In letzter Zeit treffen bei der Kummerbox noch mehr Fragen als sonst zu möglichen Spionagefällen ein. Viele Leute fürchten sich ein bisschen vor ihren eigenen Geräten: Hockt da eine Software drin, die mich aushorcht? Oder glotzt mir sogar jemand durch die eingebaute Kamera ins Gesicht?

Klappe zu, Hacker draussen
Ist das paranoid oder doch nicht komplett unbegründet? Genaues weiss niemand nicht. Mit manchen Leuten, die sich verfolgt fühlen, dürfte die Fantasie durchgegangen sein. Erst letzte Woche habe ich ein längeres Telefongespräch mit einer Dame geführt, die sich nicht mehr sicher vor ihren Nachbarn fühlt. Es kann gut sein, dass sie an sich harmlose Vorkommnisse falsch interpretiert und überbewertet. Aber vielleicht ist einer der Nachbarssöhne tatsächlich das technische Wunderkind, für das sie ihn hält – und ihr Computer entsprechend verwanzt.

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Offen…

Die grossflächige Schnüffelei ist real, daran gibt es leider keinen Zweifel. Die Angst vor gezielten Angriffen unter Nachbarn, Konkurrenten, Neidern oder Hassern scheint mir im Schnitt überzogen. Ich glaube nicht, dass sie häufig vorkommen. Dazu gehört so viel Fachwissen, dass man das nicht für alltägliche Streitereien im privaten Rahmen verschwendet. Umgekehrt dürften 99 Prozent aller realen Spionage-Fälle zur berühmt-berüchtigten Dunkelziffer gehören.

Trotzdem: Es gibt die Möglichkeit zur Spionage, wie ich im Beitrag Gute Software, böse Software ausführe. Nach dem Leitsatz, dass Vorsicht besser als Nachsicht sei, kleben viele Leute in meinem Umfeld ihre Kamera ab – auch solche, die keinen expliziten Hang zur Paranoia haben.

Sichtschutz aus Zürich
Das Zürcher Unternehmen Soomz hat unter dem Schlagwort Stay out of my zoo! ein Ding namens Blink entwickelt. Das kommt ist ein kleiner, selbstklebender Schieber, den man über die Linse seiner Smartphone-, Tablet- oder Laptop-Kamera klebt. Wenn man die Kamera benutzen will, öffnet man den Schieber. Sonst hält man ihn geschlossen. Das Set à fünf Blinks kostet 11.90 Franken.

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… zu!

Wir haben auf der Redaktion ein Testset bekommen. Die Idee scheint mir pfiffig. In der Praxis taugt der Blink nicht für jedes Gerät. Obwohl ziemlich flach, kann der Blink dazu führen, dass der Laptopdeckel nicht mehr sauber schliesst. Beim iPhone 6 mit seiner hervorstehenden Linse lässt er sich bei der Rückkamera nicht ankleben. Bei der Frontkamera klappt das Ankleben. Ich habe allerdings Zweifel, dass der Schieber so solide auf dem Gerät sitzt, dass man ihn beim Transfer in den oder aus dem Hosensack nicht abstreift. Auch sind beim Smartphone meine Befürchtungen wegen Überwachung nicht so gross. Das Telefon liegt schliesslich meistens auf dem Tisch, sodass ein Spion bloss die Decke sehen würde. Oder ich trage es in der Hosentasche herum, sodass ein Spion nur das Innere meiner Jeans sehen würde. Das eigentliche Problem beim Smartphone scheint mir das Mikrofon zu sein – und das lässt sich leider nicht ohne weiteres ausser Gefecht setzen.

Fazit: Ich würde den Blink für Geräte empfehlen, die vor allem stationär benutzt werden und deren Kamera entsprechend dauernd in die Wohnung oder das Büro gerichtet sind.