Ich gebe zu, manchmal fällt es mir schwer, nicht «Ich habe es doch gesagt» zu sagen. Ich rede von den Mails, die an die Kummerbox gerichtet sind und von herbem Datenverlust künden. Bei Gabriel ist Outlook abgeraucht. Norbert kann seinen USB-Stick nicht mehr lesen. Patricias iTunes-Mediathek ist plötzlich leer. Paul hat das gleiche Problem, nur mit iPhoto. Angela vermisst alle ihre Doks, weil der Computer nach den Ferien den Start verweigert. Und so weiter – das sind übrigens alles reale Beispiele aus den letzten paar Wochen, bei denen mir nur die (oft nicht erfolgversprechenden) Hinweise auf die Datenrettung blieb.

Solche herzerreissenden Dramen auszumerzen, ist mir in 13 Jahren als Kummerbox-Betreuer nämlich noch nicht gelungen. Trotz rund 40 Artikeln, die das Thema in der einen oder anderen Form gestreift haben. Doch stur wie ich bin, gebe ich nicht auf und gebe hier einen frischen Aufwasch meiner Empfehlungen zur Datensicherung, neudeutsch auch Backup genannt. Die eigentliche Empfehlung ist indes ja simpel: Alle Daten, die man nicht verlieren möchte, sollten mindestens doppelt gespeichert sein. Auf einem externen Speichermedium, einem USB-Stick oder einer virtuellen Festplatte im Netz. Fotos, Word-Doks, Musik, die selbstgedrehten Videos. Wenn die nicht nur auf der internen Festplatte lagern, sondern auf einem zweiten Datenträger, dann ist schon viel gewonnen.

190906-facepalm.jpg
Oh, hätte er doch datengesichert! (Bild: striatic/Flickr.com)

Wie man diese Strategie verfeinert, das soll nachfolgend beschrieben werden:

Dem Fotografen und Autor Peter Krogh ist die doppelte Speicherung nicht gut genug. Er hat die 3-2-1-Regel geprägt, die Folgendes besagt:

Die dreifache Strategie
3) Von einer wichtigen Datei sollten drei Kopien existieren: Eine primäre Datei und zwei Sicherheitskopien.

2) Setzen Sie zwei Datenträger-Typen ein. Die Speicherung auf Festplatte ergänzt man mit einer Sicherung auf einem optischen Speichermedium, zum Beispiel einer CD-R oder DVD-R. Das mit den optischen Speichermedien ist seine Idee. Für Leute oder KMUs mit vielen Daten sind die optischen Speichermedien nicht praktisch. Ausserdem sind diese Medien meiner Erfahrung nach nicht sonderlich zuverlässig – und von wiederbeschreibbaren Medien (DVD-RW und CD-RW) sollte man sowieso die Finger lassen. Für kleine Unternehmen ist ein Bandlaufwerk eine gute Wahl. Private greifen zur SSD oder zum USB-Stick.

1) Mindestens eine Kopie muss offsite, das heisst ausser Haus gespeichert sein. Es gibt Dienstleister fürs Offsite-Backup (von denen wird noch die Rede sein). Man kann aber auch einfach eine externe Festplatte mit einer Datensicherung in einem verschliessbaren Schrank im Büro lagern. Für diesen Weg verwendet man idealerweise zwei Festplatten, damit eine im Büro in Sicherheit ist, während man die zweite nach Hause nimmt, um die neuesten Daten aufzuspielen. USB3-Festplatten sind für diesen Zweck von Vorteil, weil die Synchronisation einfach viel schneller geht. Ich empfehle, die Backup-Festplatten mit Bitlocker zu verschlüsseln.

Die grosse Frage wie geht es am einfachsten?
Die Gretchenfrage bei der Datensicherung dreht sich nicht um die Religion, sondern um die Frage, mit welchen Mitteln man die Sache bewerkstelligen will. Das Patentrezept gibt es nicht:

Diese Methoden sind für die einfachen, alltäglichen Belange geeignet. Für anspruchsvollere User, die viele Daten haben oder eine gezielte Sicherung wünschen, hier Hinweise auf die «Backup-Methoden für Fortgeschrittene».

