Ich bin ein umgänglicher Typ. Aber ich mag es nicht, für dumm verkauft zu werden. Und darum kaufe ich keine Computerzeitschriften aus dem Euroraum mehr. Und übe generell am Kiosk grosse Zurückhaltung.

Der Grund: Die Schweizer Preise, die einem die mehrheitlich deutschen Verlage abknöpfen wollen. Ein Euro gleich zwei Franken, als ob wir noch Januar 2008 hätten (wobei auch dazumals ein Euro nur 1.66 und nicht 2 Franken kostete). Der Kurs liegt jedoch bekanntlich seit Längerem bei 1.20, was eine Anpassung der Schweizer Preise rechtfertigen würde. Aber nein, wieso auch? Offenbar gibt es genügend Dumme, die sich gerne abzocken lassen.

Auch bei den Abos zahlen Schweizer viel mehr
Bei den Abos sieht es nicht besser aus. «Chip» mit CD kostet in Deutschland 45,60€ pro Jahr, in der Schweiz 93.60 Franken. Macht einen Eurokurs von 2.05. Man kann einwenden, dass man für eine Lieferung ins Ausland etwas mehr berappen muss. Rechnen wir also mit dem Preis, den Österreicher bezahlen. Das sind 54€. Ergibt einen Eurokurs von 1.73.

Bei «c’t» kostet das Jahresabo in Deutschland 89,70€ und in der Schweiz 151.50 Franken. Macht einen Eurokurs von 1.69. Die Österreicher zahlen 94,90€ (ergäbe einen Kurs von 1.60).

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I go garantiert nicht zum Kiosk – bei den Preisen!

Die «PC Welt» kostet 78€ in Deutschland, 87,60€ in Österreich und 132 Franken in der Schweiz. Kurs: 1.96 resp. 1.50. Das könnte man fast schon als akzeptabel bezeichnen, wenn man ausser Acht lassen würde, dass auch die Österreicher bei dieser Postille einen happig höheren Preis bezahlen.

Verschleierte Tarife
Bei Nicht-Computer-Zeitschriften sieht die Sache nicht besser aus. «Der Spiegel» gibt sich alle Mühe, die Tarife zu verschleiern. In Deutschland wird das Abo für 52 Ausgaben angegeben (208€). Die Österreicher zahlen für 11 Ausgaben 29€ und in der Schweiz bezieht sich der Preis auf 12 Ausgaben und beträgt 56 Franken. Der Österreicher Preis umgerechnet auf 12 Ausgaben würde 31,65€ betragen, was einen Euro-Kurs von 1.77 ergibt.

Fazit: Die können mich mal. Da blättere ich die Zeitschriften noch so gern am Kiosk durch und legen sie dann ungekauft zurück. Und wenn ich einen Artikel finden sollte, den ich eingehender studieren will, dann kaufe ich ihn digital – da immerhin werden alle gleich behandelt. «Chip» gibt es im Kiosk als Komplettausgaben, beim «c’t» kann man auch einzelne Artikel kaufen. Und den Spiegel lese ich am iPad: Da kostet eine Ausgabe 5 Franken.

Und der Preisüberwacher?
Ein Nachtrag: Natürlich fragt man sich, was unser Preisüberwacher zu dem Thema meint. Im Newsletter (PDF) vom 14. Juni 2012 habe ich dazu Folgendes gefunden:

Ständerat Didier Berberat kritisiert in seinem parlamentarischen Vorstoss vom 14. März 2012 die enormen Preisdifferenzen gegenüber dem Ausland bei importierten Zeitungen und Zeitschriften. Er stellt die Frage, was der Bundesrat, der Preisüberwacher oder die Wettbewerbskommission dagegen unternehmen können.

In seiner Antwort vom 9. Mai 2012 verweist der Bundesrat darauf, dass er selber unmittelbar keine Möglichkeit hat, gegen diese Preisdifferenzen vorzugehen, dass er aber ausdrücklich die diesbezüglichen laufenden Anstrengungen des Preisüberwachers unterstützt. Er teilt die Meinung des Preisüberwachers, dass Preisdifferenzen im aktuell feststellbaren Ausmass kaum zu rechtfertigen sind. Die Landesregierung weist aber auf die beschränkten rechtlichen Interventions- und Durchsetzungsmöglichkeiten des Preisüberwachers hin. Der Bundesrat schliesst deshalb je nach weiterer Entwicklung auch den Erlass eines Spezialgesetzes zum Zeitschriftenvertrieb mit der Möglichkeit der Festlegung von maximalen Preisdifferenzen als ultima ratio explizit nicht aus.

Der Preisüberwacher seinerseits setzt seine Bemühungen – neuerdings mit der ausdrücklichen Unterstützung und der politischen Rückendeckung des Bundesrats – zur Reduktion der Preisdifferenzen bei importierten Zeitschriften fort. Ob diese erfolgreich sein werden, ist offen. Der Preisüberwacher wird die ausländischen Verlagshäuser nicht nur an ihre Verantwortung gegenüber den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten erinnern, sondern die Verlage jetzt auch auf die politischen Risiken ihres Verhaltens, wie sie in der bundesrätlichen Antwort auf die Interpellation Berberat skizziert worden sind, aufmerksam machen.

Bleibt abzuwarten, ob die Ermahnung des Preisüberwachers greifen wird. Oder ob vorher diese ganze Diskussion obsolet wird, weil wir Zeitschriften zu einem globalen Einheitspreis digital lesen.