Zeitleisten sind ein Mittel, den zeitlichen Verlauf von komplexen Ereignissen abzubilden. Ob historisch oder zeitgenössisch – man sieht, wie sich die Dinge entwickeln. Die Gestaltung von solchen Zeitleisten (oder Timelines) ist ein Kapitel für sich. Man kann sie natürlich von Hand in einer Gestaltungssoftware wie Adobe Illustrator oder Inkscape basteln, aber im Schnitt ist das eine Heidenarbeit, die man besser mit einem spezialisierten Werkzeug erledigt. Beim Tagesanzeiger hat Kollega Jan Rothenberger mit Hilfe von TimelineJS eine Zeitleiste zu Twitter gebaut.

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Frontal in den NSA-Skandal…

Ein schöner Webdienst für Zeitleisten ist Tiki Toki. Er bietet ein Freemium-Modell.

Gestalten per WYSIWYG
Für eine neue Zeitleiste vergibt man einen Titel und ein Intro-Bild, legt Startdatum und Enddatum fest, erfasst eine Einführung und einen About-Text und legt die Farben für den Hintergrund und die hervorgehobenen Elemente fest. Die Gestaltung erfolgt dann in einem WYSIWYG-Editor, der bereits eine Vorstellung davon gibt, wie die fertige Zeitleiste aussehen wird. In diesem Editor leistet man die eigentliche Knochenarbeit: Man erfasst Ereignis für Ereignis, wobei es pro Eintrag einen Titel, ein Start- und Enddatum und eine Kurzbeschreibung zu vergeben gilt. Man kann ausserdem einen Link hinterlegen und unter Story media Bilder, Video und Audio hinzufügen.

Mit dem kostenlosen Account darf man eine Zeitleiste erstellen, die jedoch Werbung enthält. Für 7.50 US-Dollar (Bronze-Account) pro Monat erstellt man bis 5 Zeitleisten, darf diese einbetten und sie bis 5000 mal pro Monat anzeigen lassen. Die Silver-Variante mit bis zu 25 Zeitleisten und 20’000 Views kostet 25 Dollar pro Monat. Und es existiert ein Preisplan für Lehrer und Schüler, der mit 125 Dollar zu Buch schlägt.

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Tiki-toki ist ein zweckdienliches Werkzeug – Knochenarbeit ist die Erstellung einer Zeitleiste aber trotzdem.

Heise.de hat mit diesem Werkzeug eine zeitliche Übersicht des NSA-Skandals erstellt, die zum einen die Möglichkeiten des Dienstes ins richtige Licht rückt und zum anderen auch einfach sehr informativ ist. Das Beispiel zeigt nebst der normalen, linearen Ansicht die 3-D-Perspektive, bei der man sich quasi frontal durch die Zeit bewegt.

Gut, aber teuer
Fazit: Tiki-toki macht beim ersten Augenschein einen ausgereiften Eindruck. Die Darstellung gefällt mir sehr gut. Es gibt diverse Einstellungsmöglichkeiten. Man kann beispielsweise festlegen, welches Datum beim Öffnen der Zeitleiste voreingestellt ist. Es gibt diverse Optionen zur Darstellung des Zeitformats und zur Privatsphäre: Zeitleisten können öffentlich, privat oder passwortgeschützt angelegt werden. Die Navigationsleiste am Fuss vereinfacht nicht nur das Vor- und Zurückblättern, sondern zeigt mit Farbmarkierungen auch, wann wie viele Einträge vorhanden sind – so sieht man sehr schnell, wann Ereignisse überstürzten und wann Flaute herrschte. Eine Suchfunktion ist auch vorhanden. Mittels Hilfsmitteln wie den Kategorien kann man auch umfangreiche Ereignisse abbilden, und es gibt sogar einen Group Edit-Modus, in dem mehrere Leute an einem Projekt arbeiten (der ist allerdings erst ab dem Bronze-Datenplan verfügbar). Die Zeitleiste kann auch als PDF exportiert oder gedruckt werden und ein Export fürs CSV-Format ist ebenfalls vorhanden.

Die Preise sind für meinen Geschmack hoch, denn 5000 Views pro Monat erreicht man auch als kleiner Blogger, wenn man den viralen Nerv seines Publikums trifft. Und dann berappt man statt 7,50 sogleich 25 US-Dollar pro Monat.