Apple Computer sind, wenn man den urbanen Grossstadtlegenden glauben darf, fehlerfrei und von Abstürzen gefeit. Doch eben, wie es so ist – Mythen sind Mythen und die Praxis sieht anders aus. Auch Macs stürzen ab, verhalten sich komisch, hängen und kriechen. Den Tagesanzeiger-«Tipp der Woche» vom 9. Oktober 2006, der sich mit diesem Problem beschäftigt, habe ich inzwischen denn auch mehrere Hundert Mal verschickt.

Es ist nun an der Zeit, diesen Beitrag aktuell aufzudatieren. Die Methoden zum Troubleshooting sind zwar im Grossen und Ganzen gleich geblieben – aber die Herangehensweise hat sich seit Tiger schon ziemlich verändert. Darum also hier die best practices fürs Mac-Troubleshooting:

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Die Dienstprogramme von der Recovery-Partition – zur Festplattenüberprüfung und, wenn alle Stricke reissen, Neuinstallation.

0. Bevor man überhaupt anfängt
Das Mantra der Kummerbox ist Backup, Backup, Backup! Und das gilt auch und vor allem für die Fehlerbehebung. Ohne eine aktuelle, vollständige Datensicherung sollte man überhaupt nicht anfangen. Denn es kann beim Troubleshooting duraus auch eine Verschlimmbesserung eintreten, die eine Neuinstallation notwendig macht. Und dann ist man ohne Datensicherung angeschmiert. Mein MacBook hat im September 2012 eine Reparatur der Festplatte abgebrochen und hinterher den Start verweigert. So wurde aus einem kleinen Problem (kein iTunes Match) ein grosses – und ich kann jedermann versichern, dass ich hinterher die Datensicherung sehr viel ernster genommen habe als vorher.

Und sie ist beim Mac ja auch kein Hexenwerk: Einfach eine externe USB-Festplatte anschliessen und sie in den Systemeinstellungen unter TimeMachine als Volume angeben. Siehe auch: Mac Grundlagen: Time Machine.

Beliebt fürs Backup beim Mac ist nach wie vor auch Carbon Copy Cloner (CCC). MIt dieser Software erstellt man ein bootbares Medium seiner ganzen Mac-Umgebung – ideal für den Katastrophenfall. Dieses Image lässt sich auch wiederherstellen oder auf einen neuen Computer übertragen. Zur Absicherung sind die 39.95 Franken für dieses Produkt allemal gut investiert, zumal für Leute, die ihren Mac im Fehlerfall sehr schnell wieder flottkriegen müssen. Ausführliche Informationen zum Thema gibt es im Beitrag Nicht sichern ist nicht sicher.

Auch beim Mac ist es wichtig, dass genügend freier Festplattenspeicher vorhanden ist. Das Löschen alter Programme kann helfen (Die App für Reinlichkeitsfanatiker), ansonsten empfehle ich zum Aufspüren grosser Datenbrocken, die dann ausgelagert werden können, gerne WhatSize (kostenpflichtig), GrandPerspective und Inventory X.

0b. Ein kurzer Einschub zu den grassierenden und besonders lästigen Leistungsproblemen
Was Leistungsprobleme angeht, empfehle ich, ganz am Anfang über eine Aufrüstung nachzudenken. Denn auch wenn die Ansprüche an die Hardware nicht mehr so stark steigen wie noch vor zehn oder zwanzig Jahren, so ist es doch so, dass ein Rechner mit drei, fünf oder noch mehr Jahren auf dem Buckel nicht mehr so flott läuft, wie ein brandneues Gerät. Das hat mit dem «Software rot» zu tun (siehe Beitrag Apple ist das neue Microsoft), aber auch damit, dass trotz allem jede neue Version von OS X gefühlt etwas anspruchsvoller wird. Eine wirklich hervorragende Methode, ein Leistungsproblem zu lösen, ist der Austausch einer drehenden Festplatte durch eine SSD. Ich beschreibe diese Methode im Beitrag Neues Leben fürs Macbook Pro in diesem Blog. Auch mehr Arbeitsspeicher kann Performance-Engpässe wirksam beseitigen, wenn die RAM-Ausstattung zu knapp ist. Daher empfehle ich bei Leistungsproblemen eine Diagnose gemäss Punkt 6. Sie können es auch mit einer Neuinstallation des Systems probieren (Punkt 8). Wenn das nicht hilft und wenn die gefühlte Leistung wirklich schlecht ist, empfehle ich gleich den Gang zum Apple Store oder zum autorisierten Apple-Händler: Er berät zu den Aufrüstungsmöglichkeiten bezüglich SSD und/oder RAM.

