Es muss nicht immer Photoshop sein: Pixelmator ist ein Bildbearbeitungsprogramm für den Mac, das trotz des günstigen Preises von 15 Franken mit Profi-Funktionen wie Ebenen, Farbverwaltung oder Gradationskurven aufwarten kann.

Mut kann man den beiden Brüdern Saulius Dailide und Aidas Dailide nicht absprechen: Sie haben sich getraut, ein Bildbearbeitungsprogramm aus dem Boden zu stampfen – und das, obwohl Adobe mit Photoshop den Profimarkt seit mehr als zwanzig Jahren dominiert und mit Photoshop Elements auch eine starke Stellung bei den Heimanwendern hat.

Doch die beiden Brüder aus London haben nicht nur Mut, sondern auch ein gutes Händchen. Sie haben für ihr Programm Pixelmator die richtige Mischung aus Features, Einfachheit und ansprechender Optik angerührt. Und das Programm hat einen überzeugenden Preis: Es ist für 15 Franken im Mac App Store erhältlich.

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Ein Ferienfoto, das mittels Ebenen und den Füllmodi nachbearbeitet wird.

Eine aufgeräumte Oberfläche
Anders als die Adobe-Programme wirkt Pixelmator nicht überladen, sondern vergleichsweise überschaubar. Es gibt eine Palette mit den üblichen Werkzeugen wie Pinsel, Radiergummi, Pipette, Stempel, Text- und den Selektions-Instrumenten. Es gibt auch ein Werkzeug namens magischer Radiergummi, das man so noch nicht gesehen hat: Es entfernt automatisch Bildbereiche mit der ähnlichen Farbe, indem man bei gedrückter Maustaste die Toleranz einstellt – so lassen sich sehr schnell Freistellungen vornehmen. Nebst dem Dokumentfenster findet sich eine Palette für die Ebenen sowie der Effektbrowser. Diese Paletten schweben frei, wie man es sich vom Gimp-Bildeditor gewohnt ist.

Pixelmator stellt nun diverse Funktionen aus der professionellen Bildbearbeitung bereit. Über Bild > Farbverwaltung kann man einem Bild ein Profil zuweisen und über Darstellung > Softproof mit Profil lässt sich am Bildschirm simulieren, wie ein Foto bei der Ausgabe über ein profiliertes Gerät wirken wird – eine wichtige Funktion für Profis, die man in Shareware-Programme eigentlich vergeblich sucht.

Die Ebenen haben Niveau
Auch die Funktionen zur Arbeit mit Ebenen haben Profi-Niveau. Nicht nur die Deckkraft einer Ebene lässt sich verändern, es stehen auch 27 Füllmodi zur Verfügung, darunter die bekannten wie Multiplizieren, negativ multiplizieren, Luminanz, hartes Licht oder weiches Licht. Diese Füllmodi sind wichtig bei Kompositionsarbeiten, bei denen ein Bild aus mehreren Einzelteilen zusammengeführt wird. Auch Kontrastverstärkungen oder bestimmte Farbstimmungen nimmt man vor, indem man Bildebenen kopiert und mit den Füllmodi arbeitet. Pixelmator stellt sogar Pixelmasken zur Verfügung. Über eine Pixelmaske lässt sich innerhalb der Ebene die Sichtbarkeit steuern. Bereiche, die in der Maske weiss sind, werden normal abgebildet. Schwarze Bereiche sind nicht sichtbar und über Grauwerte kann man jegliche Abstufung von Transparenz erzielen. Ebenen lassen sich ein- und ausblenden und sogar gruppieren.

Farben ausbalancieren und Fotos schärfen
Ein weiteres wichtiges Instrument ist der Effektbrowser. Er stellt in neun Bereichen (Weichzeichnung, Verzerrung, Schärfen, Farbanpassungen, Kachel, Stilisieren, Halbton, Generator und Sonstige) rund 100 Effekte zur Verfügung. Nennenswert sind die Möglichkeiten zum Schärfen eines Bildes und die Farbanpassungen. In dieser Kategorie kann man ein Bild in Graustufen umwandeln oder mit der beliebten Sepia-Tonung versehen. Besonders wichtig für fortgeschrittene User sind Kurven – dahinter steckt die Gradationskurve von Photoshop, mit der sich Farben und Kontraste gezielt verändern lassen, indem man beispielsweise die dunklen Bildbereiche heller oder die Bereiche mit mittlerer Helligkeit etwas kälter oder wärmer macht. Unter Tonwert findet man die Tonwertkorrektur, also das Histogramm, bei dem man die Lichter, Tiefen und die Mitteltöne ausblanaciert.

Fazit: Pixelmator ist für seinen Funktionsumfang quasi geschenkt, zumal man via Automator Aufgaben auch automatisieren kann und eine Exportmöglichkeit zu Flickr, Picasa und Facebook eingebaut ist, man auf der Website viele Anleitungsvideos vorfindet und für wenig Geld alle Werkzeuge an die Hand erhält, die man für die Nachbearbeitung von Digitalfotos, für Retusche und Bildkompositionen und fürs Zeichnen und Malen braucht.

Für 15 Franken im Mac App Store