Neulich hat es bei der Kummerbox ein eher aussergewöhnliches Problem reingeschneit. Eine Tanzpädagogin wollte wissen, wie sie ihre Songs am iPad nach Tempo verwalten kann – denn für sie ist es wichtig, je nach Übung den passenden Rhythmus parat zu haben. Eine interessante Aufgabe, die sie bislang durch Zweckentfremdung der Wertungssterne löste.

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Bei Cadence wählt man das Tempo über den grossen Regler (links). Die Songs werden über Echonest mit Tempoangaben versehen (rechts).

Eine interessante Ausgangslage. Einerseits ein pragmatischer Ansatz, die Einteilung über die Wertung vorzunehmen. Andererseits bin ich schon der Ansicht, dass eine saubere Lösung vorzuziehen wäre. Ordentliche Metadaten sind mir ein drängendes Anliegen.

In den Metadaten gibt es längst ein Feld fürs Tempo. iTunes zeigt es im Informationen-Dialog (Ablage > Informationen oder Cmd + i). Es ist mit BPM angeschrieben, was für Beats per minute oder Schläge pro Minute steht. Das ist, so wie ich das mit meinen laienhaften Musikkenntnissen begriffen habe, das Tempo, das einem das Metronom vorgeben würde. Das heisst, statt die Wertung herzunehmen, sollte die Fragestellerin im BPM-Feld die Metronomzahl eintragen. Diese Angabe lässt sich für Wiedergabelisten heranziehen. Über Ablage > Neu > Intelligente Wiedergabeliste lässt sich eine Liste einrichten, die automatisch anhand der vergebenen Merkmale mit Titeln gefüllt wird. Unter den Kriterien lässt sich BPM auswählen, und mit der Option Ist im Bereich kann die Fragestellerin auch sehr schön eine Bandbreite angeben, zum Beispiel 95 bis 115 BPM.

Leider ist das Feld bei gekauften digitalen Songs quasi nie ausgefüllt. Von den gut 1000 Interpreten in meiner Mediathek gibt es gerade sieben Interpreten, deren Songs BPM-Angaben aufweisen (Billy Idol, Billy Joel, Björk, The Dubliners, Jean-Michel Jarre, Maria Mena und Sting). Das ist echt schwach. Würden die Plattenfirmen sorgfältig mit ihrem Produkt umgehen, wäre diese Information selbstverständlich ausgewiesen. Sie würde die Musikverwaltung nicht nur für Tanzpädagoginnen vereinfachen, sondern für uns alle. Eine intelligente Playlist, in der man das Genre und die BPM-Zahl vorgibt, ergäbe schon mal eine gute Ausgangslage. (Für eine abwechslungsreiche Wiedergabeliste würde ich allerdings nicht nur die Genres, sondern auch das Tempo variieren.)

Jedenfalls müsste sich diese Aufgabe mit Hilfe von Software lösen lassen. Es gibt Programme, die die BPM-Zahl in die Songs reinschreiben, zum Beispiel der BPM Analyzer von Mix-Meister. Da die Fragestellerin ein iPad verwendet, würde ich allerdings bei den Apps ansetzen. Die vor Längerem vorgestellte Moodagent-App erstellt automatische Mixes, bei denen sie auch das Tempo miteinbezieht. Man kann bei der das Tempo aber nur so ungefähr vorgeben, darum habe ich einige Apps getestet, die versprechen, die Mediathek nach BPM-Werten zu filtern.

Cadence (4 Franken im App Store) taggt die Songs anhand der Datenbank von Echonest. In der geht es darum, die Songs dieser Welt mit möglichst vielen Informationen zu versehen – also genau das, was wir Musikfans schon lange haben wollen. Die App eröffnet auch Zugang zu cadence.fm. Das ist ein Dienst, der Soundcloud-Inhalte nach Tempo sortiert auf mobile Geräte streamt.

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Falsch getaggte Songs kann man sowohl bei Cadence (links) als auch bei Tempo Magic Pro (rechts) korrigieren.

