Am Wochenende hatten wir ein Rendez-Vous mit Indiana. Wie ich lese, hat «The Kingdom of the Crystal Skull» einen guten Start hingelegt. Trotzdem; wer nun seit 19 Jahren auf den neuen Film gewartet hat, muss eine herbe Enttäuschung gewärtigen. Es gibt zu wenige Rätsel und zu viele Aliens. Offenbar kann Mr. Spielberg keine Filme mehr drehen, in denen keine Ausserirdische vorkommen (zum Glück gab es wenigstens in «Schindler’s List» keine).
Nein, das Problem ist das Drehbuch. Natürlich; «Indiana Jones and the Last Crusade» hat die Latte hoch gelegt. Mit Sean Connery gab es einen tollen Co-Star, dem Shia LaBeouf leider nicht das Gralswasser reichen kann. Das Amphibienfahrzeug ist kein schlechter Einfall, aber nach Loren, Panzer, Zeppelinen will man maximal exotische Transportmittel sehen. Und die Nazis sind einfach auch bösere Bösewichte als Galadriel, pardon: Irina Spalko. Zu guter Letzt ist auch der heilige Gral ein so perfektes Objekt der Begierde, das man es nur schwerlich übertrumpfen kann. Überhaupt, Indys Vater und Indy selbst müssten doch unsterblich sein, nachdem beide aus dem Gral getrunken haben. Wie kann es da sein, dass Professor Dr. Henry Jones Sr. dahingeschieden ist, wie die Kameraeinstellung mit Indys Schreibtisch suggeriert?
Das Thema für die Fortsetzung hätte auf der Hand gelegen. Unsterblichkeit als Fluch. Oder irgend was anderes, einfach eine Geschichte, die etwas mehr Fleisch am Knochen hat als dieses verkappte E.T.-Sequel. Gibts wirklich keine Hollywood-Filme mehr, die einfach nur eine gute Geschichte haben? Einen Plot, der packt? Ein Ende, das überrascht?
Vielleicht sollte man da mal einen Archäologen losschicken. Könnte sein, dass er so ein Script irgendwo in der Wüste ausgräbt oder in einer alten Maya-Gruft findet.