Die zeitgemässe Sicherung im Netz
Wie erwähnt: Die Offsite-Datensicherung ist eine zeitgemässe, gute Lösung. Eine beliebtes Programm ist Crashplan, das ich im Tagi-Beitrag Backup unter Freunden vorgesteltl habe:

Diese Software stellt mehrere Backup-Methoden zur Verfügung. Man kann seine Dokumente auf einer externen Festplatte, bei den Servern von Crashplan.com oder aber auf dem eigenen Bürocomputer oder dem Computer eines Freundes sichern. Bei den letzten beiden Methoden sichert man Daten gewissermassen übers Kreuz: Die Daten des einen Rechners werden auf den anderen gespiegelt und umgekehrt. Das funktioniert kostenlos, verursacht aber doppelten Internetverkehr. Wenn man Crashplan einrichtet, minimiert man den Initialaufwand, indem man vom vorhandenen Datenbestand ein Backup-Archiv erstellt, dieses per Festplatte zum Freund verfrachtet und dort über den Attach-Befehl anbindet. Die Crashplan-Software ist kostenlos für Windows, Mac und Linux erhältlich.

Nach der Installation stellt sie unter Zielpfade vier Backup-Möglichkeiten bereit: Bei Freunde bindet man den Computer eines anderen Crashplan-Nutzers an, sodass er als Backup-Ziel bereitsteht. Die Berechtigung dafür wird über den Austausch eines Backup-Codes hergestellt. Er wird von der Software angezeigt und muss vom Backup-Partner eingetragen werden. Anwender, die mehrere Computer besitzen und den Crashplan-Client auf allen installiert haben, sehen bei Zielpfade unter Computer diese Maschinen und können sie als Ziel auswählen. Als dritte Möglichkeit steht Ordner zur Verfügung. Mit ihr kann man ein angebundenes Speichermedium nutzen, beispielsweise ein externes Laufwerk oder eine Netzwerkfestplatte.

Schliesslich kann die Datensicherung auch bei Crashplan Central, also auf den Servern des Anbieters erfolgen. Das ist nicht gratis: Für 10 GB bezahlt man 1.50 Dollar pro Monat, für 3 Dollar gibt es unbeschränkten Speicherplatz, und für 6 Dollar pro Monat kann man bis zu drei Computer sichern.

Eine Alternative ist Duplicati. Mit dieser Software kann man seine Daten automatisch auf virtuelle Festplatten wie Dropbox oder Skydrive sichern. Das habe ich im Beitrag Datenbackups in die Dropbox stopfen in diesem Blog im Detail beschrieben.

Es gibt weitere Backup-Dienste im Netz, namentlich Carbonite, das Norton Online-Backup von Symantec und der als ETH-Spinoff gegründete Dienst wuala.com.

Es geht natürlich auch onsite!
Nun ist es aber so, dass die Datensicherung im Internet nicht jedermanns Sache ist. Trotz Verschlüsselung bei den gängigen Diensten oder Peer-to-peer-Prinzip bei Wuala: Manche Leute wollen ihre Daten nicht aus der Hand geben. In diesem Fall helfen folgende Programme bei der lokalen Datensicherung:

