Von Raumfeld habe ich vor einiger Zeit ein Testexemplar des (auch hier besprochenen) One S bekommen. Das ist ein kompakter WLAN-Lautsprecher, der mit 250 Franken zu Buch schlägt und das Einsteigermodell von Raumfelds Multiroom-Produktlinie bildet (Amazon Affiliate).

Die positive Fazit vorneweg: Der Lautsprecher ist mit 18 × 13 × 11 Zentimeter Abmessung handlich und mit 50 Watt dennoch leistungsstark. Das Design ist schlicht genug, um fast in jede Wohnung zu passen. Die Verarbeitung ist solide und der Klang so gut, wie man es von einem kleinen Brüllwürfel erwarten kann. Klever auch die vier Direktwahltasten am Gerät. Mit ihnen kann man Songs, Playlisten und Radiostationen abspeichern und später ohne die App wieder aufrufen.

150831-raumfeld-one-s.jpg
Die Vespa gehört nicht zum Lieferumfang.

Darum ist die Tochter des Berliner Unternehmens Lautsprecher Teufel eine sehr erwägenswerte Alternative zu Sonos und Co.

Airplay muss sein
Und jetzt die Kritik hintendrein: Beim Einsteigermodell hat sich Raumfeld entschieden, Airplay wegzulassen. Man bespielt die Box über die Raumfeld-App (Android, iPhone), wo man Zugriff auf die auf dem Gerät gespeicherte Musik hat. Auch die Spotify-App (Android, iPhone, Windows, OS X) entlockt dem Lautsprecher Musik. Er beherrscht nämlich Spotify Connect: Bei dieser Technologie dient das Smartphone oder der Computer nur als Controller. Der Lautsprecher empfängt die Musik dann selbst via Internet. Es ist nicht nötig, dass der Datenstrom einen Umweg über das Smartphone oder den Computer macht und man kann seine Lautsprecher sogar dann steuern, wenn man nicht zu Hause, d.h. nicht in seinem Heimnetzwerk weilt.

Ach ja: Man kann auch Musik von direkt angestöpselten USB-Speichermedien spielen.

Für mein Hörverhalten ist Airplay allerdings unverzichtbar. Ich höre nicht nur Musik, sondern auch Podcasts und Hörbücher. Die «leben» in ihren eigenen Apps und lassen sich nicht aufs Gerät bringen1. Ausserdem verwende ich nebst der Musik-App von Apple immer häufiger auch Google Music (siehe Ciao iTunes Match). Schliesslich benutzen wir Unser Libratone Zipp (siehe Der Musikkübel) oft beim Netflix- oder Wilmaa-Schauen als externen Lautsprecher. Auch das geht nur mit Airplay. Und für eine möglichst flexible Nutzung achte ich bei wLAN-Lautsprechern auch auf die Konkurrenz-Protokolle DLNA und Google Cast.

Mit anderen Worten: Für Leute wie mich, die unter Audio nicht nur Musik subsummieren, ist die Nutzung nur über die Hersteller-App eine zu starke Einschränkung. Ich würde für eine Airplay-fähige Variante des One S auch ein paar Franken Aufpreis bezahlen.

Luft nach oben
Die Raumfeld-App selbst ist brauchbar, hat aber ihrerseits einige Mängel: Meine in iTunes gefertigten (und oft benutzten) Wiedergabelisten tauchen leider nirgendwo auf. Und die Installation war etwas umständlich, indem man den Lautsprecher für die initiale Konfiguration per Netzwerkkabel am Router anschliessen musste. Und: Die App erlaubt auch das Steuern des erwähnten Libratone Zipp, kriegt beim Parallelbetrieb mit dem One S aber nicht hundertprozentige Synchronität hin. Mit geschlossener Tür kann man die beiden Geräte im Multiroom-Betrieb nutzen. Bei offener Tür ist das Echo sehr irritierend.

Footnotes

  1. Ein Umweg könnte ein privates Ad-hoc-Webradio sein, das man via One S empfängt. An einer solchen Lösung werde ich herumtüfteln und, wenn etwas daraus wird, sie in diesem Blog publik machen. ^top