Ich höre viel, aber nicht nur Radio Stadtfilter. Mein Zweitsender ist DRS3. Wobei ich kurz davor stehe, diese 25-jährige Beziehung zu beenden. Wenn ich mich undiplomatisch äussern darf (was ich in meinen eigenen Blog natürlich darf): DRS3 ist einfach nur noch Scheisse.
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Wobei ich sogar in meinem eigenen Blog so weit gehe, ein so harsches Urteil zu begründen:

  • Das Musikprogramm ist lieblos, die Musikauswahl beliebig. Britney Spears, Modern Talking und nach dem unrühmlichen Ausgang der Minarett-Abstimmung «Loser» von Beck. Das ist unfreiwillig unkomisch.
  • Es gibt viel zu viel chotzblöden Sauglattismus.
  • Das gleiche Adjektiv gilt auch für die unübersehbaren Tendenzen zur Boulevardisierung.
  • Jeder Moderator ist auch ein Komiker. Ein schlechter, meistens. (Ausnahme: Mona Vetsch)
  • Zu viel Wetter, zu viel Sport und generell zu viel Redundanz. Radio für Leute mit einem Aufmerksamkeitsdefizit.
  • Patriotische bzw. nationalistische Untertöne. Wenn ein Schweizer einen Hang runterrutscht und dabei schneller ist als die Nichtschweizer, kriegen sich die bei DRS3 fast nicht mehr ein. Die Berichterstattung zu Roger Federer gehört in die Kategorie journalistischer Blowjob.
  • Wenn mir für jede dümmliche Platitüde in der Moderation eine Monatsgebühr geschenkt würde, bekäme ich in diesem Leben von der Billag keinen Einzahlungsschein mehr.
  • Und muss man wirklich jeden Hafenkäse bis zum Abwinken anteasern?

Ich verstehe, dass sich der Sender zu einem gewissen Grad am Publikumsgeschmack orientiert. Das begünstigt offenbar ein gewisses Programmschema und führt dazu, dass sich kommerzielle Privatradios und gebührenfinanzierte Sender annähern. Allerdings hat DRS3 eine fatale Überanpassung vollzogen. Das Bedürfnis, dass DRS3 heute erfüllt, kann per sofort von jedem beliebigen Privatradio in der Schweiz erfüllt werden. (Programmleiter Robert Ruckstuhl kam 2000 vom Privatsender «Radio Zürisee» zu Radio DRS.) Umgekehrt gibt es Sender, die das, was gemeinhin als «Service Public» bezeichnet, besser machen: Stadtfilter in Winterthur, zum Beispiel (Disclaimer: Ich bin Mitglied, Mitarbeiter und Aktionär von Radio Stadtfilter).
Kurz: Als Hörer, der den Start DRS3 1983 als radiophonen Urknall erlebt hat, halte diesen Sender inzwischen für überflüssig. Abgesehen vom Abendprogramm (das ich quasi nie höre) und von Sendungen wie «Fokus» hat DRS3 seine Existenzberechtigung verspielt.
Wieso also nicht den Sender abschalten und mit dem Budget von 25 Millionen Franken pro Jahr etwas Neues wagen? Beispielsweise eine Förderung von «neuen Medien» wie Podcasts und Webradios. Das hätte eine garantiert um Welten vielfältigere, kreativere und informativere Medienlandschaft zur Folge als dieser lieblose Mainstream.