Es gibt Relikte aus der Vergangenheit, die sich als digitale Zombies entpuppen. Der Internet Explorer 6 ist so ein Fall. Je schneller er verschwinden würde, desto besser wäre es für den Fortschritt im Internet. Doch weil sich Windows XP wacker hält und ungeübte Anwender nicht auf die Idee eines Browser-Updates oder -Wechsels kommen, feiert, der Oldie fröhliche Urständ. Und in seinem Schlepptau das öde Outlook Express, das weder einen Spamfilter kennt noch vor Phishing warnt oder E-Mails für die schnelle Suche indiziert.
Mozilla Thunderbird könnte seit längerem als kostenloser und fortschrittlicher Ersatz fungieren. Vor Kurzem ist die Version 3.0 erschienen, die der Nibelungentreue zu veralteten Microsoft-Mailclients jegliche Daseinsberechtigung entzieht:

  • Die Suche mit Indizierung der Mails und die Sortier- und Filtermöglichkeiten sind sehr praktisch. Die Suchresultate werden als separaten Tab angezeigt, sodass man sie offen lassen kann, so lange man will und trotzdem Übersicht im Programmfenster behält. Bemängeln kann man hier lediglich, dass bei vielen Mails etwas langsam gesucht wird. Bei Windows Vista integriert sich Thunderbird in die Betriebssystem-eigene Suche. Bei Mac OS X gibt es eine Zusammenarbeit mit Spotlight. Das könnte die Sache auf diesen Systemen beschleunigen, zumal ich unter Windows XP getestet habe.
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  • Die Archivierungsmöglichkeit: Wie ich von der Kummerbox weiss, möchten viele Leute ihre Mails archivieren, doch ausser Outlook gibt es in keinem Mailprogramm eine entsprechende Funktion. Man wählt Nachrichten aus, klickt auf die Schaltfläche «Archivieren» oder drückt die Taste «A», und schon werden die Mails in eine seprate Ablage. Das erleichtert beispielsweise die Datensicherung. Allerdings könnte dieses Feature noch etwas ausgeklügelter sein – beispielsweise, wenn man Mails automatisch archiveren oder die Archive auf einen externen Datenträger auslagern könnte. In einer künftigen Version würde ich auch gern eine Integration in die «Speicherplatz»-Verwaltung pro Ordner sehen. Und zu guter Letzt wäre es praktisch, wenn man die Anhänge archivierter Mails automatisch löschen oder abtrennen könnte.
  • Sehr gut gefällt mir die Darstellung im Vorschaufenster, wenn mehrere Mails ausgewählt sind. Manche Mailprogramme zeigen in diesem Fall einfach das Mail, das als erstes ausgewählt wurde. Thunderbird zeigte in diesem Fall bislang gar nicht nichts an. In der Version 3.0 sieht man eine Zusammenfassung der Mails mit Betreff und einigen Zeilen des Mailbody.
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  • Unter gruppierte Ordner werden Postfächer wie der Posteingang, -ausgang und die Entwürfe aus verschiedenen Konten zusammengefasst. Sehr praktisch, verglichen mit der extrem unübersichtlichen Darstellung, die etwa Windows Live Mail bei mehreren Mailkonten zeigt.
  • Auch schön: Mails lassen sich nun endlich per Drag&Drop auf den Desktop oder in einen Dokumentenordner ziehen und werden am Zielort als EML-Datei abgelegt. Auch der umgekehrte Weg funktioniert: Man kann EML-Dateien per Maus in einen Mailordner ziehen und so importieren. Eine zwar hemdsärmlige, aber oft sehr praktische Methode, schnell ein paar Mails von einem Client zu einem anderen zu transferieren.
    Hinter jeder Adresse erscheint ein kleines Sternchen. Indem man es anklickt, wird es gelb und die Adresse wird ohne weitere Umstände ins Adressbuch eingefügt. Das funktioniert wie bei den Lesezeichen in Firefox und ist genauso praktisch.
  • Und endlich geht das Adressbuch von Thunderbird auch mit VCF- bzw. vCard-Dateien umgehen. Das hat beim ersten Test nicht reibungslos funktioniert. Da könnte allerdings an meiner Installation liegen, wie noch abzklären wäre. Stimmt leider nicht; diese Funktion stammte von der Erweiterung MoreFunctionsForAdressBook, die mit Thunderbird 3.0 aber nicht richtig harmoniert.

Auch wenn man im Zeitalter von Twitter, von Google Wave und Instant Messaging E-Mail nicht mehr sonderlich hip ist, gehört die Ur-Kommunikationsform des Internet noch nicht zum alten Eisen. Outlook Express, Windows Mail und Windows Live Mail aber schon.