Apple ist bekanntlich grossartig darin, die Klappe ganz weit aufzureissen und dann der Welt zu verstehen zu geben, dass nun jeder das gleiche tun soll – um dann ein andächtiges «Ohhhh…?!» zu hauchen. Ob der grossartigen technischen Errungenschaften, mit denen Apple die Welt mal wieder beglückt.

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Was die Verhunzung meiner Mediathek angeht, hat Apple ganze Arbeit geleistet. (Zur Erklärung: Das sind alles Songs, die zu einem Album gehören und somit das gleiche Coverbild haben müssten.)

Etwas weniger grossartig ist Apple, wenn es darum geht, fehlerfreie Software abzuliefern. Was habe ich mich mal wieder geärgert! Erst über mich selbst, weil ich ohne Nachzudenken beim Erscheinen von Apple Music die iTunes Cloud-Mediathek aktiviert hatte. Und dann über Apple, weil die meine düstersten Vorahnungen wahr gemacht und meine Mediathek komplett zerschossen haben. Weil Apple, obwohl grossartigstes Unternehmen auf diesem Planeten, nicht in der Lage ist, eine Funktion wie die Cloud-Mediathek frei von haarsträubenden Fehlern zu implementieren.

Das hat sich so geäussert: Als ich einmal auf die Idee kam, das nach wie vor grossartige Album Into the Wild von Eddie Vedder zu hören, kam stattdessen Mani Matter mit I han es Zündhölzli azündt. Auch eine schöne Platte. Aber – auch wenn Mani Matter und Eddie Vedder Brüder im Geiste sind – halt doch nicht die Musik, die ich mir gerade ausgesucht hatte.

Die Nachforschungen ergaben, dass die Musikdateien in meiner iTunes-Mediathek nicht mehr das enthielten, was sie gemäss Dateiname, Speicherort und Metadaten hätten enthalten müssen. Die Inhalte vieler Audiodateien waren willkürlich ausgetauscht worden. Und es waren nicht nur einige wenige Songs betroffen, sondern sehr viele. Ich habe gegoogelt und herausgefunden, dass andere Leute betroffen sind. Sogar Forbes hatte darüber geschrieben. Es sind so viele Leute, dass Apple sich genötigt sah, ein Supportdokument zu veröffentlichen: Vorgehensweise, wenn iTunes Match oder Apple Music Informationen in der Musikmediathek nicht korrekt anzeigen und Sie vor Kurzem Ihr iTunes Match-Abonnement gekündigt haben

Hier heisst es:

In seltenen Fällen kann es dazu kommen, dass Kunden, die iTunes Match abonniert hatten und gekündigt haben, Informationen zu Interpreten, Alben und Titeln sowie Bildmaterial in iTunes Match oder Apple Music falsch angezeigt werden.

Der Behauptung, es seien nur «seltene» Fälle, lässt sich die Berichterstattung in den Medien entgegenhalten. Mich würde nicht wundern, wenn manche Nutzer noch gar nicht gemerkt haben, dass in ihrer Mediathek ein Chaos herrscht. Da ich inzwischen Spotify häufiger als meine lokale Musiksammlung nutze, ist es mir nur durch Zufall aufgefallen.

Ich habe dann Apples Rigmarole durchgespielt, ohne Erfolg. Die Mediathek war nicht mehr zu retten. Ich habe sie gelöscht und via Time Machine wiederhergestellt.

Fazit ist für mich, dass ich endgültig die Finger von Apple Music lassen werde. Meine Skepsis, was Clouddienste von Apple angeht, ist massiv gewachsen und auch für die Verwaltung meiner Musik werde ich mir etwas Neues überlegen. Und generell stelle ich mir die Frage, ob man (auch aufgrund dieser Vorfälle) Apple das Vertrauen nicht komplett entziehen müsste… Vorerst halten mich noch paar Dinge. Aber der wichtigste Umstand, der mich im Moment ausharren lässt, liegt darin, dass ich Android einfach nicht mag.