151021-apollo1.jpg
Damals hinterm… (Bild: Project Apollo Archive/Flickr.com)

Der Omega-Tau-Podcast, bereits hier und hier erwähnt, ist es wert, einmal ein bisschen ausführlicher besprochen zu werden. Nora Ludewig und Markus Völter produzieren ihn (Edit: Siehe Kommentare). Letzterer spricht – in Schwäbisch und in schwäbisch gefärbtem Englisch und es geht um technische und wissenschaftliche Themen. Das Spektrum ist breit gefasst. Es reicht von Internetthemen über die Weltraumfahrt und Aviatik bis hin zu natur- und sozialwissenschaftlichen Fragen. Davon interessiert mich nicht alles gleichermassen, sodass dieser Podcast zu denen gehört, bei denen ich nicht jede Folge herunterlade, sondern anhand der Shownotes auswähle. Ich nehme an, dass die variable Flughöhe dieses Podcasts zum Konzept gehört. Damit meine ich, dass manche Themenbereiche weit gefasst sind und allgemeinverträglich behandelt werden. Andere sind sehr spezifisch und werden ad nauseam vertieft, sodass nur Insider es so genau wissen wollen. Und auch der Umstand, dass englische und deutsche Episoden im gleichen Feed erscheinen, deutet nicht darauf hin, dass Völter auf eine maximale «Durchörbarkeit» abzielt. (Das Wort habe ich übrigens hier gelernt.)

Bemerkenswerte Folgen in der letzten Zeit waren:

  • Societal Complexity and Collapse. Der Anthropologe Joseph Tainter spricht darüber, weswegen Gesellschaften zur Komplexität neigen und irgendwann an dieser Komplexität scheitern – weil die Grenzkosten in der Energiegewinnung beispielsweise immer kleiner werden, sodass die Anforderungen des Wachstums irgendwann nicht mehr erfüllt werden können. Und auch wenn das unangenehm trocken und theoretisch klingt, ist diese Folge dank des eingängig formulierenden Gastes leicht verdaulich und überall aufschlussreich. Sie stimmt auch nachdenklich, weil nach Tainter der Kollaps unserer modernen Gesellschaft unvermeidlich erscheint. Und wohl auch nicht mehr allzu weit entfernt ist.
  • Umgang mit Abnormals in der Verkehrsfliegerei. Abnormals sind alle unerwarteten Vorfälle in der zivilen Luftfahrt: Vom verklemmten Fahrwerk beim Start über den Triebwerkausfall in der Luft bis hin zum Bordelektronikversagen. Der anonym bleibende Pilot Stefan hat viele Flugstunden auf dem Buckel und bildet selbst auch Kollegen aus, sodass er weiss, wovon er spricht. Er tut es aus der Motivation heraus, dass beim Fliegen zwar viel schiefgehen kann – dass aber Ausbildung, Prozeduren und «Mindset» der Leute darauf ausgelegt ist, alle Eventualitäten abzufangen. Stefan jedenfalls strahlt Kompetenz und Selstvertrauen aus, sodass diese Folge tatsächlich geeignet ist, Flugangst abzubauen denn zu schüren.
  • Why Megaprojects Fail (and what to do about it) mit dem Wirtschaftsgeografen Bent Flyvbjerg erklärt, woran Grossprojekte scheitern. Da werden wir in einigen unserer Vorurteile bestärkt: Dass sich Politiker mit Megaprojekten gerne selbst Denkmäler setzen und darum die Risiken kleinreden (political sublime). Dass Ingenieure gern die Grenzen des Machbaren ausweiten würden (technological sublime). Dass viel Geld im Spiel ist und drum jeder auf sein Scherflein hofft (economic sublime). Und dass Grossprojekte auch etwas hermachen müssen (aesthetic sublime). Die Sendung geht aber weit über die Bestätigung von Vorurteilen hinaus, denn der Forscher kann sich für seine Aussagen auf belastbare Daten berufen – und ist darum hörenswert.
  • Zu den beliebtesten Episoden gehören laut der Statistikseite auch die beiden Sendungen How Apollo Flew to the Moon und How Apollo Explored the Moon. Die habe ich noch nicht gehört. Ich erwähne sie aber hier, weil ich mich a) auf sie freue und weil sie mir b) die Gelegenheit geben, zur Bebilderung des Beitrags nochmals auf das hier erwähnte Project Apollo Archive zuzugreifen.

Markus Völter ist ein ausgezeichnet vorbereiteter, angenehmer und intelligente Fragen stellender Gesprächspartner. Wenn ich Kritik anbringen müsste (was ich in einer kritischen Würdigung natürlich sollte), dann sind das folgende Dinge: Erstens zeigt sich in manchen Folgen, dass es besser ist, wenn der Fragesteller nicht zu viel von der Materie versteht, die gerade besprochen wird – nämlich idealerweise etwa ähnlich viel wie man als Zuhörer selbst. Bei der erwähnten Folge über die «Abnormals in der Verkehrsfliegerei» zeigt sich das: Völter ist selbst (Hobby-?)Pilot und interessiert sich für die Materie, weswegen er selbst viele Buzzwords in die Runde wirft, statt darum bemüht zu sein, dass Fachbegriffe dem Publikum erklärt werden. Zweitens verharrte diese Folge (wie andere) zu sehr im Theoretischen. Dabei wäre doch gerade ein Thema wie Vorfälle in der Fliegerei ideal, um über echte Anekdoten zu sprechen. Das macht die Sache leichter fassbar und lebendig.

Und drittens geht es mir am Anfang des Podcasts viel zu lange, bis das eigentliche Gespräch anfängt: In medias res, sollte die Devise sein!

Hier ist der Feed des Podcasts. Spenden sind u.a. via Flattr und Patreon möglich.

151021-apollo2.jpg
… Mond. (Bild: Project Apollo Archive/Flickr.com)