Tops und Flops 2011, Teil zwei. – Musik gibt es im Überfluss. Auch das Angebot an digitalen Büchern ist gewachsen, und die Podcast-Produktion ist zu einem einträglichen Geschäft geworden. Enttäuschend gefährdeten sich 2011 die Heimelektronik und die «alten» Medien.

Die Top-und-Flop-Jury, bestehend aus den beiden Daily-Digital-Autoren, hatte es sich schnell auf den Sieger in der Top-Kategorie geeinigt – E-Books sind 2011 zur Reife gelangt und Spotify hat einen beachtlichen Siegeszug angetreten. Die Flops bei den digitalen Inhalten waren nicht ganz so unbestritten.

E-Content-Top 1: E-Books
Kein Zweifel – 2011 ist das Jahr des elektronischen Buchs. Amazon hat mit neuen Kindle-Modellen für Furore gesorgt. Die sind zwar hierzulande nicht offiziell erhältlich, finden auf verschlungenen Wegen (digitec.ch) aber dennoch ihren Weg zu den Leserinnen und Lesern.

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Das E-Book – auf dem Weg von der grünen Wiese zum etablierten Medium. Bild: david__jones/Flickr.com

Amazon hat in diesem Jahr auch Bücher in Deutsch ins Programm aufgenommen und bei den Anbietern wie thalia.ch, books.ch, buch.ch und bol.ch wächst das Angebot. Auch wenn wir uns noch mit DRM und inkompatiblen Stores und Geräten herumplagen müssen, ist das elektronische Buch richtig brauchbar geworden.

E-Content-Top 2: Spotify und andere Musikstreaming-Dienste
Musik-Streaming-Dienste sind 2011 auf dem Vormarsch: Simfy.ch – seit August 2010 in der Schweiz – hat die Early Adopter angelockt. Seit Mitte November nun auch Spotify.com hierzulande genutzt werden kann, sind noch einmal viele Nutzer aufgesprungen. An diesem Musikdienst reizt das grosse Repertoire von 15 Millionen Songs.

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Spotify ist der Musik-Shooting-Star von 2011.

Viele bemängeln die Anbindung an Facebook (das Login ist nur über ein Facebook-Konto möglich), was der Begeisterung kaum Abbruch tut. Die Art und Weise, wie Spotify Musikhören mit dem sozialen Medium verbindet, entpuppt sich als Erfolgsgeschichte.

E-Content-Top 3: New Media, Leo Laporte und sein neues Studio
Lange Zeit wurden sie amateurhaft produziert und entsprechend auch als hobbyhaft wahrgenommen. Doch das war einmal: Podcasts haben sich als seriöses Medium etabliert und werden heute teilweise professionell produziert wie «richtiges» Fernsehen oder Radio. Leo Laporte, ein alter Hase im Broadcasting und eine der wichtigsten Podcast-Figuren, hat 2011 für 1,2 Millionen US-Dollar ein Studio gebaut, in dem täglich mehrere Stunden Video-Podcasts in HD produziert werden.

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Leo Laporte im «Chief Twit»-Sessel im neuen Studio.

Über Settop-Boxen wie die von Roku lassen sich die Programme inzwischen auch problemlos am Fernseher im Wohnzimmer empfangen. Das Twit-Network macht laut Laporte einen Umsatz von 1,5 Millionen US-Dollar pro Jahr.

E-Content-Flop 1: 3D-Fernsehen
Noch ist HD daran, sich im Fernsehmarkt zu etablieren, da wollte die Heimelektronik-Industrie schon 3-D als unverzichtbares Merkmal durchdrücken. Der Sinn bleibt schleierhaft, da es kaum Inhalte in 3-D gibt und die Konsumenten keine Lust auf klobige Brillen haben. 3 D ist vor allem ein Symptom dafür, wie wenig Gespür die Hersteller für die Interessen und Wünsche des Publikums haben – andere technische Fortschritte, wie zum Beispiel die Erhöhung der Bildrate bei Fernsehübertragungen, wurden nicht in Erwägung gezogen, obwohl die sich ohne Brille realisieren liessen und den Fernsehkonsum deutlich angenehmer machen könnten.

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Klobig und unbeliebt – die 3-D-Brillen.

E-Content-Flop 2: Video und Serien on Demand
Die Bluray kommt nicht vom Fleck. Das liegt zum einen daran, dass die eher konservativen Käufer, die Filme gern auf Scheiben kaufen, weiterhin zur günstigen DVD greifen. Die fortschrittlichen Konsumenten tendieren längst zu Video on Demand – schliesslich stecken wir mitten im Download-Zeitalter. Auch kommt man mit einem Film on Demand deutlich günstiger zum Zug als beim Kauf von DVDs oder Blurays – vor allem, wenn der Titel nur ein einziges Mal konsumiert werden soll.

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Das Filmangebot im iTunes Store und anderswo ist nach wie vor sehr übersichtlich.

Trotz dieser Entwicklung ist das Angebot im iTunes Store bescheiden und schlecht gepflegt. Ältere Filme sucht man vergebens. Die Titel sind nur in einer Sprachfassung, ohne Zusatzmaterial und ohne Untertitel abrufbar. Und TV-Serien sucht man vergebens. Das mag das Geschäftsmodell der Medienverkäufer und des Privatfernsehens schützen. Aber es ist einfach nicht mehr zeitgemäss.

E-Content-Flop 3: The Daily
Rupert Murdochs News Corporation hat am 2. Februar 2011 mit viel Medienecho die erste tägliche Publikation lanciert, die nur auf dem iPod zu lesen ist. Das Projekt ist zwar nicht komplett gescheitert – aber es war ein Opfer seines eigenen Hypes. Die erneuernde Wirkung auf die Medienbranche, die viele sich erhofften, ist ausgeblieben.

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Opfer seines eigenen Hypes: The Daily.

Unter ferner liefen
«Duke Nukem Forever» ist ein Computerspiel, das nach einer sagenhaft langen Entwicklungszeit von 14 Jahren 2011 erschienen ist – und komplett floppte. Veraltete Technik, unsäglich peinlicher Sexismus und fehlender Humor werden dem Titel angekreidet.