1. Haben Sie es mit einem Neustart versucht?
Der Running Gag aus The IT Croud ist ja gar nicht so banal, wie man immer meint. Ich fahre mein MacBook beispielsweise quasi nie herunter. Das führt gelegentlich zu einigen verklemmten Bits – und dagegen hilft der Neustart.

2. Haben Sie es wirklich mit einem Neustart versucht?
Falls ein einfacher Neustart nicht hilft, trifft man vor dem Neustart einige Vorkehrungen. Sinnvoll ist, alle angeschlossenen Geräte abzuhängen, also Drucker, Laufwerke, iPhones, und was in einem typischen Mac-Haushalt sonst noch rumfliegt. Sinnvoll ist ausserdem, die Option Beim nächsten Anmelden alle Fenster wieder öffnen abzuschalten. Denkbar ist, dass eine der geöffneten Anwendungen ein Problem verursacht – und darum erweist einem diese Option bei der Fehlerbehebung einen Bärendienst.

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Neustart ohne Bärendienst.

Es lohnt sich auch, in den Systemeinstellungen unter Benutzer & Gruppen beim eigenen Benutzerkonto unter Anmeldeobjekte zu prüfen, welche Programme beim Start automatisch geladen werden. Im Zweifelsfall sollte man diese löschen oder an gleicher Stelle gleich ein neues Benutzerkonto anlegen. Neue Benutzerkonten wirken oft Wunder – wenn das alte Benutzerkonto ramponiert ist, lohnt es sich, das neue frisch einzurichten. Das macht etwas Arbeit, aber die Chancen stehen gut, dass hinterher der Mac wieder freundlicher zum User ist. Mit dem Migrationsassistenten lassen sich Dateien aus einem TimeMachine-Backup neu übertragen (Mithilfe des Migrationsassistenten Dateien aus einem Time Machine-Backup übertragen). Auch der manuelle Transfer ist möglich (Transferring files from one User Account to another), aber wie erwähnt wäre meine Empfehlung, das Konto frisch einzurichten.

Eine sinnvolle Methode ist auch der sichere Systemstart. Dazu beschreibt Apple in der Supportdatenbank alles Wissenswerte:

3. Die dubiose Sache mit dem PRAM und NVRAM
Macs verwenden seit jeher einen speziellen Speicherbereich, um Dinge wie die Lautstärke, die Bildschirmauflösung, das Startvolume und ähnliche Dinge zu speichern. Dieser Speicher hiess früher PRAM, heute, bei den Intel-Macs, wird er NVRAM genannt. Zu den Fehlerbehebungsritualen gehört, diesen Speicher zurückzusetzen. Das hat früher wirklich oft geholfen – heute ist die Massnahme nicht mehr ganz so oft wirksam, bzw. sie hat mitunter auch unangenehme Nebenwirkungen. Dennoch seien hier die Beiträge von Apple zu diesem Thema erwähnt. Ich empfehle ein Reset, wenn mit der Lautstärke, Auflösung oder anderen hardware-nahen Einstellungen Probleme vorliegen:

In Einzelfällen soll es ausserdem ein SMC-Reset geholfen haben. Dazu mehr im Beitrag Intel-basierte Macs: System Management Controller (SMC) zurücksetzen.

4. Die Festplatte durchklopfen
Und das ist jetzt nicht im wörtlichen Sinn gemeint. Im übertragenen Sinn landet man recht schnell bei diesem Schritt. Das Dateisystem von Mac OS X ist nicht über alle Zweifel erhaben, so scheint mir. Daher kommt man bei hartnäckigen Problemen nicht um das Festplattendienstprogramm herum. Es ist über Spotlight oder via Programme > Dienstprogramme zu finden. Im Festplattendienstprogramm wählt man links die interne Festplatte, dann darunter Macintosh HD und rechts die Rubrik Erste Hilfe.

