Die deutschsprachige Podcasterszene schwärmt seit Monaten auf die für sie typische selbstreflexive Art über einen neuen Dienst namens Auphonic. Er spart angeblich bei der Produktion so viel Zeit, dass nun viel mehr Raum für die Themensuche bleiben müsste – und die Podcaster nicht ständig ihre eigene Arbeitsweise zu diskutieren brauchten. Das tun sie aber trotzdem.

Und ich komme an dieser Stelle auch nicht umhin, lobende Worte zu verlieren. Ich habe die letzten zwei Folgen des Digitalmagazins nicht durch GarageBand gejagt, sondern mittels Auphonic fertiggestellt. Das hat nicht nur reibungslos, sondern auch zügig und total unkompliziert geklappt.

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Das Team von Auphonic spart den Podcastern jede Menge Zeit. (Quelle)


Flac rein, MP3 raus
Der Dienst nimmt unsere aufgezeichnete Sendung im unkomprimierten Flac-Format entgegen (man kann sie auch in einem anderen der gängigen Formate abliefern). Wenn man für seine Sendung ein Preset angelegt hat, werden die für jede Episode identischen Parameter automatisch richtig gesetzt: Man erhält ein Gerüst für die Metadaten, das Standard-Coverbild wird automatisch hervorgeholt und die Creative Commons nach Vorgabe gesetzt. Man kann, wenn man will vorne ein Intro und hinten ein Outro an die Aufnahme anflanschen lassen. Auphonic nimmt auch Audiobearbeitungen vor, d.h. normalisiert und levelt die Aufnahme und bringt sie aufs gewünschte Loudness-Niveau. Falls wir am Mischpult nicht geschlampt haben, können wir auf die Audio-Optimierungen verzichten. Für Podcaster, die kein Studio zur Verfügung haben, sind diese Audio Algorithms allerdings sehr zeitsparend. Wie jeder weiss, der schon mal versucht hat, in Garageband den (grottenschlechten) Hard-Limiter richtig einzustellen, ordentlich zu komprimieren und zu normalisieren.

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Nicht so schick wie GarageBand, aber um Welten tifiger.

Mit anderen Worten: Die verbleibende Arbeit besteht darin, sich einen Titel für die Episode auszudenken und die wechselnden Metadaten zu erfassen, also vor allem die kurze und die lange Beschreibung. Wer mag, kann auch Kapitel für die Sendung setzen. Die finden ihren Weg nicht nur ins AAC, sondern auch in die MP3-Datei – denn wie kaum einer weiss, sind Kapitel auch bei MP3 gemäss ID3v2 möglich. Apple hat diese Möglichkeit bei den eigenen Produkten immer unterschlagen. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, wenn man vermutet, dass auf diesem Weg das Apple-Hausformat AAC gefördert werden sollte. Geklappt hat das nicht. AAC spielt bei Podcasts fast keine Rolle (wahrscheinlich sind wir überhaupt die einzigen, die ihren Podcast als AAC anbieten).

Automatisch publizieren
Die fertige Sendung wird schliesslich in einem oder in mehreren Outputformaten ausgespielt und, falls ein Publishing-Service hinterlegt ist, auch gleich veröffentlicht. Als Publishing-Service können FTP, Dropbox, Amazon S3, Youtube, Soundcloud, ArchiveOrg und Libsyn verwendet werden. Wir publizieren die Sendung vorerst noch manuell, aber wir werden natürlich prüfen, ob wir uns auch diesen Schritt sparen können. (Die Schwärmerei der Podcaster erstreckt sich an dieser Stelle ja oft übergangslos auf den Podlove Podcast Publisher.)

Ein gutes Workflow-Instrument hält einem den Rücken frei, sodass man seine Zeit und Energie auf die kreativen Aspekte verwenden kann. Und das ist umso wichtiger, wenn man seinen Podcast nicht dreimal pro Schaltjahr, sondern regelmässig unter die Leute bringen will. Apple hat mit GarageBand die Podcast-Produktion vereinfacht und für viele Nutzer überhaupt erst möglich gemacht. Aber Apple hat es komplett verschlafen, dieses Medium zu begleiten, nachdem es nun seinen Kinderschuhen langsam aber sicher entwächst.

Der Apple-Obhut entwachsen
Dass Apple anfangs Juni das Einmilliardste Podcast-Abo im iTunes Store bejubelt hat, täuscht nicht darüber hinweg, dass man in Cupertino jedes Interesse an diesem Medium verloren hat. Das ist schade, denn Apple hat nach der gelungenen Starthilfe auch sehr von den Podcasts profitiert. Ich bin damals überhaupt nur deswegen auf den iPod Touch umgestiegen, weil ich meine Podcasts vernünftig konsumieren wollte.

Aber vielleicht ist genau das ein Zeichen für Reife – wenn man sich von seinem Förderer befreit und auf eigenen Beinen steht.