Die Website wakoopa.com protokolliert, wie lange Programme laufen. Man kann so seine eigenen Gewohnheiten analysieren, aber auch interessante Erkenntnisse über die Popularität von Softwareprodukten in Erfahrung bringen.

Wakoopa.com dürfte für manche Leute ein Privacy-Unding sein: Der Webdienst protokolliert minutiös, welche Software wie lange benutzt wird und was für Web-Anwendungen zum Einsatz gelangen – ein digitaler Big-Brother. Der so genannte Tracker erhebt diese Nutzungsdaten, übermittelt sie an den Webdienst, wo sie öffentlich einsehbar sind. Das Unternehmen aus den Niederlanden verkauft die aggregierten Daten an Unternehmen, die sich dafür interessieren. Und das sind, laut den Referenzen auf der Website, unter anderem Wired, Google und Neckermann. Die Daten sollen dabei helfen, E-Commerce-Lösungen zu verbessern, Erkenntnisse zu den Websites von Konkurrenten liefern und aufzeigen, wie beliebige Online-Kampagnen wirken.

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Schlüssige Informationen über die persönliche Softwarenutzung mit der «Hitparade» der vergangenen Woche.

Der Tracker wird von den Benutzern freiwillig und unentgeltlich installiert. Die Frage ist berechtigt, weswegen man als Nutzer Daten zur Verfügung stellen soll, die von Wakoopa dann für teures Geld weiterverwertet werden können. Diese Frage drängt sich allerdings bei jedem sozialen Netzwerk auf. Denn auch wenn der Betreiber die Daten nicht vermarktet, sind diese dennoch das grösste Kapital. Facebook nutzt die bekanntlich für personalisierte Werbung.

Was, wann, wie lange?

Wenn man sich bereit erklärt, den Tracker zu installieren und seine Daten zur Verfügung zu stellen, erhält man im Gegenzug in seinem Profil Informationen über ihre eigene Nutzung: Welches die wichtigsten Programme sind, wie viele Programme und Webdienste insgesamt Verwendung finden und welche Programme jüngst hinzukamen. Es gibt ausserdem Punkte zu sammeln und höhere Level zu erreichen. Der Webdienst stellt einem Mitglieder der Community mit einem ähnlichen Softwarenutzungsverhalten vor. Das ist insofern interessant, dass bei diesen die Chance gross ist, ein Softwareprodukt zu finden, dass man selbst nicht kennt, aber einem gute Dienste leisten könnte. Man kann seine Daten öffentlich machen, aber auch unter Verschluss halten.

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Globale Statistiken ­– Firefox, der von den Wakoopa-Nutzern insgesamt mehr als 1445 Jahre verwendet worden ist.

Eine Fundgrube für Softwarefans

Für Anwender, die sich nicht tracken lassen wollen, ist Wakoopa dennoch aufschlussreich: Es gibt einen grossen öffentlichen Softwarekatalog. In diesem sind die Programme beschrieben, und man kann sich über die Nutzung eines Titels informieren – wobei der Massstab die kumulierten Nutzungszeiten sind. Das ist aussagekräftiger als Statistiken, die sich allein auf Download-Zahlen oder Nutzerkommentare stützen. Kommentare zu den Anwendungen gibt es indes auch.

Fazit: Für Leute, die gern Software entdecken und ausprobieren, ist Wakoopa eine ganz grosse Fundgrube. Der Tracker existiert für Windows, Mac OS X und Linux.

Ich habe, wie üblich bei solchen Dingen, keine Berührungsängste. Meine öffentliche Softwarenutzung ist unter social.wakoopa.com/MrClicko zu begutachten.

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Die globale Hitparade bei der Windows-Software. Entsprechende Listen gibt es auch für Linux und Mac und für die einzelnen Software-Unterkategorien.

Update vom 3. Juli 2012
Genau an dem Tag, an dem ich diesen Beitrag hier veröffentlicht habe, hat Wakoopa seinen Dienst eingestellt. Gutes Timing oder Matthias, der Todesengel? Ich habe jedenfalls in letzter Zeit ein Händchen dafür, mir Dienste für die Besprechung auszusuchen, die kurz vor oder nach der Veröffentlichung des Beitrags dichtgemacht werden. Ein anderes Beispiel werde ich demnächst an dieser Stelle bebloggen…

Schade. Ein sehr nützlicher Dienst, gerade auch für einen Journi wie mich, der sich gern über die quantitative Nutzung von Software informiert hat.