Hier führt man erst die Funktion Zugriffsrechte des Volumes überprüfen aus. Wenns nicht hilft, dann tritt Zugriffsrechte des Volumes reparieren in Aktion. Die nächsten Eskalationsstufen sind Volume überprüfen und Volume reparieren.

Es kann sein, dass die Überprüfung oder Reparatur nicht ausgeführt werden kann, weil Systemdateien gesperrt sind. In diesem Fall startet man ältere Macs von einem Installationsmedium auf (einer OS-X-Setup-DVD). Neuere Macs werden von der Recovery-Partition aus aufgestartet. Dazu hält man während des Starts die Tasten Cmd + r gedrückt. Wenn man beim Start die Alt-Taste drückt, werden die vorhandenen Partitionen angezeigt: Auch so kann man die Wiederherstellungspartition auswählen. Nach dem Booten von der Wiederherstellungspartition erscheint das Fenster OS X-Dienstprogramme, das die Optionen Aus Time Machine-Backup wiederherstellen, OS X erneut installieren, Online-Hilfe aufrufen und Festplattendienstprogramm anbietet. An dieser Stelle wählen wir das Festplattendienstprogramm, doch wenn alle Stricke reissen, dann greift man zu Aus Time Machine-Backup wiederherstellen oder zu OS X erneut installieren.

Falls keine Recovery-Partition vorhanden ist, wird mit der Tastenkombination Cmd + Alt + r das Internet-Recovery gestartet. Da das sehr zeitintensiv sein kann, empfehle ich, gemäss dem Beitrag Sicherheitsnetz für Lion einen USB-Stick fürs Recovery bereitzuhalten.

Achtung: Die Überprüfung der Festplatte kann ungeahnte Probleme nach sich ziehen, wie der Beitrag Eine tragische Geschichte mit einer bitteren Pointe ausführt. Ich lenke die Aufmerksamkeit daher noch einmal auf Punkt 0.

Apple beschreibt das Festplattendienstprogramm im Detail:

5. Sich vertrauensvoll an Apple wenden
Der Supportbereich von Apple liefert bei einer ersten Suche nicht immer die gewünschten Informationen, ist aber dennoch für die Fehlerbehebung unverzichtbar. Die beiden folgenden Leitfäden sind zur Eingrenzung von Problemen äusserst hilfreich:

Wenn der Verdacht besteht, dass die Hardware Probleme macht, dann steht der Apple Hardware Test zur Verfügung. Wenn dabei Probleme entdeckt werden, können sich begabte Bastler mit Hilfe von iFixit.com an die Sache heranmachen. Unter Selbst ist der Reparateur findet man mehr dazu. Alle anderen wenden sich an einen Servicedienstleister oder an Apple.

6. Die Diagnosetools nutzen
Das Festplattendienstprogramm habe ich bereits erwähnt – es gibt aber noch weitere nützliche Dienstprogramme, zu denen man am Schnellsten gelangt, indem man in einem beliebigen Finder-Fenster Cmd + Shift + u betätigt:

Die Konsole hält Protokolle zu Abstürzen und Programmfehlern bereit. Es gibt diverse solcher Protokolle, die über die Leiste am linken Rand zugänglich sind. Wo man nachsieht, hängt natürlich vom Problem ab. Im Zweifelsfall muss man auf gut Glück nach passenden Hinweisen forschen oder über sie Suchfunktion recherchieren. Die Chancen, dass man auf einen Fehlercode stösst, der einem dabei hilft, via Google oder auf apple.com nun sehr viel gezielter nach einer Lösung zu suchen, stehen aber gut.

Die Aktivitätsanzeige bringt Aufschluss darüber, welche Programme und Systemmodule in Verwendung sind. Man spricht allgemein von Prozessen, da dieser Begriff Programme mit einschliesst, die kein Fenster haben und somit nicht auf sichtbare Weise in Erscheinung treten. Die Aktivitätsanzeige ist bei Leistungsproblemen ein wertvolles Instrument. Durch einen Klick auf CPU sortiert man die Liste nach den Leistungsfressern. Prozesse lassen sich über durch Prozess beenden abwürgen, nachdem sie in der Liste markiert wurden. Sinnvollerweise führt man aber erst eine Suche per Google zu dem Prozessnamen durch. Bei bekannten Problemen findet man so garantiert eine Lösung.

