«Systeme für messerscharfe Rechner» ist die Überschrift des Artikels auf Seite 14 und 15 in der «Computerworld» vom 23. Mai. Es geht um Blade-Server, also um Server in einer speziellen Bauform. Im Artikel geht es nicht um einzelne Modelle, sondern um die Vorteile von Blade-Servers und darum, wie KMUs sie einsetzen können. Illustriert ist der Artikel mit einem anderthalbspaltigen Abbildung eines IBM BladeCenters und einer dreispaltigen Abbildung eines HP ProLiant Blade-Systems. Geschrieben wurde der Artikel von Paul Schaffner. Die Fussnote verrät, dass der Autor Business Unit Manager Industry Standard Servers bei Hewlett-Packard Schweiz ist.
Gut, denn der Mann hat Ahnung, wovon er schreibt. HP ist weltweit Marktführer bei Blade-Servern. Der Tonfall des Artikels ist neutral und es kommt kein einziger Herstellername im Text vor. Er ist also auch objektiv und verlässlich als Informationsquelle (soweit ich das als Nicht-Blade-Server-Sachverständiger beurteilen kann). Nun, man kann sich natürlich fragen, ob im Text von «Blade-Systemen» die Rede wäre, wenn ein IBM-Manager ihn geschrieben hätte. Laut Wikipedia hat HP auch die Bezeichnung «Blade-System» geprägt, IBM verwendet den Terminus «BladeCenter».
Bei Fachzeitschriften ist es gang und gäbe, dass Manager den Job von uns Journalisten machen. Es liegt auf der Hand warum. Manager schreiben solche Artikel während ihrer Arbeitszeit, Journis wollen Honorar. Und diese geben die Redaktionsbudgets immer weniger her. Für die freien Journalisten ist das eine Katastrophe. Manche Kollegen, alte und gestandene Hasen, erlebe ich bis auf die Knochen frustriert.
Es ist auch klar, dass die Redaktionen die Honorare zahlen würden, wenn denn Inserate oder Abo-Preise das Geld hereinbringen würden. (Die «Computerworld» hat für meine Artikel immer faire Honorare bezahlt. Andernorts gabs weniger als die Hälfte.) So, wie ich das verstanden habe, ist das eine Überlebensstrategie.
Nicht klar ist mir allerdings, was die Leser von der ganzen Sache halten. Bestellen sie Abos ab? Stört es sie, aber wehren sie sich nicht? Wissen sie, warum es passiert und haben sie Verständnis? Oder ist es ihnen noch nicht aufgefallen?
Möglich wäre auch, dass die Leser das Medium längst abgeschrieben haben. Dass letzteres zumindest auf einen Teil der Leserschaft zutreffen könnte, lassen mich gewisse Reaktionen befürchten. Da wird einem dann pauschal und ohne Begründung unterstellt, Journis seien sowieso alle gekauft oder einfach ein verlängerter Arm der Marketing-Abteilungen der Unternehmen. Vielleicht ist das einfach so dahergeredet. Vielleicht basiert diese Meinung, obgleich zu verallgemeinernd und ungerecht, aber auch auf einschlägigen Erfahrungen. Trotz wirtschaftlicher Zwänge könnten und müssten manche Medien ihre Unabhängigkeit hartnäckiger verteidigen.
Die Situation ist jedenfalls paradox. Im Zeitalter, wo sogar KMU-Betriebe einen Blade-Server brauchen, gibt es mehr zu schreiben als je zuvor. Nur Honorare gibt es nicht. Wer als freier Journalist Geld verdienen will oder muss, verdingt sich als Geisterschreiber. Und bringt von Unternehmensvertretern geschriebene Texte in Form.