  • Eine simple Methode ist nach wie vor, die veränderten Daten per Batch-Datei auf ein externes Laufwerk zu kopieren. Die Backup-Batch-Datei kann beim Herunterfahren des Computers automatisch ausgeführt werden. Wie das geht, habe ich vor einiger Zeit im Beitrag Ich sag zum Abschied leise Batch-Datei beschrieben. Als Backup-Gerät verwende ich einen Raspberry-Pi mit angehängter 2-TB-Festplatte. Siehe Samba olé.
  • Manche User schwören fürs Backup auf Robocopy. Dieses Konsolenprogramm wird im Beitrag Ein ausgebuffter Datenschieber beschrieben.
  • Fürs Backup kann man natürlich auch eine Synchronisationsprogramm verwenden, das den Inhalt der internen Festplatte auf eine externe Festplatte spiegelt. Ich verwende dafür seit Jahr und Tag Synchronizer von Aborange (29 Euro). Einen Anwendungsfall zeige ich im Beitrag Backup-Neurosen pflegen.
  • Wer auf ZIP-Archive steht, verwendet WinZip Pro (ab 36 Euro).
  • Z-DBackup ist ein «klassisches» Datensicherungsprogramm, das nebst der normalen Sicherung auch die inkrementelle, differentielle und chronologische Datensicherung beherrscht. Die Software ist für Privatanwender gratis!
  • Teracopy kopiert schneller und zuverlässiger als der Windows Explorer. Daher ist es für manuelle Datensicherer eine gute Wahl. Besprochen wird dieses Programm im Beitrag Dateikopieren im Schnellzugstempo.
  • Manche Mac-Anwender schwören auf das Programm SilverKeeper (kostenlos von Lacie). Es ist weiterhin erhältlich, zu Lion und neuer aber nicht kompatibel.

Als ob das nicht der Möglichkeiten genug wären, kann man auch die Festplatte als Ganzes, d.h. als Datenträger-Image sichern. Das ist dann sinnvoll, wenn ein defektes Betriebssystem möglichst schnell auf Vordermann gebracht werden muss. Im Beitrag Wie man Datenpannen sehr schnell überbrückt habe ich zu diesem Zweck Paragon Backup & Recovery vorgestellt.

Neuere Versionen von Windows können von Haus aus Festplatten-Images erstellen. Dieses Backup wird von Microsoft «Systemabbildsicherung» genannt und in den folgenden Beiträgen beschrieben:

Bei Windows 8 gelangt man am schnellsten zur Option zur Erstellung eines Systemabbilds, indem man die Windows-Taste und r betätigt und control /name Microsoft.BackupandRestore ins Ausführen-Feld eingibt.

Beim Mac sichert man Images mit der hervorragenden und seit Jahren bewährten Software Carbon Copy Cloner (CCC, rund 40 Franken).

Die nächste grosse Frage: Was sichern?
Das sind sehr viele Möglichkeiten. Um sie sinnvoll einzusetzen, muss man sich wohl oder übel mit der Organisation der Daten und Dokumente auf der Festplatte vertraut machen – denn sinnvollerweise sichert man nicht nur den Inhalt seines Dokumentenordners, sondern auch die Datendateien – also die Mailablage, die Lesezeichen, die persönliche Outlook-Datendatei, Wörterbücher, Preferences, und was es auf der Festplatte sonst noch so an Schätzen gibt. Hinweise dazu gebe ich im Beitrag Wegweiser zu den Daten-Depots.

Der langen Rede kurzer Sinn
Klar – in der Länge von mehr als 14’000 Zeichen wirkt dieser Beitrag einigermassen abschreckend. Man kann es sich aber in der Tat auch einfach machen, indem man ein kommerzielles Produkt wie Carbonite einsetzt oder ein Abo für Crashplan löst und diese Programme ihre Aufgabe verrichten lassen. In die Details dieses Beitrags muss man sich nur verbeissen, wenn man spezifische Ansprüche hat – oder besonders hohe Datensicherheit benötigt. Eines müsste aber klar sein: Auf Backups sollte man nicht verzichten. Bedingungsloses Vertrauen in den Computer und seine Festplatte ist nämlich erst dann angesagt, wenn es keine Abstürze gibt, alle Bugs und Fehlermeldungen ausradiert sind, Hacker und Cracker ihren schwarzen Hut an den Nagel gehängt haben und jegliche Malware verschwunden ist…