Auf Knopfdruck geben Farbdrucker flugs und ohne Umstände bunte Bilder aus. Allerdings stimmen diese Farben nicht immer mit der Wirklichkeit überein. Woher kommen die Abweichungen und was kann man gegen sie tun?

Drucken ist einfach. Präzise drucken jedoch nicht – das zeigt sich spätestens dann, wenn ein farbenprächtiges Digitalfoto im Druck blass, flau oder gar falschfarbig herauskommt. Gerade die knalligen Farbtöne sind im Druck oft kaum wiederzuerkennen: Neongelb, knallendes Orange, Giftgrün oder freches Violett erscheint im Druck nur als Schatten seiner selbst.

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Wie man die Farben auf dem Bildschirm denen der Realität näher bringt. Bild AMagill/Flickr

Was tun in so einem Fall? Diese Frage wird der Kummerbox regelmässig gestellt, und sie lässt sich nicht in ein paar Worte beantworten.

Denn: Auch wenn es die Druckerhersteller das noch so gern suggerieren: Es ist leider nicht so, dass man automatisch die gleiche Farbe auf dem Papier vorfindet, die man auf dem Bildschirm hat – oder die man beim Fotografieren im Sucher gesehen hat.

Ein Bild passiert von der Quelle (zum Beispiel dem Scanner, der Kamera oder Videokamera) bis zum Ziel (dem Druck oder der Belichtung) viele Stationen. Jedes Gerät bzw. Medium hat bezüglich Farbwiedergabe andere Eigenschaften, Charakteristiken und Limiten. Ein Hochglanzpapier, mit teurer Fototinte bedruckt, bildet mehr Farbnuancen ab als die Tageszeitung. Eine moderne Kamera fängt viel mehr Bildinformationen ein, als der Bildschirm anzeigen kann. Und der Bildschirm wiederum zeigt in aller Regel mehr Farben und grössere Dynamik (also ein breiteres Spektrum zwischen hell und dunkel), als das auf Papier gedruckte Bild.

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Wenn der Drucker dazu kommt, wird es noch kniffliger. Bild w00kie/Flickr

Man spricht beim abbildbaren Farbspektrum vom Farbraum. Das lässt sich überprüfen, indem ein Bild mit leuchtendem Grün, Orange oder Neonfarben ausgegeben werden. Diese Farben werden als blass und verwaschen in Erscheinung treten. Diese Farben sind mit normalen Druckern schlicht nicht adäquat reproduzierbar. Aber auch die einzelnen Papiere und Tinten haben unterschiedliche Farbräume: Das fällt auf, wenn das gleiche Bild auf Zeitungspapier und auf hochwertigem Fotopapier und teurer Fototinte reproduziert wird – der Zeitungsdruck vermag nicht mitzuhalten.

Fundamentale Unterschiede
Die Unterschiede sind fundamental, denn Drucker und Bildschirm verwenden zwei verschiedene Farbsysteme. Bildschirme leuchten von sich aus und stellen Farben additiv dar; das heisst, die Helligkeitswerte von Rot, Grün und Blau (Red, Green, Blue oder kurz RGB) addieren sich in der Helligkeit. Auch Kameras oder Scanner arbeiten nach dem RGB-Modell. Der Drucker setzt Tinten oder Toner und ein subtraktives Farbmodell ein. Übereinander gedruckte Farbpigmente führen zu einer Verdunkelung. Farbdrucker arbeiten mit den Farben Cyan, Magenta, Gelb (Yellow) und Schwarz (im Druck die Key Plate), was dem Farbmodell des Vierfarbendrucks den Namen CMYK eingetragen hat. Für den Druck jedes Bildes ist eine Umwandlung des Bildes von RGB nach CMYK nötig. Dafür gibt es keine singuläre Formel, sondern unterschiedliche Algorithmen.

