der Fotorolle).