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Das A und O bei Leistungsproblemen.

Systeminformationen (früher: System Profiler) gibt Details zur Hardware und zu den angeschlossenen Geräten preis. Die Angaben sind bei Reparaturen oder Plänen zur Aufrüstung des Mac wertvoll. Das Programm zeigt aber auch Hinweise zur Konfiguration von Funktionen wie den Bedienungshilfen und unter Software findet man alle installierten Programme inklusive Versionsangaben. Wem diese Angaben zu ausführlich oder zu technisch sind, der findet eine einfache Zusammenfassung via Apfelmenü und den Befehl Über diesen Mac. Näher beschreibt das auch der Beitrag Die inneren Werte eines Mac erkunden.

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Informativ bezüglich Konfiguration, Hardware und Softwareversionen.

Mehr dazu im Beitrag Mac OS X 10.6.3: Sammlung von Diagnose- und Verwendungsdaten.

7. Zerschossene Konfigurationen beseitigen
Bei klar eingrenzbaren Problemen mit einem Programm oder einer Systemkomponente kann es helfen, die Konfiguration des fraglichen Programms zurückzusetzen. Dazu öffnet man den Library-Ordner, stecken die Einstellungen unter Preferences. Wenn man zum Beispiel die Datei com.apple.AddressBook.plist löscht, werden die Einstellungen des Adressbuchs (Kontakte) eliminiert, was im Fehlerfall dann bereits die Lösung des Problems darstellt. Falls nicht die Konfiguration geschuld war, gehen durch das Löschen alle Einstellungen verloren. Daher ist es sinnvoll, Preferences-Dateien nicht direkt zu löschen, sondern auf den Desktop zu verschieben. So kann man sie wiederherstellen, wenn sie am Problem unschuldig waren.

Unter Application Support finden sich bei vielen Programmen zwischengespeicherte Daten (Caches) die man bei Problemen sinnvollerweise löscht. Im Zweifelsfall lässt sich per Google viel herausfinden, wenn man den Programmnamen mit dem Hinweis Library, Application Support oder Preferences ergänzt.

8. Die System-Wiederherstellung (Recovery)
Man scheut sich davor – aber wenn das System komplett zerschossen ist, dann tut man gut daran, die Ärmel hochzukrempeln und das System neu aufzusetzen. Das tut man am besten, indem man den Mac über die Recovery-Partition aufstartet. Das Vorgehen dazu ist unter Punkt vier bereits ausführlich beschrieben worden. Bei der neuen Installation des Betriebssystems können Daten und Dokumente entweder beibehalten oder aber verworfen werden. Wenn man kein Backup hat, muss man tunlichst darauf achten, Daten und Konfiguration beizubehalten – denn sonst ist alles weg! Wie schon eingangs bei Punkt null erwähnt, rate ich davon ab, ohne Backup in eine Wiederherstellung zu starten – da ist das Risiko von Datenverlust einfach sehr hoch!

Wenn man mit einer Datensicherung in die Wiederherstellung startet, ist der beste Weg, den Rechner aus einem TimeMachine-Backup wiederherzustellen oder eine Neuinstallation durchzuführen und dann über den Migrationsassistenten Daten und Dokumente zurückzukopieren.

Informationen zu der Neuinstallation gibt es bei Apple in folgenden Beiträgen:

Falls nicht das ganze Betriebssystem erneuert werden muss, sondern bloss einzelne, zum System gehörende Anwendungen, dann hilft der Beitrag OS X Mountain Lion: Neuinstallieren von mit Ihrem Mac gelieferten Apps weiter. Wie man bei Bedarf bei älteren Versionen von Mac OS X die mitgelieferten Anwendungen neu installiert, beschreibt Apple unter Mac OS X 10.6: Neuinstallieren von mit Ihrem Computer gelieferten Programmen.