In der App tippt man auf Music on Your Device, wählt Yes – Update BPMs und lässt sie die Tempo-Angaben analysieren. Ist sie damit fertig, gibt man über einen grossen Schieberegler das Tempo vor, worauf man die passenden Songs hört. Nun bin ich leider der arhytmischste Mensch auf diesem Planeten (wie Leute in meinem Umfeld gerne bestätigen werden), weswegen ich leider nicht in der Lage bin, verlässlich zu beurteilen, wie gut die BPM-Angaben von Echonest wirklich sind. Wenn ich mich auf mein Gefühl verlassen darf, dann sind sie schlecht bis sehr schlecht. Immerhin offeriert die Cadence-App über die Schaltfläche Edit Song die Möglichkeit, eine offensichtliche Falschangabe zu korrigieren (Option Fix Song). Dazu tippt man im Takt auf das grosse weisse Feld, worauf die App nach ungefähr zehn Beats den BPM-Wert ermittelt.

Über die Noten-Schaltfläche ist es möglich, die Auswahl auf ein oder mehrere Genres einzuschränken.

Fazit: Wenn man der App die häufigen Abstürze verzeiht und gewillt ist, die mitunter falschen Echonest-Angaben zu korrigieren, eröffnet Cadence Sportlern und DJs eine gute Möglichkeit, ihre Songs nach Tempo zu selektieren.

Tempo Magic Pro (5 Franken im App Store) verrät nicht genau, wie die BPM-Zahl eruiert werden. In der Hilfe wird darauf verwiesen, dass die BPM-Erkennung bei manchen Songs schwierig ist. Falls sich die Software nicht sicher ist, zeigt sie ein blinkendes Fragezeichen. In Fällen fehlender oder falscher BPM-Angaben kann man manuell eingreifen, indem man die Beats über ein Feld vorgibt.

Bei Tempo Magic Pro fügt man seine Songs über das Playlist-Symbol links unten einer Wiedergabeliste hinzu. Dann gibt man über Orig BPM das gewünschte Tempo vor. Der Clou bei der App ist nun, dass man über einen Schieberegler das verändern kann, auf den BPM-Wert, den man für sein sportliches Training gern hätte. Dazu zieht man den grossen Regler in der Mitte, worauf sich der Wert bei Magic BPM entsprechend verändert. Die App passt dann alle Songs an diesen Wert an und erlaubt Veränderungen von -30 Prozent bis +30 Prozent. Wenn man das nicht möchte, tippt man auf Reset und sperrt den BPM-Wert über die Lock-Taste.

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Tempo Magic Pro macht Songs auf Wunsch auch langsamer oder schneller, damit sie zum «Magic-BPM-Wert» passen (links). Den BPM-Wert stellt die App selbst fest. Falls sich die App bei einem Wert nicht sicher ist, wird er gelb markiert (rechts).

Die App hat eine Anbindung an Yes Fitness Music, ein Dienst, der fertige Mixes für sportliche Betätigung anbietet.

Fazit: Die Songs zu beschleunigen oder abzubremsen, scheint mir reichlich barbarisch – aber wenn die Bewegung und nicht der Musik im Vordergrund steht, dann mag das nebensächlich sein. Mir gefällt an der App, dass sie in der Wiedergabeliste die BPM-Werte ausweist und bei den Songs, wo sich der Wert schlecht feststellen lässt, nicht irgend etwas behauptet, sondern einen darauf aufmerksam macht, dass man etwas nachhelfen müsste.

PaceDJ (2 Franken im App Store) bezieht seine Informationen ebenfalls von Echonest. Diese App überwacht gleichzeitig die sportliche Aktivität und misst die Meilen, die man zur Musik gejoggt ist oder sich im Fitnessstudio verausgabt hat. Man kann vorgeben, wie lange man trainiert und welches Intervalltraining man dabei gerne hätte. Beispielsweise sanft ansteigend und gegen Ende wieder abfallend. Oder: Relativ rasant intensiver werdend, mit einer langen Erholungsphase gegen Ende. Für die Tanzpädagogin, die ihr eigenes Programm durchziehen will, ist das natürlich nichts. Aber für Für-sich-Jogger könnte das durchaus anspornend sein. (Stelle ich mir vor. Ich höre auf der #Velorunde Podcasts und hoffe, dass mich der geistige Input antreibt.)

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PaceDJ verändert das Tempo während eines Trainings automatisch anhand des Intervall-Programms (links). Die BPM-Angaben stammen von Echonest (rechts).