Gemanagte Farbe
Im professionellen Bereich, in der Grafikindustrie und in der Druckvorstufe, stellt man die getreue Reproduktion von Farben durch das so genannte Color Management oder Farbmanagement (CMS steht für «Color Management System») sicher. Alle beteiligten Geräte werden farbmetrisch ausgemessen und kalibriert bzw. profiliert. Aufgrund der Messresultate wird ein ICC-Profil erstellt, das die Abweichungen zum gewünschten Farbraum kompensiert. Die Druckprofis steuern auch die erwähnte Umwandlung von RGB nach CMYK gezielt.

Im privaten oder Consumer-Bereich kommt meist kein Farbmanagement zum Einsatz, obwohl ein solches im Betriebssystem an sich vorhanden ist. Kameras, Drucker und Betriebssystem verwenden automatische Optimierungen, mit denen grobe Ausreisser in aller Regel vermieden werden und ohne Zutun des Benutzers akzeptable Resultate gewährleistet sind. Abweichungen innerhalb einer gewissen Bandbreite sind aber unvermeidlich. Die grösste Fehlerquelle für Privatanwender ist der Monitor: Falls dieser falsch eingestellt oder falsch konfiguriert ist, besteht die grosse Gefahr dass Fotos bei der Bildbearbeitung eher verfälscht denn verbessert werden.

Was tun bei falschen Farben?
Doch was kann man konkret tun, wenn ein Ausdruck die Farben nicht so wiedergibt, wie man es gern haben möchte? Die folgenden Massnahmen helfen weiter:

Als erstes sollte überprüft werden, ob eine Software oder das Betriebssystem falsch konfiguriert ist. Der grösste Fehler ist ein falsches Farbprofil: Ein solches Profil passt wie oben erwähnt die Farbausgabe an ein bestimmtes Drucker- oder Bildschirmmodell an. Ein falsches Profil führt unweigerlich zu einer komplett falschen Darstellung. Wie die Farbprofile überprüft werden, hängt vom Betriebssystem ab:

Bei Windows 7 und Vista steckt die Farbverwaltung in der Systemsteuerung unter Hardware und Sound > Farbverwaltung. Man kann auch einfach über das Suchfeld in der rechten oberen Ecke der Systemsteuerung nach «Farbverwaltung» suchen. In der Farbverwaltung sind in der Rubrik Geräte bei der Liste Gerät alle Geräte aufgeführt, die ein Profil verwenden. Um ein Profil zu ändern oder zu löschen, das Gerät auswählen und dann bei Mit dem Gerät verknüpfte Profile das passende Profil hinzufügen oder ein falsches löschen.

Bei Windows XP klickt man in der Systemsteuerung auf Anzeige, öffnet den Reiter Einstellungen, betätigt die Schaltfläche Erweitert und findet das Profil für den Bildschirm im Reiter Farbverwaltung. Ein falsches Profil sollte gelöscht werden. Die Profile der Drucker stecken in der Systemsteuerung bei Drucker und andere Hardware > Drucker und Faxgeräte. Nach einem Rechtsklick auf das Icon eines Druckers und der Betätigung des Befehls Eigenschaften sind die Profile unter Farbverwaltung zu finden.

Bei Mac OS X ist das Profil für den Bildschirm in den Systemeinstellungen unter Monitore bei Farben zu finden. Das ColorSync-Dienstprogramm (zu finden unter Programme > Dienstprogramme) erlaubt es bei Mac OS X, die Profile für Scanner, Kameras, Monitore und Drucker an einer zentralen Stelle einzurichten und zu konfigurieren. Bei Problemen steht auch die Funktion Profile reparieren zur Auswahl.

Anwender, die mit Acrobat arbeiten, sollten im Menü Erweitert die Optionen Farb-Proof, Überdrucken-Vorschau und Separations-Vorschau nur dann einschalten, wenn sie auch benötigt werden.

Die Testseite gibt Aufschluss
Falls beim Drucken Fehlfarben auftreten, ist zur Eingrenzung die Testseite des Druckers nützlich: Sie zeigt, ob der Drucker falsch druckt oder ob das Betriebssystem «verfälschte» Farben liefert. Auch das Drucken aus verschiedenen Anwendungen ist sinnvoll. Es zeigt, ob eine einzelne Applikation querschlägt – in diesem Fall ist die Konfiguration der Anwendung zu überprüfen. Sie ist unter Farbmanagement (o.ä.) vorzufinden.

