Ins Ausland zu verreisen, eröffnet neue Horizonte, macht das Hirn frei, erlaubt es einem, den Alltag abzuschütteln und ist rundum eine gute Sache.

Wenn nur das Portemonnaie nicht sosehr darunter leiden würde. Damit kritisiere ich nicht die Preise «im Ausland», auch wenn zum Beispiel die Tarife beim Norweger Nahverkehr in der Tat zum Himmel schreien. Nein, ich ziele natürlich aufs Roaming ab. Sobald man den Wunsch verspürt, ausserhalb seines Heimnetzes ein paar Bits und Bytes durch die Luft zu schicken, muss man mit massiven Kosten rechnen. Anfangs Jahr habe ich die isländische Luft mit einigen Datenpaketen durchbort, was von meinem Mobilfunkbetreiber Orange.ch mit einer horrenden Rechnung quittiert wurde. Ich hatte zwar eine Option namens Travel Data Daily, mit der man für ein paar Franken ein paar Bytes absetzen darf – aber aus unerfindlichen Gründen war die in Island nicht gültig. Orange zeigte sich zwar kulant.

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In Berlin gibts viele Funklöcher – nicht aber in der U-Bahn…

Aber dennoch. Stets ein Damoklesschwert über den Kopf bzw. dem iPhone zu haben, macht keinen Spass, und schliesslich will man gerade im Ausland nach Herzenslust die Freunde bei Facebook mit Statusupdates über die Freuden des Nichtstuns bespassen und Instagram mit Ferienfotos füllen.

Den teuren Roaminganbietern ein Schnippchen schlagen
Ich habe mich nach einer Alternative umgesehen und fand die Möglichkeit vor, bei Orange für horrendes Geld ein paar Megabyte zu kaufen. Das gefiel mir nicht, daher wurde mir auf Twitter eine Alternative empfohlen: Nämlich ein 3G-Hotspot, den man mit einer lokalen SIM-Karte bestückt und der einen per WLAN ins Internet bringt. Er hat gleich zwei Vorteile: Man bleibt unter seiner angestammten Nummer erreichbar. Und man kann mehrere Geräte nutzen und auch alle Reisebegleiter ins Netz bringen.

Ich habe mir bei Conrad den TP-Link M5350 besorgt (für 130 Franken und leider nicht für den gerade sehr vergünstigten Angebotspreis). In Berlin haben wir uns dann vor Ort bei der deutschen Drosselkom, pardon: Telekom eine SIM-Karte Xtra Data Flat M für eine Woche besorgt. 500 MB pro Tag, mit Drosselung, wenn man darüber hinausschiesst. Wir haben in fünf Tagen 1,8 GB verbraten, was 0,6 Rappen pro MB ergibt. Nach dem Normaltarif sind es bei Orange 4 Franken/MB, was… naja, sagen wir: deutlich mehr ist. Natürlich, der Hotspot ist bei dieser Rechnung nicht inbegriffen, aber den gedenke ich noch sehr häufig zu benutzen. Er funktioniert nämlich auch tadellos mit meiner Internet Everywhere-SIM von Orange.

Hosensacknetz
Die Handhabung ist simpel. Nach dem Einlegen der SIM muss man sich erst etwas gedulden, bis die Karte freigegeben wird. Die in Berlin gekaufte Telekom-SIM war nach ungefähr einer Stunde aktiv. Per WLAN, dem man unbedingt eine lustige SSID wie Inet_in_a_Suitcase oder Hosensacknetz verpassen sollte (siehe hier), greift man via Browser auf die Konfigurationsoberfläche des Routers zu (standardmässig via IP 192.168.0.1), richtet das WLAN ein und hinterlegt die PIN für die SIM-Karte. Es ist sinnvoll, die SIM beim Einschalten automatisch zu entsperren, denn sonst muss man die PIN nach jedem Einschalten eintragen. Sinnvoll wäre, wenn es Profile für mehrere SIM-Karten gäbe, damit man nicht die PIN, sondern nur das Profil ändern muss, wenn man die Karte wechselt – aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

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Die Weboberfläche des mobilen 3G-Hotspots.

Fazit: Der TP-Link-Router hat mich vollauf überzeugt. Der Akku hält auch bei intensiver Nutzung problemlos einen Tag durch. Die Geschwindigkeit war meist ordentlich, auch wenn es in Berlin an verblüffenden Orten Funklöcher gibt. UMTS hat für unsere Zwecke völlig ausgereicht, zumal die LTE-Router im Schnitt noch etwas teurer sind. Das kleine Display zeigt nützliche Details an: Der Name des Mobilfunknetzes und die Signalqualität, die Zahl der verbundenen WLAN-Clients, die aktuellen Datenraten für Up- und Download und das Total des Datenverbrauchs. Ein kleines Briefumschlagsymbol zeigt, wenn ein SMS eingegangen ist, das man dann wiederum per Browser über die Weboberfläche lesen kann.

Und wie es so ist: Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, auch im Ausland mobiles Internet zu nutzen – dann will man auf keinen Fall mehr zurück.