Im Beitrag Airplay fehlt schon sehr habe ich den Raumfeld One S Lautsprecher vorgestellt. Er klingt ausgezeichnet, hat aber einen Nachteil: Er unterstützt kein Airplay. Er kann somit keine Podcasts oder Hörbücher wiedergeben.

Das ist ein Manko – aber gleichzeitig auch eine Herausforderung: Kann man es schaffen, diese Limitation zu umgehen? Um die Pointe vorweg zu nehmen: Bei meinem ersten Versuch hat es leider nicht geklappt. Ich bin kurz vor dem Ziel gescheitert.

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Mehr als diese Software braucht man nicht, um ein nettes Webradio zu starten.

Mein Ansatz war nun nicht, die Firmware des Lautsprechers zu hacken und dort die Airplay-Funktion reinzubasteln. Das könnte vielleicht sogar funktionieren, würde meine Fähigkeiten aber übersteigen – und wäre den Aufwand wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise wert. Aber wenn jemand anderer diesen Weg gehen will – ich weise hier im Blog gerne auf diesen Lösungsweg hin. ;-)

Ich habe bei der Webradio-Funktion der Raumfeld-App angesetzt. Sie unterstützt TuneIn, die bekannte Radio-App TuneIn, die ich seit Urzeiten verwende. Die Idee war nun, mit Hörbüchern, Podcasts oder Audioinhalten aus dem Web einen privaten Webradio-Stream aufzusetzen, den man via TuneIn auf dem Raumfeld-Lautsprecher empfangen könnte.

Simpel – denn was man braucht, ist lediglich eine Software fürs Webradio-Streaming. Es gibt mit Icecast2 sogar eine Server-Software für den Raspberry Pi, sodass man den als Relais einsetzen könnte. Für den Machbarkeitsnachweis habe ich es aber erst einmal mit Mac-Programmen probiert.

Als erstes kam der schon etwas in die Jahre gekommene Quicktime Broadcaster von Apple zum Einsatz. Ohne Erfolg: Er verweigerte den Stream mit dem Fehler -5420. Als zweites habe ich es mit Nicecast von Rogueamoeba probiert. Von diesem Hersteller verwende ich bereits Soundsource (Klangwellen einfach kanalisieren) und Airfoil (Airplay, aber flexibel!). Airfoil kann auch als Airplay-Empfänger fungieren. Um von einem iOS-Gerät via Airplay an den Raumfeld-Lautsprecher zu senden, kommt diese Funktion wie gerufen: Via Airfoil empfängt das Macbook das Airplay-Audiosignal vom iPhone oder iPad und sendet es als Webradio-Stream weiter zum Lautsprecher. Piece of cake!

Nicecast erwies sich anfänglich als nicht sehr nett, indem die Geräte sich weigerten, den Stream zu empfangen. Lösen liess sich dieses Problem, indem ich in der Server-Komponente die IP-Adresse des Empfangsgeräts manuell gesetzt habe. Das zweite Problem war, in der TuneIn-App manuell eine Streaming-Adresse hinzuzufügen, die sich nicht im TuneIn-Katalog der öffentlichen Radiostationen befindet: Das geht, wenn man in der Liste bei Profil, wo sich die Rubriken Sender und Sendungen sowie Kategorien befinden, ganz ans Ende scrollt und auf Neue URL hinzufügen tippt.

Als diese beiden Hürden genommen waren, spielte die TuneIn-App am iPhone fröhlich das Audiosignal vom MacBook. Übrigens eine praktische und annähernd universell brauchbare Methode, um ein Audiosignal auch übers öffentliche Internet an irgend ein Gerät zu schicken.

Nun noch der letzte Schritt: Die Radiostation via Raumfeld-App am One-S-Lautsprecher zu wählen. Meine (naive) Erwartung war nun, dass die als Favorit abgespeicherte «Radiostation» von meinem Macbook in der Raumfeld-App auftauchen würde. Das war leider nicht der Fall. Die Raumfeld-App ignoriert alles, was man in der TuneIn-App einstellt. Es scheint in der Tat so zu sein, dass Raumfeld von TuneIn nur den Katalog mit den Radiostationen verwendet, aber weder die auf dem iPhone installierte TuneIn-App zugreift noch die im TuneIn-Benutzerkonto hinterlegten Radiosender benutzt. In der Anleitung zur App heisst es wie folgt:

Derzeit können Sie über den Raumfeld Controller nur auf Radiostationen zugreifen, die im TuneIn-Verzeichnis gelistet sind. Eine Option zum manuellen Hinzufügen von Radiostationen in den Musikindex der Raumfeld Base ist aber in Planung

Mit anderen Worten: Meine ganze Mühe war für die Katz. Der Raumfeld-Lautsprecher mag sich noch nicht einmal mit meinen privaten Radio-Stream anfreunden. Das ist letztlich doch sehr enttäuschend: Die Integration von TuneIn in der Raumfeld-App kann nur als missraten bezeichnet werden.