Hausarbeit – das ist eine wunderbare Gelegenheit, Podcasts zu hören. Beispielsweise Brian Dunning mit seiner Skeptoid-Show, der inzwischen bei der Folge 381 angelangt ist. Die heisst An Enthusiast’s Primer on Study Types und erklärt wissenschaftlich Unbeleckten wie mir, welche Formen es bei wissenschaftlichen Studien gibt und was die Unterschiede sind. Gut zu wissen, finde ich.

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Wischt friedlich vor sich hin, so lange keiner drüberstolpert.

Das heisst, dass man eigentlich mehr Hausarbeit machen sollte, nicht weniger. Zumal man mit dem passenden akustischen Beistand es nicht verhindern kann, klüger zu werden. Erhellend fand ich auch die beiden Podcasts von Holger Klein zum Thema Krebs. Das Gadget, das ich für den Tagi getestet habe, ist allerdings dazu da, einem Hausarbeit abzunehmen. Es gehört in den Bereich der Serviceroboter und sorgt für Sauberkeit. Die Marie, wie ich den Roboter zu nennen pflege, heisst offiziell iRobot Braava 380, ist für 349 Franken erhältlich, 1,8 Kilogramm schwer und wischt den Boden – Parkett, Laminat, Fliesen oder kurz «Hartböden aller Art».

Putzen auf Zuruf?
Und, um die Überschrift dieses Blogposts gleich zu entschärfen – nein, die Marie macht nicht auf Zuruf sauber. Im Gegenteil, sie braucht einiges an Betreuung, bevor sie sich an ihre Arbeit macht. Fürs feuchte Wischen muss das Pad mit Wasser gefüllt werden. Dann bespannt man das Pad mit einem Mikrofasertuch, setzt es auf den Roboter, platziert den Roboter im Raum und startet ihn. Damit das funktioniert, muss die Marie aufgeladen sein – und dann muss man auch den Würfel entsprechend platzieren, der die sog. «Indoor GPS-Navigation» ermöglicht. Das ist natürlich ein bescheuerter Begriff, denn mit GPS hat das nichts zu tun. So, wie ich die Sache verstanden habe, ermittelt der Würfel anhand der Decke den Grundriss und dirigiert die Marie dann durch die Wohnung. So weiss sie, wo sie schon war und wo sie noch hin muss.

Das sind einige Vorbereitungen, die man für den Roboter verrichten muss. Es kann, je nach Raumverhältnissen auch sinnvoll sein, Teppiche zurückzuschlagen, Vorhänge zu raffen, Hindernisse wie Sessel oder Beistelltische wegzustellen, denn das macht die Marie auch nicht. Dort, wo sie nicht hinkommt, putzt sie nicht. So einfach ist das.

Über die Schwelle tragen
Und ja, es ist so, dass dass man die Marie auch über die Schwellen tragen muss – und zwar, anders als diese bedeutungsschwangere Formulierung vermuten lässt, ganz unzeremoniell. Sie fährt auch nicht, wie manche der Saugroboter, automatisch in die Dockingstation, wo sie sich quasi selbst verräumt, sondern bleibt nach getaner Arbeit im Raum stehen. Denn man sollte den Lappen auswaschen und auch das Pad durchspülen.

Oder kurz: Man findet sich in der Rolle des Bediensteten seines Dienstpersonals wieder. Das entspricht nicht ganz meiner kindlichen Vision von Sciencefiction, wo ein Roboter auf zwei Beinen die Wischerei völlig autonom erledigt und auch das Abstauben übernimmt, den Abfall runterträgt und dabei, je nach Modell und Preisklasse, noch sexy mit dem Hintern wackelt. Nein, letzteres nehme ich zurück, um nicht für pervers gehalten zu werden.

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Sieh her, wie fleissig ich war!

Im Ernst: Ein Wischroboter nimmt einem zwar die eigentliche Arbeit ab, hält einem die Hausarbeit aber nicht komplett vom Leib. Es ist sogar so, dass er einem einen gewissen Modus Operandi aufdrängt. Ein Putztag pro Woche ist beim Robotereinsatz unpraktisch: Man müsste ihn wie beschrieben betreuen und von einem geputzten Raum in das nächste, noch zu putzende Zimmer verfrachten. Gekauft werden die Serviceroboter jedoch, so würde ich vermuten, von Junggesellen, die nie zu Hause sind. Oder von DINKs, die auch nie zu Hause sind. Entsprechend wird man sich angewöhnen, den Roboter kurz vor Aufbruch zur Arbeit auf einen der Räume in der Wohnung loszulassen und ihn so tageweise durch alle Zimmer rotieren zu lassen. Was bedeutet, dass man ihn nicht piepsen hört, wenn er im Vorhang hängen- oder unter dem Büchergestell stecken geblieben ist. Wenn das passiert, wird man bei der Rückkehr am Feierabend einen parziell ungeputzten Raum vorfinden und das Prozedere wiederholen müssen.

Nichts für die Sauberkeitsfanatiker unter uns
Was absolut akzeptabel ist für Leute, denen es auf einen Tag mehr oder weniger nicht ankommt. Für die Sauberkeitsfanatiker unter uns ist der Braava nicht das richtige. Denn er scheuert nicht, wenn er auf einen hartnäckigen Dreckfleck trifft, und er hat sich bei den Plättlifugen in unserem Gang keine besondere Mühe gegeben, obwohl das nötig gewesen wäre (was ihm meine Liebste angekreidet hat und wohl dazu führt, dass Marie nach der Testphase nicht bei uns bleiben darf, sondern zurückgeschickt wird). Natürlich – dafür fehlt ihr (der Marie, nicht meiner Liebsten) das Sensorium und mit ihren 1,8 Kilogramm Gewicht kann sie sich nicht wie unsereins mit Nachdruck auf den Wischmop werfen und so lange eine Stelle traktieren, bis jeglicher Dreck dahin ist – oder der Swiffer zu einzelnen Fasern zerfällt.

Fazit: Momentan ist die Technik noch nicht so weit, dass wir «Hey Marie, ich bin übers Bier gestolpert und da sind mir die Salzbrezeln runtergefallen. Kannst du mal die Sauerei wegmachen?» rufen könnten, nachdem sich ein kleines Malheur ergeben hat. Doch allzu lange kann das eigentlich nicht mehr dauern… Was den Braava angeht, fänd ich es gut, wenn die Knöpfe noch etwas grösser wären, sodass man sie ohne Bücken mit den Zehen bedienen könnte. Auch die akustischen Signale und die Blinkzeichen sind für Nichthandbuchleser nicht selbsterklärend. Dass man sie nachschlagen muss, ist unpraktisch. Das «Indoor-GPS»-Modul braucht leider C-Batterien. Die sind in meinem Haushalt sonst nicht im Einsatz, sodass ich extra für den Roboter noch passende Akkus besorgen müsste – denn Einweg-Batterien widerstreben mir. Und was mich persönlich stört, ist, dass der Roboter eigentlich ein Nebenprodukt der Rüstungsindustrie ist (iRobot stellt diverse militärische Modelle her).