Eigentlich finde ich Video on Demand eine gute Sache: Es macht mich als Konsumenten etwas unabhängiger vom Diktat des Fernsehprogramms, erspart den Gang zur Videothek und ist sowieso ideal für Leute wie mich, die zu Impulskäufen neigen, und bei Filmen keine Ausnahme machen. Steigt Gluscht nach Sciencefiction in einem hoch, dann wirft man halt den Apple-TV an und holt sich einen passenden Streifen. Die Preise finde ich voll ok, die Bildqualität könnte besser sein und… naja, das Angebot… wenn man sich das Angebot anschaut, dann kann einem die Lust an Video on Demand auch gleich wieder vergehen.
«12 Angry Men»?
Ich habe die Filme nicht gezählt, aber mehr als ein paar Hundert können es nicht sein. Wenn man einen bestimmten Film im Kopf hat, auf den man gerade Bock hätte, kann man fast sicher sein, dass es ihn im iTunes Store nicht gibt. Selbst die Empfehlungen: Was einem da als sog. «Top-Film» angeboten wird, ist allenfalls auf dem Wühltisch oder der Resterampe top. «Das fünfte Element»? Fehlanzeige (Ausser, man gibt sich mit Französisch zufrieden, «Le Cinquième Élément» wäre im Angebot). «Der grosse Diktator»? Mattscheibe. «12 Angry Men»? Nicht in diesem Heimkino (immerhin, die deutsche Fassung «Die zwölf Geschworenen» ist im Angebot).

One angry Matthias… Naja, fast.
Untertitel? Mehrere Tonspuren?
Ich habe auch schon Titel auf meine Wunschliste gesetzt, die dann, als ich sie mir ansehen wollte, nicht mehr erhältlich waren. Und überhaupt – wieso gibt es im iTunes Store viele Filme in zwei, drei oder vier Sprachvarianten, und nicht einfach eine Fassung, bei der man die wie bei DVD oder Bluray nach Belieben zwischen den Tonspuren wechselt und Untertitel zuschaltet, wie es einem gerade passt? Klar, damit die Leute, die das haben möchten, brav die DVD oder Bluray im Laden oder bei Amazon kaufen.
Apropos DVD und Bluray: Ein Unfug am Rande scheint mir der Umstand zu sein, dass diese beiden Medien brav koexistieren, und es offenbar keine Bemühungen gibt, erstere endgültig durch letztere abzulösen. Wahrscheinlich deswegen, weil sich dann die Bluray preislich der DVD annähern müsste, man so aber die Leute, die gerne HD haben möchten, noch einmal extra schröpfen kann (z.B. kostet «Die drei Musketiere» auf DVD bei Amazon 12,95 Euro, auf Bluray aber 16,95 Euro).
«Die Sopranos»?
Dafür macht man sich den Aufwand, jeden Film auf zwei Medien herauszugeben und solchen Unsinn in Kauf zu nehmen, wie man ihn etwa bei «Die Sopranos» sieht: Die erste Staffel kann man sich HD auf Bluray ansehen, aber ab der zweiten Staffel muss man auf SD und die DVD umschwenken. Ergibt das irgend einen Sinn? Nein.
Ich bin überzeugt, dass die Scheibenverkäufer bezüglich Umsatz nicht schlechter wegkämen, wenn per sofort nur noch Blurays gepresst würden – das würde die Distribution massiv vereinfachen und viel Ladenfläche in den Filmabteilungen der Läden sparen. Und wenn ein Kunde daherkommt und klagt, er könne die Bluray nicht abspielen? Dann tauscht man ihm seinem DVD-Player gegen einen Bluray-Player um und kann sicher sein, dass das den Umsatz letztlich anheizt.
Fernsehserien?
Diese ganze Verwertungskette mit den ausgeklügelten Verwertungsfenstern lässt eines ausser Acht, dass Technik den Konsumenten unabhängig macht. Das ist auch gut so: Wann, wie und wo man Inhalte konsumiert, sollte dem Nutzer überlassen bleiben. Ob Kino, Bluray oder gestreamt, ob die erste Hälfte am Apple-TV und der Rest des Films am iPad – diese Freiheit steht uns zu. Und darum haben wir einen iTunes-Store verdient, in dem die ganze bunte Filmwelt zur Verfügung steht – am besten alle 2’124’275 Titel, die bei IMDB laut Stats vorhanden sind: Inklusive Fernsehserien und Dokumentarfilmen, natürlich.
Denn… warum gibt es im iTunes Store eigentlich keine Fernsehserien?! Aber das ist ein Rant für einen anderen Tag…