Der Spendenhut im Internet-Zeitalter heisst Flattr-Button. Für einen gelungenen Blog-Beitrag, Podcast oder ein exquisites Foto wirft man dem Urheber ein paar Eurocent zu. Für einige wenige ist Flattr.com auf diese Weise zu einer beachtlichen Einnahmequelle geworden.

Die Idee hinter Flattr stammt von Peter Sunde, seines Zeichens Initiant der Torrent-Tracker-Site Pirate Bay. Seine Feststellung war, dass es gewissermassen unmöglich ist, sich im Internet für einen guten Beitrag erkenntlich zu zeigen. Klar, man kann seine Zustimmung in einem Kommentar ausdrücken. Aber wirklich zählen würde eine kleine monetäre Spende. Schliesslich muss auch ein antikapitalistischer Blogger von etwas leben und seinen Webspace in klingender Münze begleichen.

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Das Dashboard zeigt die Einnahmen und die Ausgaben an.

Mit einem Klick erfolgt die Spende
Drum entstand 2010 Flattr.com. Diese Website erlaubt es Nutzern, unkompliziert ein Trinkgeld auszuhändigen. Ist man einmal angemeldet und hat einen Betrag auf seinem Flattr-Konto hinterlegt, braucht es nur einen einzigen Klick auf den Flattr-Button, um die Spende zu tätigen. Blog-Betreiber müssen ihrerseits nicht mehr tun, als auf ihrer Website einen Flattr-Button zu integrieren. Alternativ können Flattr- oder Twitter-Nutzer auch direkt bespendet werden. Auch karitative Unternehmen wie Amnesty International oder Ärzte ohne Grenzen können mit einer Spende bedacht werden.

Damit die Höhe der Spenden nicht ausser Kontrolle gerät, hat sich Peter Sunde einen einfachen Trick einfallen lassen. Nach Eröffnung des Flattr-Kontos und Einzahlen des Guthabens legt man einen Eurobetrag fest, den man pro Monat spendet. Die bedachten Blogger und Institutionen werden Ende des Monats gleichmässig bedacht. Je mehr man flattert, desto weniger fällt für den einzelnen ab. Flattr steht nämlich für «Flatrate», also einen Pauschaltarif. Es steckt aber auch das englische Verb «to flatter», jemandem schmeicheln, im Begriff. Wer spendet, kann dies geheim oder öffentlich tun. Diese Einstellung wird unter Settings > Privacy vorgenommen.

Der Clou ist, dass man nur dann Geld entgegennehmen kann, wenn man selbst Geld einzahlt und ausgibt. Wenn man nichts flattrt, gibt der Betreiber das unverwendete Geld an eine wohltätige Organsation – der monatliche Spendenbetrag wird so oder so abgebucht.

Einzelne wenige Grossverdiener
Flattr hat sich in knapp einem Jahr für einige deutsche Blogger und Podcaster zur veritablen Einnahmequelle entwickelt. Wie in den «Top-Lists» ersichtlich ist, haben Tim Pritlove und Holger Klein für ihr gemeinsames Podcast-Projekt mehr als 11′700 Flattr-Klicks eingeheimst. Die beiden stehen auch mit separaten Projekten in der Top-Liste, sodass sie im Moment zu den absoluten Grossverdienern gehören und Flattr wohl auch einen wesentlichen Anteil des Einkommens beisteuert. Andere Flattr-Nutzer dürften mit etwas Glück eben herauskommen. Mein privater Blog Clickomania.ch spielt inzwischen ungefähr das ein, was ich monatlich verflattere.

Natürlich gibt es auch Kritik an Flattr. Das sind zum einen die bislang hohen Gebühren von zehn Prozent. Dieser Anteil könnte mit zunehmender Verbreitung sinken. Kritisiert wird auch, dass man sein Guthaben über den teils ungeliebten Paypal-Dienst transferieren muss. Inzwischen sind aber auch Überweisungen u.a. per Kredit- oder Maestro-Karte möglich.