Die Testseite druckt man am besten über die Tasten des Druckers. Welche Tasten dafür zu betätigen sind, müsste im Handbuch zum Drucker oder im Supportbereich auf der Homepage des Druckerherstellers beschrieben sein.

Wenn die Testseite korrekt gedruckt wird, muss die Ursache des Problems beim Betriebssystem oder beim Anwendungsprogramm. Falls der Drucker die Testseite nicht korrekt ausgibt, sind Tintenpatrone bzw. Toner zu überprüfen: Sind Patronen richtig eingesetzt und nicht verschmutzt? Allenfalls gibt es beim Support des Druckerherstellers weitere Tipps zu dieser Überprüfung.

Folgende Tipps helfen beim Vermeiden von grösseren Farbabweichungen:

  • Farben, die im Druck Probleme machen oder die sich gar nicht drucken lassen, meiden. Also besonders knallige Farben, Neontöne oder Pastellfarben. Besonders einfach zu benutzen sind die beim Druck verwendeten Grundfarben, als Cyan (Blaugrün), Magenta (Rosaviolett), Schwarz und Gelb oder aufgehellte Varianten von diesen Farben. Diese Farben eignen sich bestens für die Gestaltung von Dokumenten, Newsletters, Postkarten oder andere selbstgelayoutete Drucksachen.
  • Bei guten Papieren und qualitativ hochwertigen Tinten ist die Gefahr von Abweichungen tendenziell kleiner. Wer die Qualität höher gewichtet als den Kostenfaktor greift zu Original-Papieren und -Tinten des Herstellers
  • Falls eine Anwendung es erlaubt, Bilder in andere Farbräume zu transferieren, dann kann das zu grossen Farbveränderungen führen. Standardmässig wird der so genannte sRGB-Farbraum benutzt. Er hat sich für die Darstellung von Bildern und auch beim Druck von Fotobüchern etabliert.
  • Der Bildschirm sollte möglichst neutral eingestellt sein. Darstellungsmodi wie «Lebendig», «Multimedia», o.ä. verfälschen mehr, als sie nützen.
  • Wie erwähnt können Bildschirme und Drucker farbmetrisch ausgemessen und profiliert werden. Auch im privaten Umfeld kann das eine grosse Verbesserung der Farbtreue bewirken. Ambitionierte Fotografen, die ihre Bilder selbst ausgeben wollen, sollten sich mit dieser Möglichkeit beschäftigen. Es gibt verschiedene Messgeräte, die den Monitor farbmetrisch ausmessen und entsprechende Korrekturprofile erstellen. Spyder4Express der Dietliker Datacolor ist auch für Privatanwender erschwinglich. Die etwas teurere Variante Spyder4Pro kalibriert auch Drucker.
  • Ohne Messgerät sollte man sicherstellen, dass der Monitor sinnvoll eingestellt ist. Bei Windows 7 hilft dabei das Programm Bildschirm-Farbkalibrierung. Man findet es, indem man im Suchfeld des Startmenüs dccw eingibt. Für ältere Versionen ruft man Monitor Calibration Wizard oder Calibrize auf den Plan. Für Mac, Windows und Linux gibt es CalibrationAider.

Abschliessend noch einige Links zu weiteren, Betriebssystem-spezifischen Informationen:

Hinweise liefert Microsoft in der Supportdatenbank «Knowledge Base» und auf der «Hilfe & Anleitungen»-Website.

Hier zu Windows 7, die sinngemäss auch für Vista gelten:

Die Informationen zu Windows Vista:

Der Link zu Windows XP:

Informationen von Apple zu dem CMS in Mac OS X gibt es in folgenden Beiträgen in der Hilfe bzw. in der Supportdatenbank von Apple:

Die Beiträge zu Lion (Mac OS X 10.7). Sie gelten analog auch für Mountain Lion (OS X 10.8):

Die folgenden Beiträge gelten für Snow Leopard (Mac OS X 10.6). Sie können analog auch bei Leopard (Mac OS X 10.5) berücksichtigt werden: